Durch die Waffenruhe in Nahost machen Anleger sich Hoffnungen darauf, dass TUI Kreuzfahrtschiffe wieder aus der Region herausbekommt
Noch kann TUI keine Entwarnung für Mein Schiff 4 und 5 geben
Seit über einem Monat liegen die „Mein Schiff 4“ und die „Mein Schiff 5“ am Persischen Golf vor Anker und es gab kaum eine Aussicht auf einen Ausweg aus dieser misslichen Lage. Am Mittwoch konnte nun aber endlich eine Waffenruhe ausgehandelt werden, welche wohl auch eine Öffnung der Straße von Hormus und damit dem einzigen Ausweg für die wichtigen Kreuzfahrtschiffe von TUI verbunden ist.
Prompt machten sich an der Börse Hoffnungen breit, dass die beiden Schiffe den Weg in die Freiheit antreten könnten und damit auch immer neue Absagen seitens TUI (DE000TUAG505) ein Ende finden könnten. Konkret anzukündigen hatte TUI bislang allerdings noch nichts. Es bleiben noch einige Unklarheiten. Dazu gehört laut einem Bericht der „Stuttgarter Zeitung“ die Frage, ob für die Passage der Straße von Hormus einen Wegezoll in Höhe von zwei Millionen US-Dollar je Schiff verlangt und ob TUI sowie andere Unternehmen dies zu zahlen bereit sind.
Zugleich ist nicht damit zu rechnen, dass TUI Kreuzfahrten in der Region direkt wieder aufnehmen wird, als wäre nichts gewesen. Das wäre zum einen bei einem Szenario von hohen Gebühren kaum zu vertreten. Zum anderen erweist die Waffenruhe sich schon jetzt als brüchig. Der Iran klagt über anhaltende Angriffe Israels auf den Libanon und kündigte in der Nacht zu Donnerstag an, dass die Straße von Hormus schon wieder vollständig geschlossen sei.
Nichts Neues bei TUI
Auf Nachfrage der Stuttgarter Zeitung ließ sich TUI nichts Neues entlocken. Johanna Sophie Humbert von TUI Cruises wurde mit den Worten zitiert, dass man die aktuellen Entwicklungen aufmerksam verfolge und die Lage gemeinsam mit Behörden sowie Sicherheitsexperten bewerte. Alle möglichen Optionen sollen geprüft werden, um die festsitzenden Schiffe aus der Region herauszubekommen. Einen konkreten Ausblick darauf oder gar einen festen Zeitplan gibt es allerdings noch nicht.
Für den Moment leidet TUI also weiterhin unter zahllosen Ausfällen, was dem Unternehmen hohe Einnahmen verwehrt und gleichzeitig für Kosten sorgt. Dazu kommt eine wachsende Unzufriedenheit bei der eigenen Kundschaft. Im Netz häufen sich Beschweren über recht kurzfristige Absagen mit fehlenden Umbuchungsoptionen. Medienberichten zufolge storniert TUI Reisen wohl nur mit einer Vorlaufzeit von etwa einem Monat. Das reicht kaum aus, damit Betroffene sich um eine Alternative bemühen können. Wer hingegen frühzeitig selbst storniert, bleibt auf den Kosten sitzen.
Obschon sich an der unklaren Ausgangslage im wichtigen Kreuzfahrtsegment wenig geändert hat, trug am Donnerstag die blanke Hoffnung die TUI-Aktie in die Höhe. Es ging um 9,9 Prozent auf 7,22 Euro aufwärts, womit zumindest die Abschläge aus den letzten vier Wochen egalisiert werden konnten. Um wieder auf das Niveau von Februar und damit vor Kriegsbeginn zurückzukehren, stünde aber noch ein Überschreiten der 8-Euro-Marke an.
Explosive Ausgangslage
Wegweisend für die Aktie von TUI bleibt zunächst, ob die Waffen im Nahen Osten wirklich schweigen oder die Waffenruhe sich als brüchig erweisen wird. In der Nacht zu Donnerstag machten sich dabei einige Warnsignale bemerkbar. Der Iran rief die USA dazu auf, sich entweder für eine Waffenruhe oder eine Fortsetzung des Krieges via Israel zu entscheiden. US-Präsident Donald Trump drohte derweil mit weiteren Angriffen, solle kein „wirkliches Abkommen“ erzielt werden. Gemeinsam an der Friedenspfeife gezogen wird also noch lange nicht.
Es bleibt daher für Reiseveranstalter wie TUI bei einer explosiven Ausgangslage und verlassen können Anleger sich noch nicht auf die große Erholung. Zudem bleiben die Kraftstoffkosten auf hohem Niveau, was ebenfalls auf der Bilanz lastet. Experten rechnen damit, dass selbst im Falle einer vollständigen Öffnung der Straße von Hormus Monate vergehen könnten, ehe die Lage an den Ölmärkten sich wieder einigermaßen normalisiert.
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09.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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