TUI passt sich an, Licht und Schatten bei der Lufthansa, getrübte Vorfreude bei Fraport und United Airlines legt den Rückwärtsgang ein
Das Geschäft mit der Luftfahrt erfährt massive Konsequenzen durch den Irankrieg
Der Krieg im Nahen Osten dürfte auch in dieser Woche das beherrschende Thema an den Börsen bleiben. Von einer Beruhigung war am Wochenende nichts zu sehen. Auf ein Ultimatum von US-Präsident Donald Trump reagierte der Iran stattdessen mit neuerlichen auf kritische Infrastruktur und Israel würde gerne noch mehr Staaten in den Konflikt einbinden. Der Krieg führt bereits jetzt zu einer der größten Ölkrisen der Geschichte, was an der Börse in fast allen Bereichen zu spüren ist.
Bedeutende Konsequenzen gibt es natürlich in der Luftfahrt. Das liegt auch daran, dass zahlreiche Airlines die Region weiterhin meiden und das Interesse von Passagieren an Flügen in den Nahen Osten ohnehin ausgesprochen gering ausfällt. Bei Flügen von Europa nach Dubai bleibt die Kabine momentan in vielen Fällen fast menschenleer, schreibt das Handelsblatt. Der Reiseveranstalter TUI (DE000TUAG505) stellt ebenfalls markante Änderungen im Verhalten der Kunden fest.
Darauf hat das Unternehmen bereits reagiert, indem Kapazitäten zu Destinationen wie Mallrosa, Gran Canaria und Kreta deutlich ausgebaut werden sollen. 68 zusätzliche Flüge sind dafür eingeplant, was die Ausfälle im Nahen Osten wohl etwas lindern dürfte. Für einen vollständigen Ausgleich reicht es aber vermutlich nicht, zumal in der Region auch noch Kreuzfahrtschiffe festhängen. Erleichterung bei der TUI-Aktie ist da nicht zu sehen. Das Papier ging mit 6,61 Euro ins Wochenende. Das sind knapp 17 Prozent weniger als noch Ende Februar.
Lufthansa: Kerosinpreise drücken auf die Stimmung
Für die Lufthansa (DE0008232125) hat die aktuelle Lage nicht nur negative Auswirkungen. Profitieren kann die Airline davon, dass die Konkurrenz aus Nahost momentan heftige Rückgänge bei der Nachfrage hinnehmen muss. Flüge über die Drehkreuze in der Region sind kaum noch gefragt. Umso beliebter sind Direktverbindungen der Lufthansa von Europa nach Asien. An der Börse überwiegt dennoch die Angst vor einer ungewissen Zukunft.
Die Schattenseite für die Lufthansa sind die massiv gestiegenen Kosten für Kerosin. Medienberichten zufolge haben die Preise sich seit Kriegsausbruch bereits nahezu verdoppelt. Zwar sichert sich die Lufthansa mit der Praxis des Fuel Hedging ein Stück weit gegen Preisschwankungen ab und hat wohl auch schon die Ticketpreise dezent nach oben angepasst. Allerdings setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass der Irankrieg und hohe Ölpreise eine längere Angelegenheit sein dürften. Die Anleger treibt es in die Defensive; die Lufthansa-Aktie verlor auf Monatssicht um 20 Prozent bis auf 7,22 Euro zu Handelsschluss am Freitag an Wert.
Trübe Aussichten bei Fraport?
Bei der Flughafenbetreiberin Fraport (DE0005773303) wurden die Aussichten durch den Krieg ebenfalls eingetrübt. Das betrifft auch die geplante Eröffnung des Terminal 3 in Frankfurt, welche bereits für den 23. April eingeplant ist. Dort sollten eigentlich zuerst eben jene Airlines aktiv werden, die momentan besonders stark vom Krieg im Nahen Osten betroffen sind, darunter Emirates, Qatar Airways und Etihad Airways. Es deutet sich an, dass der Betrieb zu Beginn weniger stark als gedacht ausfallen könnte.
Das wissen auch die Anteilseigner, die zusätzlich Sparmaßnahmen anderer Airlines fürchten und daher mit großer Sorge auf die derzeitigen Entwicklungen blicken. Der Fraport-Aktie brockte dies im März bisher Kursverluste von knapp zwölf Prozent ein und der Aktienkurs pendelte sich zum Wochenende bei eher übersichtlichen 73,55 Euro ein. Beziffern lassen sich die Konsequenzen für den Konzern zwar noch nicht. Die Sorgen der Anleger sind aber auch nicht aus der Luft gegriffen.
United Airlines im Krisenmodus
Die Airlines müssen auf die neue Ausgangslage reagieren, was sich bei United Airlines (US9100471096) bereits beobachten ließ. Dort haben nicht nur Ticketpreise angezogen. Das Unternehmen ließ auch wissen, aufgrund der Krise das Angebot an Verbindungen im laufenden Jahr um rund fünf Prozent zurückfahren zu wollen. An den Märkten wird natürlich gefürchtet, dass auch andere Unternehmen diesem Beispiel folgen könnten.
Der Chart unterscheidet sich von anderen Airlines nicht weiter. Auch bei der United Airlines-Aktie mussten seit Kriegsbeginn Verluste von etwa 20 Prozent hingenommen werden. Die Reiselust der Menschen scheint momentan zwar ungebrochen zu sein. Zwingen hohe Kerosinpreise aber trotzdem zu einer Ausdünnung des Angebots, bleibt an der Börse eine gehörige Portion Skepsis.
Kein Ende in Sicht
Je länger der Krieg im Nahen Osten tobt, desto unschöner wird der Ausblick für die Luftfahrtbranche. Die USA ließen zuletzt wissen, wenig Interesse an einem Waffenstillstand zu haben. Selbst wenn es zu einem solchen kommen sollte, dürfte es nach Einschätzung von Experten Monate dauern, bis die Lage sich wieder einigermaßen normalisiert hat. Damit dürfte schon jetzt als gesetzt gelten, dass der Krieg sich in den diesjährigen Bilanzen von Airlines, Reiseveranstaltern und Flughafenbetreibern deutlich bemerkbar machen wird.
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23.03.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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