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SMA Solar gewinnt die Kontrolle zurück

Höhere Prognose, 1,8 Milliarden Euro Auftragsbestand und eine deutliche Ergebniswende verändern die Geschichte – doch ein Teil des Halbjahresgewinns ist noch nicht operativ

NTG24 - SMA Solar gewinnt die Kontrolle zurück

 

SMA Solar kommt aus einer Phase, in der Anleger fast jede neue Zahl auf Restrukturierungsbedarf, schwache Nachfrage und Margendruck abklopfen mussten. Das erste Halbjahr 2026 verschiebt diesen Blick. Der Wechselrichter- und Systemtechnikspezialist verdient wieder deutlich besser, die Nachfrage im kleineren Geschäft mit Heim- und Gewerbeanlagen erholt sich und der Auftragsbestand ist kräftig gewachsen. Aus der Sanierungsstory wird damit langsam wieder eine Wachstumsfrage.

SMA Solar Technology AG (DE000A0DJ6J9) erzielte im ersten Halbjahr einen Konzernumsatz von 686,6 Mio. Euro und lag damit nahezu auf Vorjahresniveau. Das klingt zunächst unspektakulär. Die interessantere Bewegung fand jedoch beim Ergebnis statt: Das EBITDA vor Sondereffekten erhöhte sich auf 65,9 Mio. Euro nach 50,3 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Einschließlich der Sondereffekte erreichte es 88,3 Mio. Euro.

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Noch stärker wirkt der Auftragsbestand. Ende Juni standen rund 1,8 Mrd. Euro in den Büchern, nach etwa 1,2 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Das gibt der Story mehr Substanz, denn SMA muss den Turnaround nicht ausschließlich über Kostensenkungen erklären. Vor allem Großanlagen und Speicherlösungen liefern inzwischen eine deutlich bessere Visibilität für die kommenden Quartale.

Die Börse hat diese Verbesserung längst entdeckt. Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn sehr kräftig erholt und bewegte sich zuletzt wieder im Bereich von rund 50 bis 55 Euro. Nach dem starken Anstieg wird allerdings anspruchsvoller, was Anleger als positive Überraschung akzeptieren. Die Restrukturierung allein reicht als Kurstreiber inzwischen nicht mehr.

 

Die Prognoseanhebung verändert den Maßstab

 

Bereits Mitte Juli hatte SMA seine Erwartungen für das Gesamtjahr deutlich angehoben. Der Vorstand rechnet nun mit einem Umsatz zwischen 1,625 Mrd. und 1,725 Mrd. Euro. Beim EBITDA werden 180 Mio. bis 230 Mio. Euro erwartet. Zuvor hatte SMA für beide Kennzahlen wesentlich vorsichtiger geplant.

Die angehobene Jahresprognose ist deshalb wichtiger als die reine Halbjahresbetrachtung. Das Management begründet sie mit verbesserten Marktbedingungen, einer positiven operativen Entwicklung und günstigeren Wechselkurseffekten. Damit hat sich der Erwartungsrahmen innerhalb weniger Monate deutlich verschoben.

Ganz sauber darf man die Ergebniswende dennoch nicht hochrechnen. Das zweite Quartal enthielt positive Sondereffekte, unter anderem aus US-Zollrückerstattungen. Ohne diese Effekte hätte SMA für das Quartal einen Umsatz von rund 368 Mio. Euro und ein EBITDA von 40,9 Mio. Euro ausgewiesen. Das ist operativ klar besser als im Vorjahr, aber eben weniger spektakulär als die berichteten Zahlen zunächst erscheinen lassen.

 

Home & Business ist wieder relevant

 

Besonders wichtig ist die Entwicklung von Home & Business Solutions. Der Bereich war in der Krise eines der größten Probleme des Konzerns. Überbestände bei Distributoren, schwache europäische Nachfrage und hoher Preisdruck hatten die Profitabilität massiv belastet.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz dieses Segments nun deutlich. Schon im ersten Quartal hatte SMA ein Plus von 27,4 % auf 61,4 Mio. Euro gemeldet. Im zweiten Quartal erreichte der Umsatz 83,3 Mio. Euro nach 67,9 Mio. Euro im Vorjahr. Gleichzeitig näherte sich das Segment wieder einem operativ tragfähigeren Niveau.

