Nachdem CEO Armin Papperger sich abfällig über ukrainische Drohnen äußerte, erntet Rheinmetall im Netz viel Kritik und auch an der Börse läuft es nicht mehr rund
Damit hat sich Rheinmetall keinen Gefallen getan
Rheinmetall-Chef Armin Papperger hat schon des Öfteren Kritik an ukrainischen Drohnen geäußert. So auch am Freitag, als er das Ganze gegenüber dem Magazin „The Atlantic“ als „Spielen mit Lego-Steinen“ bezeichnete. Das sorgte für deutlich mehr Aufsehen als bei vergangenen Aussagen in diese Richtung und bringt dem Unternehmen nun einen veritablen Shitstorm ein.
Papperger beklagt vor allem, dass ukrainische Drohnen keine Innovation darstellen würden. Stattdessen verglich der Chef von Rheinmetall (DE0007030009) das Ganze mit „Hausfrauen“, welche Bauteilen in Küchen mit 3D-Druckern herstellen würden. Zweifellos dürfte damit auch versucht werden, die Überlegenheit eigener Waffensysteme in den Vordergrund zu stellen. Sollte dies Vater des Gedankens gewesen sein, so ging es aber gründlich nach hinten los.
Die Reaktionen im Netz ließen nicht lange auf sich warten. Alexander Kamyshin, seines Zeichens Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodomyr Selsenskyj, verwies bissig darauf, dass die eigenen „Lego-Drohnen“ bereits über 11.000 russische Panzer zerstört hätten. Am Sonntag berichtete Kamyshin zudem darüber, dass er bei dem Besuch von über 200 Rüstungsfabriken beobachten konnte, wie ukrainische Frauen und Männer gleichberechtigt arbeiteten. Sie alle verdienten Respekt, so der Berater von Selenskyj.
Rheinmetall auf dem Holzweg?
Andere Nutzer in den sozialen Medien warfen derweil Rheinmetall vor, mit aktuellen Entwicklungen nicht mithalten zu können. Die Kritik lautet oftmals darauf, dass Armin Papperger vor allem vermeintlich nutzlose und teure Panzer verkaufen wolle, während der Krieg in der Ukraine sich immer stärker auf Drohnen fokussiert. Solche hat auch Rheinmetall im Sortiment. Kamikaze-Drohnen sind mit 60.000 bis 80.000 Euro je Stück aber deutlich teurer als die von der Ukraine selbst hergestellten Gerätschaften.
Bislang versuchte Rheinmetall erfolglos, auch der Ukraine solche Drohnen zu verkaufen. Es darf bezweifelt werden, dass man damit nun mehr Erfolg haben wird. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass die Drohnen von Rheinmetall technologisch überlegen wären, so ist eben das in einem heißen Konflikt längst nicht der einzige Faktor. Der Preis und das Tempo der Herstellung spielt bei einem massenhaften Einsatz eine ebenso, vielleicht sogar noch eine wichtigere Rolle.
Rheinmetall versuchte zwischenzeitlich, mit einem eigenen Post beim Kurznachrichtendienst „X“ die Wogen etwas zu glätten. Das Unternehmen ließ wissen, den „höchsten Respekt“ vor den Anstrengungen des ukrainischen Volkes zu haben. Beteuert wurde, dass man es dem Land hoch anrechne, trotz begrenzter Ressourcen effektiv zu kämpfen. Ferner seien Innovationskraft und Kampfgeist der Ukrainer eine Inspiration für das Unternehmen.
Rheinmetall redet sich um Kopf und Kragen
Es bleibt der Eindruck, dass Rheinmetall munter Reden schwingt, während die Ukraine tatsächlich handelt und die Effektivität ihrer Waffensysteme jeden Tag aufs Neue unter Beweis stellt. Bei dieser Ausgangslage sollte Konzern seine Aussagen vielleicht mit etwas mehr Bedacht wählen. Den eigenen Geschäften wird es wahrscheinlich nicht nachhaltig schaden. Die Ukraine wird dem Konzern weiterhin alles abnehmen, was im laufenden Konflikt von Nutzen ist. Doch auch an der Börse legt die Kritik ein wenig den Finger in die Wunde.
Die Rheinmetall-Aktie konnte schon seit einer Weile keine Rekorde mehr schreiben, obschon sich am Wachstumskurs nichts geändert hat. Die Aufrüstung in Europa schreitet voran und Rheinmetall spielt dabei eine Schlüsselrolle. Doch mehren sich die Zweifel, ob der Rüstungskonzern für Schlachtfelder von heute überhaupt noch die passenden Technologien anbietet oder nicht vielleicht ein wenig in der Vergangenheit festhängt. Dazu gesellten sich Sorgen über steigende Kosten aufgrund galoppierender Energiepreise. Der Aktienkurs fiel in der vergangenen Woche unter 1.400 Euro und durchkreuzte damit wichtige Unterstützungen nach unten.
30.03.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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