Rheinmetall verkauft sein ziviles Geschäft an einen Finanzinvestor und konzentriert sich in Zukunft damit voll und ganz auf den Rüstungssektor
Die Aktie von Rheinmetall kann nicht profitieren
Gemunkelt und spekuliert wird schon seit Längerem darüber, dass Rheinmetall sich von seiner zivilen Sparte Power Systems trennen könnte, um sich vollständig auf seine Aktivitäten im Rüstungssegment zu konzentrieren. Dort erzielt der Konzern weitaus höhere Margen und auch die Nachfrage fällt seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 ungleich höher aus.
Nun gibt es auch endlich Gewissheit über die Pläne. Wie Rheinmetall (DE0007030009) am Mittwoch mitteilen ließ, geht das zivile Geschäft an den Finanzinvestor Aequita, der dafür 350 Millionen Euro in die Hand nimmt. Die Kaufsumme kann sich jedoch bis zum Abschluss noch ändern. Über die Bühne gehen soll der Deal im vierten Quartal, so die Aufsichtsbehörden dem Ganzen zustimmen mögen.
Viel zu holen war für Rheinmetall im zivilen Sektor nicht mehr. Im letzten Jahr schrieb der Konzern hier bereits 350 Millionen Euro ab. Nun stehen weitere 200 Millionen Euro an, was als eine „nicht zahlungswirksame Wertberichtigung“ bezeichnet wird. Aufgrund des überschaubaren Kaufpreises ist aus Anlegersicht nicht mit neuen Impulsen zu rechnen. Allenfalls wird das Ganze dafür sorgen, dass Rheinmetall in Zukunft konzernweit noch etwas höhere Margen erreicht, da jene durch maue Ergebnisse als Zulieferer nicht weiter gedrückt werden.
Rheinmetall denkt um
Für Rheinmetall hat sich in den letzten Jahren vieles grundsätzlich verändert. Das Geschäftsmodell wurde mehr oder minder auf den Kopf gestellt. Denn in der Vergangenheit galt das Geschäft mit Rüstungsgütern als schwankungsanfällig und nicht selten auch wenig lukrativ. Eine boomende Autosparte bescherte dem zivilien Segment hingegen enorme Umsätze und stattliche Gewinne. Durch den Ukraine-Krieg hat sich die Ausgangslage ins genaue Gegenteil gewandelt.
Heute und sehr wahrscheinlich auch noch in den nächsten Jahren blickt Rheinmetall auf Auftragsbücher in der Rüstungssparte, die aus allen Nähten platzen und sich weiterhin füllen. Die Autobauer hingegen stecken in einer veritablen Krise, aus der sich nach wie vor kein dauerhafter Ausweg abzuzeichnen scheint. Dass Rheinmetall seine Prioritäten nun neu ordnet, erscheint da nur folgerichtig. Zufrieden ist damit aber wahrscheinlich längst nicht jeder.
Die IG Metall blickt sehr skeptisch auf den Finanzinvestor Aequita, der sich auf Sanierungsfälle spezialisiert hat. Wie die „FAZ“ berichtet, veröffentlichte die Gewerkschaft kürzlich ein Dossier über Aeuquita, in welchem dem Investor vorgeworfen wird, Betriebe abzuwickeln. Als Beispiele dienen Unternehmen wie Opti und SMAG. Im Falle von Rheinmetall erwirkte man einen Überleitungstarifvertrag, welcher den rund 3.500 Beschäftigten in acht Betrieben nach einem Verkauf die bisherige Tarifbindung garantiert. Zudem werden betriebsbedingte Kündigungen für drei Jahre ausgeschlossen und es dürfen keine Standorte geschlossen werden.
Konsequent
Das Vorgehen von Rheinmetall ist aus Anlegersicht nur als konsequent zu betrachten. Es wird dem Unternehmen aber keine Unsummen in die Kassen spülen. Das Ganze ist die logische Folge der derzeitigen Entwicklung auf den Märkten. Wenig überraschend reagierte die Aktie nicht weiter. Letztere macht es sich derzeit nach einer Welle von Korrekturen bei rund 1.200 Euro bequem. Kursrekorde gab es schon seit einer Weile nicht mehr zu sehen. Aktuell lastet der Blick in die Ukraine ein wenig auf dem Papier.
Im noch immer laufenden Krieg scheint Russland immer schwerer unter Druck zu geraten und einige Politiker wollen bereits ein Fenster für Verhandlungen erkannt haben. An der Börse bleibt es bei der Erwartung, dass ein möglicher Friedensschluss die Geschäfte von Rheinmetall eher belasten würde. Doch ist ein Frieden bisher nicht wirklich in Sicht und noch dazu wird die Nachfrage nach Rüstungsgütern selbst in einem solchen Szenario mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf sehr hohem Niveau bleiben.
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04.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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