Rheinmetall bleibt antriebslos, TUI wünscht sich weniger Bürokratie, Kurspotenzial bei BMW und Vonovia hat es nicht leicht
Bei diesen Aktien erkennen Analysten trotz Gegenwind Chancen
Besonders an den US-Märkten gab es am Donnerstag eine recht ansehnliche Erholung zu sehen, allerdings bleibt die Stimmung angeschlagen. Noch immer sind es vor allem vage Hoffnungen und einzelne Hypes, welche über eine ansonsten maue Konjunkturentwicklung hinwegtrösten können. Viele Anleger haben ihr Urteil gefällt und diverse Aktien abgestraft. Allerdings erkennen Analysten zuweilen genau dort interessante Chancen.
Weit entfernt von ihren Rekordständen notiert derzeit die Aktie von Rheinmetall (DE0007030009). Mit etwas Mühe kann derzeit die Linie von 1.200 Euro verteidigt werden; am Donnerstag ging es nach einem Kursplus von 1,9 Prozent auf 1.220 Euro aufwärts. Die Phase der großen Euphorie scheint aber trotz anhaltender Konflikte vorbei zu sein. Die Anleger scheinen das Unternehmen mittlerweile als fair bewertet anzusehen.
Die Analysten von Morgan Stanley erkennen indes noch viel langfristiges Potenzial. Dennoch wird der Ausblick auf ein neutrales „Equal-weight“ zurückgestuft. Verwiesen wird dabei auf die aktuelle Dynamik am Markt, welche einem frischen Höhenflug wohl im Wege zu stehen scheint. Die Erwartungen bezüglich Gewinnen und Kurszielen hätten sich deutlich abgeschwächt. Optimisten können darin aber auch das Potenzial für positive Überraschungen in der Zukunft erkennen. Grundsätzlich bleiben die allermeisten Analysten Rheinmetall gegenüber positiv eingestellt.
TUI appelliert an die Politik
Die Aktie von TUI (DE000TUAG505) wird von Analysten als ein potenzieller Comeback-Kandidat behandelt. Die Sorgen aufgrund aktueller Krisen scheinen etwas übertrieben auszufallen. Zumindest entsteht dieser Eindruck beim Blick auf die Kursziele. Durchschnittlich werden der TUI-Aktie 10,35 Euro und damit fast 60 Prozent mehr als der jüngste Schlusskurs bei 6,51 Euro zugetraut.
Damit es mit dem Aufwärtstrend klappt, braucht es vielleicht auch die passenden politischen Voraussetzungen. Wie „Reisevor9“ berichtet, sprach sich TUI kürzlich für weniger Regulierung und Bürokratie aus. Insbesondere sollten Nachteile durch die EU angegangen werden, mit denen andere Anbieter nicht zu kämpfen hätten. Das betrifft diverse Pflichten, denen Pauschalreiseanbieter unterworfen sind, welche aber beispielsweise für US-Anbieter nicht gelten. Etwas Entspannung auf politischer Ebene würde sicher auch der Laune der Anleger nicht schaden. Ob Brüssel den Wünschen entsprechen mag, steht aber in den Sternen.
BMW mit mehr Glück im nächsten Halbjahr?
Vollkommen das Interesse verloren haben die Anleger offenbar an der Aktie von BMW (DE0005190003). Zwar schlägt der bayrische Autobauer sich in der derzeitigen Branchenkrise noch besser als viele Mitbewerber. Krise herrscht aber trotzdem und die meisten Börsianer gehen auf Abstand. Der Aktienkurs krachte im laufenden Jahr bereits um über 30 Prozent bis auf 66,54 Euro per Handelsschluss am Donnerstag in die Tiefe.
Die US-Bank JPMorgan erkennt in ihrer jüngsten Studie auch klare Belastungen, darunter das schwache China-Geschäft und enttäuschende Margen. Gleichwohl geht man davon aus, dass die „Neue Klasse“ im zweiten Halbjahr für eine Erholung sorgen könnte. Ausgehend vom Kursziel könnte die sogar enorm ausfallen. 100 Euro halten die Börsenprofis aus Übersee für machbar. Sollte dieses Kunststück gelingen, würde BMW sämtliche Abschläge der letzten Monate wieder egalisieren. Allerdings handelt es sich dabei freilich erstmal nur um eine gute Hoffnung.
Für Vonovia wird es ungemütlicher
Aufgrund der gestrigen Zinserhöhung wird das Umfeld für den Immobilienkonzern Vonovia (DE000A1ML7J1) nun noch etwas ungemütlicher. Darauf reagierte die Aktie auch prompt mit einem Kursverlust von 1,1 Prozent und der Kurs setzte gestern auf 19,74 Euro zurück. Dass es nicht noch weiter abwärts ging, liegt schlicht daran, dass die Zinserhöhung seitens der EZB bereits fest erwartet wurde. Schon im Vorfeld stand die Vonovia-Aktie unter Druck und mit 19,74 Euro notiert sie nur äußerst knapp über dem 52-Wochen-Tieg bei 19,53 Euro.
Die Analysten lassen sich allerdings kaum beunruhigen. Laut der Plattform „MarketScreener“ empfehlen aktuell zehn Analysehäuser Vonovia zum Kauf oder sagen zumindest eine überdurchschnittliche Kursentwicklung voraus. In vier Fällen gibt es eine neutrale Haltung und nur eine negative Einschätzung ist zu finden. Das durchschnittliche Kursziel spricht hingegen mit 32,17 Euro eine klare Sprache. Hier ergibt sich rechnerisch ein Aufwärtspotenzial von knapp 63 Prozent. Die Börsenprofis scheinen hier also ein echtes Schnäppchen zu erkennen. Allerdings bleibt noch abzuwarten, wie Vonovia mit dem wieder ungünstigeren Zinsumfeld nun umgehen mag.
Hört, hört!
In jedem Absturz kann sich an der Börse eine Chance verbergen, denn nach Korrekturen sind Aktien freilich besonders günstig zu haben. Leider lässt sich die nächste Erholungsrallye nie mit Sicherheit vorhersagen. Wer auf ein solches Szenario hofft, macht mit einem Blick auf die Empfehlungen der Analysten aber nichts verkehrt. Der eine oder andere Comeback-Kandidat macht sich zudem stets gut in einem ausgewogenen Depot.
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12.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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