Ryanair klagt über hohe Standortkosten und schreckt nicht vor drastischen Kürzungen zurück, um den eigenen Forderungen Nachdruck zu verleihen
Zu Kompromissen scheint man bei Ryanair nicht bereit zu sein
Schon seit Längerem klagt Ryanair über hohe Kosten in einigen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland. Verbunden ist die Kritik nicht selten mit der Drohung, sich künftig neu aufzustellen und Kapazitäten in günstigere Regionen umzuschichten. Bei der Drohung allein bleibt es selten. In Berlin zieht die Airline nun bereits Konsequenzen und in Österreich wird der Regierung mehr oder minder die Pistole auf die Brust gedrückt.
Im Falle des Flughafen BER geht Ryanair (IE00BYTBXV33) nun besonders drastisch vor. Wie das Unternehmen mitteilte, wird dort die eigene Basis im Oktober vollständig geschlossen. Zwar wird der Flughafen in der Hauptstadt noch von anderen Basen aus angesteuert werden. Das Angebot von Ryanair vor Ort soll sich aber von derzeit 4,5 Millionen auf nur noch 2,2 Millionen Passagiere im kommenden Jahr verringern.
Die Airline begründet den Schritt mit den hohen Gebühren, welche laut Angaben des Unternehmens noch einmal um zehn Prozent anziehen sollen. Damit sei der Flughafen BER nicht länger konkurrenzfähig. Ausbauen will Ryanair Kapazitäten in Ländern wie der Slowakei, Albanien, Italien und Schweden. Dort wird keine Luftverkehrssteuer erhoben. An eben jener stört sich der irische Billigflieger momentan auch in Österreich.
Ryanair lässt nicht mit sich reden
Für den Flughafen Wien hat Ryanair bereits eine Reduzierung des Betriebs auf den Weg gebracht, wenngleich dort die Basis (noch?) nicht vollständig geschlossen wurde. Vor Kurzem erneuerte der Konzern aber seine Forderung nach einer vollständigen Abschaffung der Luftverkehrssteuer. Bis zum 1. Mai wird ein entsprechendes Vorgehen von der Politik gefordert und an neuerliche Investitionen gekoppelt. Ein Stück weit agiert Ryanair gegenüber den politischen Entscheidungsträgern mit Zuckerbrot und Peitsche.
Bekommt Ryanair seinen Willen, so werden Investitionen und steigende Passagierzahlen in Aussicht gestellt. Andernfalls droht der Konzern recht unverhohlen mit einem Rückzug und der stärkeren Konzentration auf günstigere Standorte. Das hat durchaus ein gewisses Gewicht, da der Billigflieger hohe Passagierzahlen vorweisen kann. Aus Wien war allerdings von einigen Regierungsvertretern bereits zu hören, dass man sich nicht „erpressen“ lassen möchte.
Kritik bekommt Ryanair für sein Vorgehen auch von der Gewerkschaft Verdi. Denn der Rückzug aus Berlin hat natürlich Auswirkungen auf das dort stationierte Personal. Zwar stellt das Unternehmen neue Anstellungen in Aussicht. Solche können sich aber quer über Europa verteilen und nicht jeder dürfte ein Interesse daran haben, beispielsweise von Berlin nach Bratislava umzuziehen. Verdi moniert, dass Ryanair auf maximale Profitorientierung ausgerichtet sei und soziale Verantwortung keine Rolle spiele. Beschäftigte würden wie eine beliebige Verhandlungsmasse behandelt. Mit diesen Worten wurde Bundesfachgruppenleiter Luftverkehr und Maritime Wirtschaft bei der „FAZ“ zitiert.
Ein gefährliches Spiel?
Grundsätzlich hat Ryanair kein Interesse daran, seine Kapazitäten in wichtigen europäischen Großstädten zu reduzieren. Doch gerade bei Billig-Airlines, wo Ticketpreise schon mal centgenau berechnet werden, führen hohe Steuern und Abgaben schnell zu Kopfzerbrechen. Mit einem beherzten Auftreten versucht die irische Airline sich daran, eigene Interessen durchzusetzen. Ob das nun der richtige Weg sein mag oder nicht, sei dahingestellt. Aus Anlegersicht entstehen Herausforderungen aber noch aus ganz anderer Richtung.
Rasant steigende Kerosinpreise und die Befürchtung, dass der Treibstoff bei einer anhaltenden Sperrung der Straße von Hormus knapp werden könnte, schlagen die Bullen in der Branche derzeit in die Flucht. Die Ryanair-Aktie befindet sich daher im Tiefflug. 56,67 US-Dollar standen zu Handelsschluss am Freitag noch auf dem Ticker. Das sind gut 22 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Ein wenig opportun scheint es in dieser Ausgangslage schon zu sein, genau jetzt Kürzungen zu beschließen und damit vielleicht die Kosten etwas im Zaum zu halten. Dennoch werden geringere Kapazitäten auch unter Anlegern durchaus mit etwas Skepsis verfolgt.
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27.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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