Langsame Erholung bei TUI, Wiederaufbauhoffnungen beflügeln Heidelberg Materials, derweil gerät Rheinmetall unter die Räder und Shell folgt dem Ölpreis
Friedenshoffnungen treiben die Märkte an, doch noch gelingt damit nicht der große Ausbruch
Nach immer neuen Eskalationen in den letzten Wochen stand der Handel am Freitag ganz im Zeichen von Friedenshoffnungen. Gespannt blicken nicht nur die Börsen auf anstehende Friedensverhandlungen zum Irankrieg, wo bisher immerhin die Waffenruhe hielt. Derweil gab es auch rund um den Krieg in der Ukraine neue Impulse.
Breit macht sich da unter anderem die Hoffnung, dass der Touristiksektor noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen könnte. Der Aktie von TUI (DE000TUAG505) bescherte dies ein Plus von 1,2 Prozent und der Kurs steigerte sich bis auf 7,27 Euro. Auf 5-Tages-Sicht sind Aufschläge von 7,5 Prozent festzustellen. Allzu viel getan hat sich in der Praxis jedoch nicht. Noch immer stecken zwei Kreuzfahrtschiffe am Persischen Golf fest und der Reiseveranstalter kündigte kürzlich weitere Reisen von „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“.
Die Passagen durch die Straße von Hormus bleibt bisher offenbar noch eine komplizierte und eher unsichere Angelegenheit. Medienberichten zufolge will der Iran dafür wohl hohe Gebühren verlangen, die nicht in US-Dollar, sondern in Kryptowährungen gezahlt werden sollen. Ob und wann die beiden Schiffe von TUI Cruises in Richtung Freiheit segeln mögen, scheint noch immer offen zu sein. Die Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden lässt Anlegerherzen dennoch höher schlagen.
Heidelberg Materials: Chancen in der Ukraine?
Parallel dazu machten sich auch recht überraschend Aussichten auf einen baldigen Frieden in der Ukraine breit. Dafür sorgte ein Interview des ukrainischen Chefunterhändlers Kyrylo Budanov mit „Bloomberg“. Jener sagte, dass alle an einem Kriegsende interessiert seien. Russland erkenne zunehmend die Notwendigkeit einer Beendigung von Feindseligkeiten an und Budanov glaubt nicht, dass es noch lange dauern wird.
Es waren eben jene Aussagen, welche Heidelberg Materials (DE0006047004) an die DAX-Spitze katapultierten. Kursgewinne von knapp drei Prozent ließen die Aktie auf 189,70 Euro aufsteigen. Hintergrund ist die Hoffnung darauf, dass im Falle eines Friedens aufgrund des dann anstehenden Wiederaufbaus eine Auftragsflut auf das Unternehmen zukommen könnte, und das mutmaßlich mit großer Unterstützung von europäischen Partnern der Ukraine. Bisher bleibt es allerdings nur bei der Theorie.
Rheinmetall rutscht weiter ab
Zunehmende Hoffnungen auf Frieden treiben die Anleger derweil immer weiter weg von der Aktie von Rheinmetall (DE0007030009). Da half es auch wenig, dass die Analysten sich mit ihren Kurszielen zuletzt immer mehr gegenseitig überboten. Die größten Optimisten halten selbst 2.300 Euro für machbar. Statt derartige Regionen in Angriff zu nehmen, ging es am Freitag mit Abschlägen von 5,6 Prozent aber erstmal unter die Linie von 1.500 Euro. Zum Wochenende standen eher überschaubare 1.463,80 Euro auf dem Ticker.
Es scheint sich an den Märkten die Ansicht durchzusetzen, dass Panzer, Artilleriemunition und dergleichen mehr zumindest mittelfristig weniger gefragt sein könnten. Aktuell arbeitet Rheinmetall zwar noch prall gefüllte Auftragsbücher ab und investiert dafür auch munter in die eigene Expansion. An der Börse müssen Anleger sich aber stets die Frage stellen, wie viel davon schon eingepreist sein mag. Erschwerend hinzu kommen dann auch noch hohe Ölpreise und die wieder gestiegene Inflation, welche zu Kosten- und Margensorgen führen.
Shell im Zeichen des Ölpreises
Der Ölpreis hat bei den Aktien der Mineralölkonzerne klar die Richtung vorgegeben. Das ließ sich beispielsweise bei Shell (GB00BP6MXD84) beobachten. Der Waffenstillstand im Nahen Osten nahm zwar zunächst etwas Druck vom Kessel. Die Preise verharren bisher aber weiter auf hohem Niveau. Am Freitag ging der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent mit Lieferung zu Juni um übersichtliche 1,3 Prozent auf 95,20 US-Dollar zurück.
Die Margen von Shell bleiben damit hoch und die Anleger verabschieden sich noch nicht im großen Stil von der Aktie des Konzerns. Im gestrigen Handel ging es lediglich um 0,7 Prozent auf 39,26 Euro abwärts. Es bleibt bei einem Aufschlag von gut zwölf Prozent seit Kriegsausbruch im Iran. Wie die Lage sich weiterentwickeln mag, ist jedoch noch immer kaum abzusehen. Traute Einigkeit ist zwischen den Konfliktparteien kurz vor Beginn der Friedensverhandlungen eher nicht zu erkennen.
Die Hoffnung kehrt zurück
Auch wenn noch viele Fragezeichen verbleiben und die Lage sich jederzeit wieder zuspitzen könnte, so machen sich für den Moment erst einmal Hoffnungen darauf breit, dass die Erde wieder ein etwas friedlicherer Ort werden könnte. Sollte sich dahingehend etwas tun, so gäbe es an der Börse natürlich den einen oder anderen Verlierer. Insgesamt wäre es aber als potenzieller Kurstreiber zu verstehen und die Käufer könnten im besten Fall ihre zuletzt deutlich höhere Zurückhaltung wieder etwas ablegen.
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11.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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