Neue Eskalationen belasten TUI, multiple Herausforderungen für die Lufthansa, erneut rote Vorzeichen bei der Deutschen Bank und Shell bewegt sich wieder gen Norden
Die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten scheint wieder zu versiegen
Vor wenigen Tagen noch jubilierten die Märkte aufgrund der Waffenruhe im Nahen Osten. Am Wochenende hatte es sich damit aber schon wieder erledigt. Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran führten zu keinem Ergebnis. Daraufhin kündigte US-Präsident Donald Trump an, die Straße von Hormus selbst zu blockieren. Das sorgt nicht nur für erneute Sorgen um rasant steigende Ölpreise. Da der Iran dies als Verletzung der Waffenruhe ansieht, kehrt auch die Angst vor einem Wiederaufflammen des Konflikts zurück.
Das sind durch und durch schlechte Neuigkeiten für den Reisesektor und damit auch für die Aktie von TUI (DE000TUAG505). Die Aussicht darauf, dass zwei in der Region festsitzende Kreuzfahrtschiffe in die Freiheit gelangen können, dürfte sich erst einmal erledigt haben. Zuletzt kündigte das Unternehmen sämtliche Reisen der betroffenen Schiffe bis Anfang Mai. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass weitere Stornierungen folgen dürften.
Höhere Kerosinpreise sind für TUI ebenfalls eine potenzielle Belastung, auch wenn das Unternehmen wissen ließ, dass man bereits rund 85 Prozent des eigenen Bedarfs abgedeckt habe. Doch wird das nicht ewig halten und je länger die Ölpreise auf hohem Niveau bleiben, umso wahrscheinlicher wird es, dass dies die Margen belastet. Derweil lässt sich im Segment eine Verschiebung von Zielen im Nahen Osten zu Westeuropa erkennen, doch sind die Kapazitäten dort freilich nicht unbegrenzt. Die Aktionäre gehen in Deckung und die Aktie startete am Montag mit Verlusten von 4,4 Prozent in den Handel.
Lufthansa: Auch das noch
Die Lufthansa (DE0008232125) hat momentan ohnehin schon mit etlichen Baustellen zu kämpfen. Im Streit mit der Gewerkschaft Verdi scheint es wohl erste Fortschritte zu geben. Doch noch bis Dienstag streiken die Piloten, was einmal mehr zu etlichen Ausfällen führen dürfte. Was die Lufthansa da überhaupt nicht gebrauchen kann, das sind erneut höhere Kerosinpreise und die Aussicht auf eine geplatzte Waffenruhe in Nahost.
Eben dieses Szenario lässt sich aber leider nicht ausschließen, weshalb es auch bei der Lufthansa-Aktie am Montag zunächst tiefrote Vorzeichen zu sehen gab. Bereits kurz nach Handelsbeginn rutschte der Kurs um 4,6 Prozent auf 7,62 Euro zurück und die zarte Erholung aus der letzten Woche scheint sich wieder in Luft aufzulösen. Ohne einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten wird dem Titel das Abheben enorm schwer, wenn nicht gar unmöglich gemacht.
Deutsche Bank auf dem Rückzug
Abseits des Reisesektors kehrt nun auch die Sorge davor zurück, dass die Inflationsspirale sich weiter drehen und damit für höhere Zinsen sorgen könnte. Im März waren die Auswirkungen bereits spürbar; die Inflation in Deutschland ging auf 2,7 Prozent und damit den höchsten Stand seit zwei Jahren zurück. Europäische Banken geraten aufgrund der zurückkehrenden Sorge wieder auf die Verkaufsliste.
Das betrifft unter anderem die Aktie der Deutschen Bank (DE0005140008), die am Montagmorgen um 2,7 Prozent auf 27,01 Euro zurückfiel. Die Zurückhaltung entsteht vor allem aufgrund der Befürchtung, dass bei höheren Zinsen das Geschäft mit neuen Krediten zusammenbrechen könnte. Die Aussicht auf höhere Zinseinnahmen ist da nur ein schwacher Trost. Es hilft auch nicht, dass zarte Hoffnungen auf eine Erholung der Konjunktur eher wieder begraben werden.
Shell gibt weiter Gas
Wie schon zuvor entstehen aus Eskalationen im Nahen Osten sehr viele Verlierer und nur wenige Gewinner. Zu Letzteren scheint erneut die Aktie von Shell (GB00BP6MXD84) zu zählen. Dort sorgten höhere Ölpreise bereits im ersten Quartal für stattliche Gewinne. Nachdem der Ölpreis am Montagmorgen wieder über die Marke von 100 US-Dollar schoss, rechnen die Märkte nun natürlich mit weiterhin sprudelnden Einnahmen.
Lediglich etwas gedämpft wird diese Erwartungshaltung durch die Politik, die in einigen Ländern Übergewinnsteuern einführt oder gar die Preise an den Tankstellen deckelt. Doch selbst mit solchen Maßnahmen im Hinterkopf fährt Shell durch höhere Ölpreise deutlich bessere Margen ein. Kleinere Verluste aus der Vorwoche scheinen schnell in Vergessenheit zu geraten und am Montag startete der Kurs mit Zugewinnen von 2,5 Prozent, was den Kurs wieder über 40 Euro beförderte.
Die ständige Gefahr
Die Lage im Nahen Osten bleibt sehr dynamisch und es ist nicht vorhersehbar, was dort als nächstes passieren kann. Binnen Stunden kann schon mal alles auf den Kopf gestellt werden. Es bleibt jedoch die ständige Sorge davor, dass eine der beteiligten Parteien wieder eskalieren könnte und die Gewaltspirale sich erneut dreht. Die Folgen wären sowohl aus menschlicher als auch ökonomischer Sicht katastrophal.
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13.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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