Das ist für die Bewertung wichtiger als ein einzelner Einmaleffekt. Large Scale war auch während der Krise vergleichsweise robust. Wenn nun zusätzlich das kleinere Wechselrichtergeschäft wieder funktioniert, wird SMA weniger abhängig von einem einzigen Ertragsmotor.

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1,8 Milliarden Euro Aufträge sind das stärkste Signal

 

Der größte Unterschied zum schwierigen Vorjahr steckt möglicherweise nicht in der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern im Auftragsbuch. Der Bestand von rund 1,8 Mrd. Euro lag Ende Juni etwa 50 % über dem Vorjahresniveau. Ein großer Teil entfällt auf Large Scale & Project Solutions und damit auf Großanlagen sowie zunehmend auch Speicherprojekte.

Reuters verwies nach Vorlage der Halbjahreszahlen ebenfalls auf die kräftig gestiegene Nachfrage nach flexiblen Speicherlösungen. Der Ausbau von Rechenzentren und der steigende Strombedarf erhöhen den Bedarf an Netzintegration, Speichern und Leistungselektronik. Damit bekommt SMA neben dem klassischen Solarzubau einen zweiten strukturellen Treiber.

Das ist allerdings kein automatischer Gewinn. Ein hoher Auftragsbestand muss termingerecht abgearbeitet werden, und gerade Großprojekte können von Lieferketten, Zöllen, Projektverschiebungen und Währungseffekten beeinflusst werden. Entscheidend wird daher sein, mit welcher Marge der stark gestiegene Bestand in Umsatz übergeht.

 

 

 

Die Aktie handelt bereits mehr als Restrukturierung

 

Nach der kräftigen Erholung hat sich das Chance-Risiko-Verhältnis verändert. Ende 2025 musste SMA vor allem beweisen, dass der operative Absturz gestoppt werden kann. Im Sommer 2026 erwartet der Markt bereits eine erfolgreiche Normalisierung. Genau deshalb können gute Zahlen den Kurs zwar stützen, aber nicht mehr automatisch dieselbe Neubewertung auslösen wie zu Beginn des Turnarounds.

Positiv ist, dass inzwischen mehrere Bausteine gleichzeitig tragen: Die Kostenstruktur verbessert sich, Home & Business erholt sich, der Auftragsbestand wächst und die Jahresprognose wurde deutlich nach oben genommen. Auch die Liquiditätsentwicklung ist stabiler. Ende Juni verfügte der Konzern über Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente von rund 213 Mio. Euro, während der operative Cashflow im ersten Halbjahr positiv blieb.

Der nächste Schritt ist damit vergleichsweise klar. SMA muss aus dem außergewöhnlich hohen Auftragsbestand Umsatz machen und zugleich zeigen, dass die höhere EBITDA-Prognose nicht überwiegend von Sonder- und Währungseffekten getragen wird. Gelingt das, wäre der aktuelle Aufschwung mehr als nur die Gegenbewegung auf das schwache Jahr 2025.

 

Aus der Krisenaktie wird wieder ein operativer Wert

 

SMA Solar steht heute an einem interessanteren Punkt als noch zu Jahresbeginn. Die Diskussion dreht sich nicht mehr hauptsächlich darum, wie tief das Wechselrichtergeschäft fallen kann. Anleger können wieder über Wachstum, Speicherlösungen, Projektpipeline und Margen sprechen.

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Gerade darin liegt aber auch der neue Anspruch. Die Aktie hat einen erheblichen Teil der Erholung bereits vorweggenommen. Für weitere Kursfantasie braucht SMA deshalb keine weitere Turnaround-Rhetorik, sondern Quartale, in denen der hohe Auftragsbestand sichtbar durch Umsatz, Cashflow und operative Marge läuft. Nach dem ersten Halbjahr ist dieser Weg deutlich glaubwürdiger geworden – abgeschlossen ist er noch nicht.

 

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20.08.2026 - Jörg Möller

Unterschrift - Jörg Möller

 

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