BYD verkauft wieder etwas mehr, Tesla steigert Absätze in Europa, Volkswagen sorgt weiter nicht für Begeisterung und Stellantis investiert in Frankreich
E-Autos sind in Europa wieder gefragter, was die Börsen allerdings noch nicht begeistert
Die Krise der Autobranche scheint kein Ende zu kennen. Insbesondere der schwächelnde chinesische Markt treibt den Anlegerinnen und Anlegern Sorgenfalten auf die Stirn, während in Nordamerika Zölle ein Dauerthema bleiben. Dort verkaufen sich auch Elektroautos schwach, nachdem Förderungen vor einer Weile weggefallen sind. In Europa hingegen waren E-Autos zuletzt wieder stärker gefragt.
Das dürfte dem chinesischen Autobauer BYD (CNE100000296) sehr gelegen gekommen sein. Wie bei „cnevpost.com“ zu lesen ist, konnte der Hersteller seine Absätze auf dem Exportmarkt im Mai im Jahresvergleich um rund 80 Prozent auf einen Rekordwert von 160.644 Einheiten steigern. Zwar wird nicht genau aufgeschlüsselt, welche Regionen für das Wachstum sorgten und wie das Verhältnis von reinen Stromern zu Hybriden ausfallen mag. Es liegt aber nahe, dass ein Absatzplus von gut 20 Prozent bei Elektroautos in Europa seinen Teil beitrug.
Der BYD-Aktie half der Lichtblick allerdings nicht weiter und am Mittwoch ging es bis zum Nachmittag um 2,2 Prozent abwärts. Insgesamt blieben die Absatzzahlen schwach. Zwar konnte erstmals seit Monaten ein minimales Plus verzeichnet werden. Jenes liegt aber bei gerade einmal 0,26 Prozent. In China hat BYD weiter zu kämpfen, was die Anleger schlicht nicht ignorieren können.
Comeback von Tesla?
Tesla (US88160R1014) war am Dienstag etwas gefragter mit Kursgewinnen von 1,9 Prozent, was den Aktienkurs auf 423,74 US-Dollar anhob. Auch hier gab es erfreuliche Neuigkeiten aus Europa. Nach einer langen Durststrecke steigerten die Absatzzahlen sich deutlich, in einigen Ländern sogar im dreistelligen Prozentbereich. Lediglich in Italien ging es in die entgegengesetzte Richtung. Darin erkennt allerdings nicht jeder ein fulminantes Comeback.
Trotz der höheren Absatzzahlen musste Tesla weitere Abschläge bei den Marktanteilen hinnehmen. Das wiederum spricht dafür, dass die Eskapaden von Elon Musk sowie das angestaubte Portfolio weiterhin Spuren hinterlassen. Immerhin scheint das Model Y weiterhin seine Fans zu haben. Doch während die Konkurrenz ständig neue Modelle auf den Markt bringt, beschränkt sich Tesla auf den einen oder anderen Facelift alle paar Jahre. Auch deshalb lebt die Aktie vor allem von Zukunftsfantasien, welche mittlerweile aber auch keine neuen Rekorde mehr ermöglichen.
Volkswagen: Unaufgeregt
Geht es um Elektroautos in Europa, führt an Volkswagen (DE0007664039) kein Weg vorbei. Gerade mit der Marke Skoda konnten in der jüngeren Vergangenheit Erfolge erzielt werden und in Deutschland bleibt die Kernmarke VW der Platzhirsch in den Verkaufs-Rankings. Auch ohne konkrete Zahlen vom Hersteller selbst lässt sich da vermuten, dass höhere Absätze von Elektroautos als gute Neuigkeit interpretiert werden dürfen.
Die Analysten der US-Bank JPMorgan lassen sich davon allerdings nicht recht überzeugen. Trotz eines Updates zu KI-Strategie und Aussichten für das laufende Jahr sowie Plänen für wieder höhere Margen bleibt es bei einer neutralen Einschätzung. Immerhin lässt das Kursziel in Höhe von 110 Euro im Vergleich zum letzten Schlusskurs bei 91,02 Euro Aufwärtspotenzial erkennen. Das liegt aber zuvorderst an der anhaltenden Schwäche des Papiers.
Stellantis setzt auf Frankreich
Bei Stellantis (NL00150001Q9) sorgten E-Autos vor Kurzem vor allem für enorme Abschreibungen aufgrund einer Anpassung der bisherigen Strategie. Verbrenner stehen seither wieder mehr im Mittelpunkt. Verabschiedet hat man sich von Elektro- und Hybridfahrzeugen aber freilich nicht. In Frankreich soll nun sogar eine Milliarde Euro investiert werden, wie CEO Antonio Filosa am Dienstag mitteilen ließ. Die Hälfte davon soll in Forschung und Entwicklung für die neue Plattform STLA One fließen, auf deren Basis in Zukunft sowohl neue Verbrenner als auch E-Autos entstehen sollen.
Gerade für den europäischen Markt setzt Stellantis weiterhin auch auf Wachstum bei Elektroautos und Hybriden. Dabei sollen die Kosten mit der neuen Plattform um 20 Prozent sinken. Konzernweit plant man damit, bis zum Jahr 2030 die Hälfte aller verkauften Fahrzeuge auf nur noch drei Grundarchitekturen aufzubauen. Die vor Kurzem kommunizierten Pläne brachten der Stellantis-Aktie etwas Erleichterung, aber noch kein echtes Comeback. Zu Handelsschluss am Dienstag standen 6,63 Euro auf dem Ticker; knapp 32 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.
Kleine Erfolge
Alles in allem gibt es im Autosegment momentan durchaus den einen oder anderen Fortschritt zu sehen und insbesondere in Europa läuft es zum Teil deutlich besser. Für die Anleger sind das jedoch bisher bestenfalls vereinzelte Lichtblicke. Die Stimmung bleibt insgesamt eingetrübt aufgrund der Herausforderungen in China und Nordamerika. Zudem hat sich an den schwachen Margen bei den allermeisten Konzernen wenig bis gar nichts geändert. Die Bullen treibt es da noch nicht recht aus der Deckung.
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03.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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