Die ausgedruckte Bordkarte soll es bei Ryanair in Zukunft nicht mehr geben, stattdessen besteht für die meisten Passagiere ein App-Zwang
Verbraucherschützer bringen sich gegenüber Ryanair schon mal in Stellung
Ryanair hat sich auf die Fahne geschrieben, zur ersten rein digitalen Airline zu werden. Eigentlich sollte bereits im Frühjahr die ausgedruckte Bordkarte wegfallen. Die entsprechenden Pläne wurden allerdings noch einmal nach hinten verschoben. Nun wagt das Unternehmen im ruhigen November einen weiteren Anlauf und will das Boarding künftig ausschließlich mit digitalen Tickets abwickeln.
Ab heute müssen Passagiere bei Ryanair (IE00BYTBXV33) ihre Tickets in digitaler Form auf dem Smartphone bereithalten, um ihre Flüge antreten zu können. Andernfalls gelingt nicht einmal mehr der Zutritt in den Sicherheitsbereich eines Flughafens. Notwendig ist zudem die Nutzung der App „myRyanair“, zu deren Download die Kundschaft nun mehr oder minder gezwungen wird. Einzig Reisende, die ihr Ticket von einem anderen Hauptbuchenden erhalten, können auf das Programm verzichten und ihre Bordkarte auch direkt zugeschickt bekommen.
Ryanair erhofft sich von dem Schritt, die Papiermengen drastisch zu reduzieren. Gerechnet wird mit 300 Tonnen weniger Papierabfall pro Jahr. Das klingt nach einer hohen Zahl, spielt für die CO2-Emissionen des Konzerns aber sehr wahrscheinlich nur eine untergeordnete Rolle. Wie sich der Wegfall der ausgedruckten Tickets auf die Kostenseite bei Ryanair auswirken mag, darauf ging das Unternehmen nicht näher ein. Verkauft werden soll die digitale Offensive aber klar als Fortschritt und nicht etwa als für die Passagiere nachteilige Entwicklung.
Ryanair im Visier der Verbraucherschützer
Tatsächlich dürften die meisten Kunden von Ryanair von der Umstellung nichts mitbekommen. Über 80 Prozent nutzen laut Unternehmensangaben ohnehin bereits digitale Wege zum Check-in. Zerstreut werden auch Sorgen, dass genau zum falschen Zeitpunkt der Akku eines Smartphones den Geist aufgeben könnte oder es zu sonstigen Problemen kommt. In solchen Fällen habe das Unternehmen nach dem Einchecken ohnehin die Sequenznummer am Flugsteig und die Passagiere würden auf jeden Fall an Bord gebracht werden. Das versprach Ryanair-Chef Michael O’Leary in einem Interview mit „The Independent“.
Trotz allem gibt es aber auch heute noch Passagiere, welche das ausgedruckte Ticket bevorzugen oder darauf vielleicht sogar angewiesen sind. Verbraucherschützer verweisen etwa auf Menschen ohne Smartphone, Internetverweigerer und schlicht technologisch weniger affine Personen. Befürchtet wird, dass jene nun schlicht ausgeschlossen werden und ihnen damit ein Stück Mobilität verlorengehen könnte.
Eine Klage gegen Ryanair wurde zwar noch nicht angekündigt. Der Fluggastrechte-Referent André Dudarstaedt sieht aber juristisch gute Chancen, sollten von der Änderung behinderte Menschen betroffen sein, wie im „Handelsblatt“ zu lesen ist. In einem solchen Fall könne man sich auf das Gleichbehandlungsgesetz berufen. Einen letzten Ausweg gibt es bisher noch. Wer sämtliche Erinnerungen zum Online-Check-In gekonnt ignoriert, kann am Flughafen noch gegen Gebühr einchecken und auf diesem Wege auch eine gedruckte Bordkarte erhalten. Die Höhe der Gebühren variiert je nach Abflugland. Bis zu 55 Euro können fällig werden.
Nicht aufzuhalten
Mit Sicherheit wird Ryanair noch Gegenwind bei seinem rein digitalen Kurs erfahren, vielleicht auch die eine oder andere Klage. Für die meisten Passagiere ist der digitale Check-in aber ohnehin bereits seit Jahren gelebte Realität und der Trend zum Digitalen ist längst nicht mehr aufzuhalten. Der implizierte App-Zwang mag dem einen oder anderen sauer aufstoßen. Eine echte Bedrohung für das Passagieraufkommen ergibt sich jedoch nicht.
Daher zeigen die Anleger sich auch sehr entspannt und konzentrieren sich lieber auf das ansehnliche Wachstum bei den Passagierzahlen im laufenden Jahr. Das verlieh der Ryanair-Aktie ordentlichen Rückenwind und Kursgewinne von rund 40 Prozent in den letzten zwölf Monaten. Der positive Trend hielt auch am Mittwochmorgen an, als es mit Zugewinnen von 0,4 Prozent in den Handel ging und der Kurs sich bis auf 26,57 Euro verbessern konnte.
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12.11.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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