Die Anleger von TUI hoffen auf bessere Zeiten, auch bei Carnival steigt die Stimmung dank niedrigerer Ölpreise, die Lufthansa feiert exklusiv und Airbus trotzt Lieferschwierigkeiten
Die Hoffnung auf Frieden bestimmte am Montag das Bild an den Börsen
Noch wurde kein Frieden im Nahen Osten geschlossen und seitens der USA wurden laut Medienberichten sogar wieder vereinzelte Angriffe auf Ziele im Süden des Iran geflogen. Dennoch hält sich hartnäckig die Hoffnung, dass es bis zu einem Durchbruch nicht mehr lange hin sein kann. Genau das hatte erhebliche Auswirkungen auf den Handel am Pfingstmontag. Besonders in einer Branche keimte neue Hoffnung auf.
Hohe Ölpreise lasten schon seit Längerem auf der Reisebranche und damit auch auf der Aktie von TUI (DE000TUAG505). Dass der Preis für Brent nun wieder knapp unter 100 US-Dollar je Barrel fiel, lässt die Anteilseigner auf glimpfliche Folgen des Konflikts hoffen. Die TUI-Aktie reagierte prompt und schwang sich gestern um respektable 4,9 Prozent in Richtung Norden. Der Schlusskurs in Höhe von 6,88 Euro ist der höchste seit Ende April.
Problematisch an der Angelegenheit ist freilich, dass die Märkte vor allem die Hoffnung einpreisten. Sollte jene enttäuscht werden, könnte es mit Ölpreisen wieder schnell bergauf gehen, was die Aktienkurse aus dem Reisesegment dann in die entgegengesetzte Richtung befördern würde. TUI leidet bei hohen Ölpreisen unter steigenden Kosten für Kraftstoff bei Flugzeugen und Kreuzfahrtschiffen. Zusätzlich dazu besteht die Sorge, dass inflationäre Effekte die Nachfrage dämpfen könnten.
Eine teure Angelegenheit für Carnival
Wie schwer sich die höheren Ölpreise bemerkbar machen, das rechnete unlängst der Kreuzfahrtveranstalter Carnival (PA1436583006) vor. Laut CFO David Bernstein wird das Nettoergebnis durch jede Steigerung der Kraftstoffkosten um zehn Prozent um 160 Millionen Dollar belastet. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit Belastungen von über 500 Millionen Dollar. Der Gewinn je Aktie werde daher bei 2,21 Dollar statt der zuvor prognostizierten 2,48 Dollar liegen.
Die Carnival-Aktie gönnte sich feiertagsbedingt am Montag zwar eine Pause. Im außerbörslichen Handel machten sich die Rückgänge beim Ölpreis aber bemerkbar. Es ging zeitweise um knapp 2,5 Prozent aufwärts. Allerdings verteuerte Brent-Öl sich am Dienstagmorgen sich schon wieder etwa im gleichen Tempo. Das könnte die Freude wieder etwas drücken, insbesondere wenn dazu noch unerfreuliche Schlagzeilen aus Nahost kommen sollten.
Lufthansa: Nicht alle dürfen feiern
Ganz unabhängig von den Entwicklungen bei den Ölpreisen will die Lufthansa (DE0008232125) weiterhin ihr 100-jähriges Jubiläum im großen Stil feiern. Am 10. Juni soll in Frankfurt gefeiert werden, im Juli ist in München ein entsprechendes Event geplant. Im Herbst soll es auch in Hamburg so weit sein. Allerdings werden dazu nicht alle Mitarbeiter eingeladen. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, werden Einladungen per Losverfahren zugeteilt. Das kommt bei der Belegschaft allerdings nicht unbedingt gut an.
In internen Chatgruppen heißt es dem Bericht zufolge, dass entweder mit allen oder gar nicht gefeiert werden sollte. Aufgerufen wird zudem dazu, dass Gewinner des Losverfahrens gar nicht zur Feier erscheinen sollen. Die Lufthansa begründet den Schritt derweil mit begrenzten Kapazitäten. Es werde nicht gespart, ließ ein Sprecher des Unternehmens wissen. Die Aktionäre nahmen das Ganze nur beiläufig zur Kenntnis. Niedrigere Ölpreise standen auch hier im Vordergrund, was die Lufthansa-Aktie zeitweise um mehr als vier Prozent in Richtung Norden beförderte.
Alles gut bei Airbus?
Genommen wurde den Börsianern durch niedrigere Ölpreise auch etwas die Sorge, dass die Airlines sich künftig bei Bestellungen für neue Flugzeuge zurückhalten könnten. Das verlieh der Aktie von Airbus (NL0000235190) Aufwind, welche sich um 2,8 Prozent auf 174,40 Euro verbesserte. Dass nahezu gleichzeitig Lieferprobleme bei einem Dutzend Maschinen für die australische Airline Qantas gemeldet wurden, ignorierten die Marktakteure großzügig.
Ursprünglich geplant war die Auslieferung der ersten Maschinen für Ende des laufenden Jahres. Nun soll es erst ab April 2027 so weit sein. Airbus begründete dies mit Problemen in der Lieferkette, ging aber nicht näher ins Detail. Das lässt zumindest vermuten, dass der Irankrieg damit etwas zu tun haben könnte. Dementsprechend wäre es wohl auch mit Blick auf Auslieferungen ein gute Nachricht, sollte endlich wieder Frieden herrschen.
Das Prinzip Hoffnung
Das kollektive Aufatmen an den Börsen am Montag war ein hübscher Anblick. Doch die Erholung mitsamt teils neuen Rekorden steht bisher auf eher wackeligen Beinen. Es wird sich sehr auf Versprechen der US-Regierung verlassen, laut denen eine Einigung kurz bevorstehen könnte. Es ist jedoch nicht das erste Mal, dass solche Worte in Washington ausgesprochen wurden. Die Möglichkeit von Rückschlägen bleibt daher bestehen, solange nicht tatsächlich ein Abkommen unterzeichnet wurde.
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26.05.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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