Neue Modelle, geringere Kosten und ein Fokus auf die wichtigsten Marken sollen Stellantis in Zukunft wieder nach vorne bringen
Die Anleger kann Stellantis mit seinen Plänen nicht überzeugen
Am gestrigen Donnerstag lud Stellantis zu einem Kapitalmarkttag in Detroit ein. Dass dies in den USA stattfand, dürfte kein Zufall gewesen sein. Denn in den vorgestellten Zukunftsplänen des Autokonzerns steht der US-Markt klar im Mittelpunkt. Dort wird in den kommenden Jahren ein besonders großes Wachstum angestrebt. Erreicht werden soll dies unter anderem durch neue Modelle, die bevorzugt von den Marken Ram, Jeep, Peugeot und Fiat kommen.
Die übrigen zehn Marken von Stellantis (NL00150001Q9), darunter auch der deutsche Autobauer Opel, sollen sich künftig stärker regional ausrichten, wie Konzernchef Antonia Filosa es im neuen Strategieplan beschrieb. Das Ziel des neuen Fokus sowie weiterer Maßnahmen ist recht klar. Die Renditen in Nordamerika sollen bis 2030 auf zehn Prozent und in Europa auf fünf Prozent anschwellen. Für das erste Quartal meldete Stellantis lediglich eine Marge von 2,5 Prozent.
Um den Wandel voranzutreiben, nimmt Stellantis in den kommenden Jahren etwa 60 Milliarden Euro in die Hand. Damit sollen über 60 neue Modelle sowie rund 50 überarbeitete Fahrzeuge an den Start gebracht werden. Jene sollen möglichst auf eine gemeinsame Plattform setzen, um Kosten einzusparen. Geplant ist, bis 2030 die Hälfte der verkauften Autos auf lediglich drei zentralen Plattformen zu fertigen. Unterschiedliche Fahrzeuge sollen beispielsweise bei einzelnen Komponenten die gleichen Bauteile nutzen.
Stellantis mit neuen Ansätzen
Auf diesem Wege soll die Entwicklung neuer Fahrzeuge auch schneller vorangetrieben werden könnten. Aktuell dauert ein Entwicklungszyklus neuer Modelle noch rund 40 Monate. In Zukunft sollen es nur noch 24 Monate sein. Es soll bei Stellantis also alles etwas schneller gehen, während gleichzeitig durch einen möglichst einheitlichen Ansatz die Kosten gedrückt werden sollen. Darüber hinaus blickt der Konzern auch auf seine unterbelegten europäischen Fabriken.
Dort sollen Kooperationen mit chinesischen Autobauern wieder für etwas mehr Leben sorgen. Gemeinsam mit Leapmotor bastelt man bei Opel an einem neuen SUV, bei in Deutschland Design, Lenkung, Sitze und Licht entwickelt werden. Ferner ist bei Stellantis ein Joint Venture mit Dongfeng geplant, bei dem Expertise und Kapazitäten bei Vertrieb, Fertigung, Entwicklung und Einkauf gebündelt werden sollen. Teil der Pläne ist eine lokale Fertigung von Peugeot-Fahrzeugen in China.
In Europa sollen die Kapazitäten letztlich um 800.000 auf noch 3,85 Millionen Autos reduziert werden. Die Auslastung soll indes bis 2030 auf 80 Prozent steigen, und das auch mithilfe von Leapmotor. Für den chinesischen Partner sollen im spanischen Zaragoza Fahrzeuge gebaut werden. In Frankreich wird eine ähnliche Zusammenarbeit mit Dongfeng geprüft. Stärkeres Wachstum erhofft sich Stellantis vor allem vom US-Markt. Dort sollen die Umsätze um 25 Prozent wachsen und 60 Prozent der in Aussicht gestellten Investitionen sollen in die USA fließen. Bis 2030 sollen elf vollständig neue Modelle und elf Facelifts erscheinen. Die Produktion soll dadurch und durch einen stärkeren Fokus auf Verbrenner um 50 Prozent steigen.
Zweifelhaft?
Stellantis geht in seinen Plänen noch auf weitere Dinge ein, blieb den Anteilseignern aber letztlich bei allen Punkten zu vage. Analysten bemängelten Details dazu, wie genau Stellantis seine ambitionierten Ziele zu erreichen gedenkt. Spürbare Auswirkungen bei den Bilanzen werden kurzfristig nicht erwartet. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Autobauer massive Verluste, was vordergründig auf eine misslungene Elektrostrategie und damit verbundene Abschreibungen zurückzuführen war.
Der amtierende CEO Filosa kämpft also mehr oder weniger noch mit den Fehlentscheidungen seines Vorgängers Carlos Tavares. Darüber hinaus befindet sich die Autobranche aber nach wie vor in einer tiefen Krise. Die Pläne der europäischen Anbieter klingen dabei immer etwas gleich. Sinkende Kosten und neue Modelle sollen es in Zukunft richten. Da hebt sich Stellantis tatsächlich nicht allzu sehr ab, was auch ein Grund für fehlende Euphorie sein mag. Die Aktie gab am Donnerstag um 2,2 Prozent bis auf 6,31 Euro nach.
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22.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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