SAP verbreitet Optimismus, die Deutsche Telekom setzt auf digitale Souveränität, ASML bleibt unverzichtbar und AT&S investiert in die Zukunft
Europäische Unternehmen basteln an der digitalen Unabhängigkeit des Kontinents
US-Tech-Konzerne dominieren noch immer das Geschehen, wenn es um Cloud, KI und Co. geht. Wahrscheinlich wird sich daran auch nicht allzu bald etwas ändern. Europa muss sich aufgrund der überwältigenden Macht von US-Unternehmen einiges an Kritik gefallen lassen. Doch vielleicht steht man hier nicht ganz so schlecht da, wie es oft den Eindruck erwecken mag.
Zu diesem Schluss kommt zumindest Christian Klein, seines Zeichens Chef des Software-Unternehmens SAP (DE0007164600). Bei der Münchner Sicherheitskonferenz sagte jener gegenüber „CNBC“, dass europäische Staaten und Unternehmen zunehmend unabhängiger von US-Anbietern würden. In den letzten Jahren habe es enorme Investitionen in eigene Cloud-Infrastrukturen und KI-Modelle geben. Auch bei Sicherheitsarchitekturen erkennt der SAP-CEO Fortschritte. Dabei gehe es nicht um eine Abschottung, sondern den Schutz von kritischen Daten und staatlichen Kernprozessen.
Bei der reinen Größe kann Europa selbstredend nicht mit US-Anbietern mithalten. Laut Klein hole Europa aber nicht durch pure Größe, sondern such Standards, Sicherheit und Souveränität auf. Wann immer europäische Unternehmen auf lokale Lösungen setzen, wird SAP derweil freilich zu einem interessanten Partner. Vielleicht ist es daher auch die Unberechenbarkeit und das immer wieder unfreundliche bis feindliche Auftreten von Donald Trump gegenüber der EU, was der angeschlagenen SAP-Aktie wieder etwas Rückenwind verleiht. Am Freitag ging es um 1,8 Prozent auf 173,80 Euro aufwärts.
Die Deutsche Telekom ist am Start
In Sachen digitale Souveränität legte die Deutsche Telekom (DE0005557508) bereits zu Beginn des Monats vor. Da meldete der Konzern, Deutschlands erste KI-Fabrik für die Industrie in München in Betrieb genommen zu haben. Jene soll hiesigen Unternehmen und Regierungen moderne Infrastruktur anbieten, ganz ohne eine Datenübertragung in die USA oder auf Server in anderen Ländern.
Dem Aktienkurs half das weniger weiter als Erfolge der US-Tochter T-Mobile. Zukunftschancen lassen sich in dem Vorstoß aber klar erkennen. Insbesondere bei kritischen Anwendungen ist das neue Rechenzentrum der Telekom momentan mehr oder minder die erste Wahl für deutsche sowie europäische Unternehmen. Denn anders als in Übersee gilt es in hiesigen Gefilden, die recht hohen Sicherheits- und Datenschutzstandards der EU einzuhalten. Zwar setzt die Telekom dafür auf Hardware von Nvidia, verspricht aber dennoch maximale Sicherheit.
Ohne ASML geht es nicht
Geht es um große Hersteller von KI-Chips, so glänzt Europa weiterhin mit Abwesenheit. Nvidia dominiert den Markt weiterhin, die aktuell größten Verfolger stammen aus den USA selbst und vielleicht aus China. Europa scheint nur von der Seitenlinie aus zuzusehen. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. KI-Chips sind eine recht komplexe Angelegenheit, deren Fertigung nur mit hochentwickelten Belichtungssystemen gelingt. Genau die stammen im High-End-Bereich so gut wie ausschließlich vom niederländischen Hersteller ASML (NL0010273215).
Analysten sehen derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass sich an dieser Ausgangslage allzu bald etwas ändern wird. Dadurch hat Europa nicht nur einen kleinen Trumpf in der Hand. Es beschert dem Unternehmen natürlich auch sehr ansehnliche Umsätze, was die Kursziele munter in die Höhe schießen lässt. Diesem Beispiel folgen die Bullen freudig, sodass die Aktie sich bis auf 1.255,60 Euro zu diesem Wochenende verbessern konnte. Allein seit Jahresbeginn ging es schon um fast 30 Prozent in Richtung Norden.
AT&S setzt nach
Auch IC-Substrate des österreichischen Unternehmens AT&S (AT0000969985) spielen bei der Fertigung von KI-Hardware eine nicht unwichtige Rolle, was vielleicht noch etwas mehr untergeht als die Bedeutung von ASML. Das Management will Vorteile nicht aus der Hand geben und arbeitet bereits aktiv an weiteren Forschungserfolgen. Zu diesem Zweck wird an der TU Graz sogar der Aufbau einer neuen Forschungsgruppe finanziert, die sich auch noch mit weiteren Themen beschäftigen soll.
Zwar lassen sich keine Versprechen darüber abgeben, was durch dieses Vorhaben erreicht werden mag. Doch gelingt es AT&S immerhin, immer mehr auf das Radar der Anleger zu gelangen. Zuletzt ging die Aktie in einen sehr steilen Aufwärtstrend über, welcher den Kurs seit Jahresbeginn um annähernd 60 Prozent auf 51,50 Euro per Handelsschluss am Freitag beförderte. Mit dieser Performance lässt man aktuell amerikanische KI-Aktien weit hinter sich. Vielleicht sollte Europa also auch an der Börse noch nicht abgeschrieben werden.
Unterschätzt?
Es ist nicht so, als gäbe es in Europa derzeit keinerlei Nachholbedarf. Auf dem Kontinent wurde manche Entwicklung verschlafen und die großen Umbrüche der letzten Jahre führten auf politischer Ebene des Öfteren zu Überforderung. Langsam scheint man sich auf die neue Realität aber einzustellen. Im Hintergrund arbeiteten europäische Unternehmen stets unermüdlich daran, nicht den Anschluss zu verlieren und technologisch mithalten zu könne. Wie es scheint, wird das an der Börse mittlerweile mehr gewürdigt.
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22.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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