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Thyssenkrupp erlebt eine unruhige Börsenwoche

Der Umbau zur Finanzholding kommt voran, doch Stahl, Wasserstoff und schwache Nachfrage bleiben die großen Baustellen

NTG24 - Thyssenkrupp erlebt eine unruhige Börsenwoche

KI-generiertes Symbolbild. Marken dienen der redaktionellen Einordnung.

 

Bei Thyssenkrupp war in dieser Woche einiges geboten. Der Essener Industriekonzern legte Zahlen vor, justierte die Umsatzprognose nach unten, verteidigte die höhere Bewertung der Stahlsparte und musste zugleich neue Schwächesignale aus dem Wasserstoffgeschäft verdauen. Für Anleger blieb damit vor allem eine Erkenntnis: Der Umbau kommt voran, aber einfach wird er nicht.

Die Woche begann für Thyssenkrupp (DE0007500001) mit starken Signalen aus dem Marinegeschäft. TKMS berichtete für das erste Halbjahr von einem Umsatzplus von 10,2 Prozent auf 1,17 Milliarden Euro und einem bereinigten operativen Ergebnis von 60 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte 20,6 Milliarden Euro. Gleichzeitig machte TKMS-Chef Oliver Burkhard in einem Reuters-Gespräch zur Werftkonsolidierung deutlich, dass man sich bei German Naval Yards nicht in einen Bieterwettstreit um jeden Preis treiben lassen will.

Die eigentliche Konzernbotschaft folgte am Dienstag. Thyssenkrupp meldete für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 einen Auftragseingang von 10,6 Milliarden Euro. Das waren 2,6 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Der Umsatz ging dagegen leicht von 8,6 Milliarden Euro auf 8,4 Milliarden Euro zurück. Das bereinigte EBIT verbesserte sich um 179 Millionen Euro auf 198 Millionen Euro. Auf Konzernebene stand ein Jahresfehlbetrag von 11 Millionen Euro, während das Netto-Ergebnis nach Abzug der Minderheitenanteile bei 1 Million Euro lag.

 

Eine Aktie zwischen Rückschlag und Erholung

 

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Die Aktie reagierte auf diese Mischung entsprechend sprunghaft. Am Montag und Dienstag ging es zunächst deutlich nach unten, zur Wochenmitte folgte eine Gegenbewegung. Am Freitag schloss Thyssenkrupp auf Xetra bei 10,64 Euro. Eine große Wochenbewegung ergab sich daraus unterm Strich nicht: Am Freitag zuvor hatte der Titel bei 10,73 Euro geschlossen. Die Schwankungen innerhalb der Woche waren aber beachtlich.

Das passt zur derzeitigen Lage. Anleger sehen Fortschritte beim Konzernumbau, wollen aber nicht jede Baustelle ausblenden. Der freie Cashflow vor M&A lag im zweiten Quartal bei minus 327 Millionen Euro, nach minus 569 Millionen Euro im Vorjahr. Die Nettoliquidität sank von 3,2 Milliarden Euro zum Jahresende 2025 auf 2,8 Milliarden Euro Ende März. Die verfügbare Liquidität lag bei 4,6 Milliarden Euro. Das reicht für Handlungsspielraum, zeigt aber auch, dass der Umbau weiter Geld kostet.

 

 

Die Stahlfrage bleibt der Knoten im Konzern

 

Besonders viel Aufmerksamkeit zog einmal mehr die Stahlsparte auf sich. Nach dem Ende der Gespräche mit Jindal Steel hob Thyssenkrupp den Buchwert von Steel Europe auf 3,0 Milliarden Euro an. Im Dezember hatte dieser noch bei 2,4 Milliarden Euro gelegen. Vorstandschef Miguel López begründete dies unter anderem mit den Fortschritten der vergangenen Monate: dem geplanten Abbau beziehungsweise der Auslagerung von 11.000 Stellen, dem Ausstieg aus dem HKM-Gemeinschaftsunternehmen und verbesserten europäischen Schutzmaßnahmen für die Stahlindustrie.

Für die Börse ist das ein zweischneidiges Signal. Einerseits klingt eine höhere Bewertung nach Selbstbewusstsein. Andererseits zeigt sie auch, warum ein Verkauf so schwierig bleibt. Thyssenkrupp will die Stahlsparte weiterhin verselbstständigen oder zumindest strukturell lösen, aber Wertvorstellungen, Pensionslasten und politische Interessen machen jeden Deal kompliziert.

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Werbebanner EMH PM Trade Operativ half Steel Europe im Quartal sogar beim Ergebnis. Niedrigere Rohstoff- und Energiekosten sowie erste Effekte aus dem Restrukturierungsprogramm stützten die Profitabilität. Beim Umsatz belasteten allerdings niedrigere Preise und ein veränderter Produktmix. Genau diese Mischung erklärt, warum die Stahlsparte zugleich Hoffnungsträger und Problemfall bleibt.

 

Nucera erinnert an die Grenzen der Wasserstofffantasie

 

Weniger erfreulich fiel der Blick auf Thyssenkrupp Nucera aus. Der Wasserstoffanlagenbauer weitete seinen Nettoverlust im zweiten Quartal auf 64 Millionen Euro aus. Reuters verwies auf höhere Kosten bei Wasserstoffprojekten und die Beendigung eines US-Pilotprojekts. Zugleich verhängte Nucera einen Einstellungsstopp in Hochkostenländern und reduzierte Arbeitszeiten in Deutschland. Zusammen soll dies im Geschäftsjahr 2026/2027 rund 25 Millionen Euro jährliche Einsparungen bringen.

Weitere Einsparungen von mehr als 15 Millionen Euro sollen durch die Verlagerung von Funktionen in Länder mit niedrigeren Kosten sowie durch Straffungen in Forschung, Entwicklung und Produktaktivitäten erzielt werden. Das ist für Thyssenkrupp nicht nur eine Randnotiz. Nucera sollte einmal zeigen, dass im Konzernumbau auch neue Wachstumsgeschichten stecken. Nun zeigt sich, wie hart der Markt für grünen Wasserstoff geworden ist.

 

Holding statt klassischer Industriekonzern

 

Der rote Faden der Woche bleibt deshalb die Transformation. Thyssenkrupp will kein klassischer Mischkonzern mehr sein, sondern eine Finanzholding mit selbstständigeren Einheiten. Der Verkauf von Automation Engineering an Agile Robots wurde Ende März abgeschlossen. Bei Materials Services geht es stärker in Richtung Supply-Chain-Dienstleistungen. Rothe Erde richtet seine Holdingstruktur neu aus, Polysius soll sich stärker als Service- und Modernisierungspartner positionieren.

Diese Strategie kann funktionieren, wenn die einzelnen Teile am Kapitalmarkt oder bei strategischen Partnern höher bewertet werden als im alten Konzernverbund. Genau darauf setzt die Aktie seit geraumer Zeit. Die Kehrseite ist aber offensichtlich: Jede Einheit muss ihre eigene Geschichte liefern. Marine Systems liefert derzeit eine starke Verteidigungsstory. Stahl bleibt schwer verdaulich. Nucera kämpft mit einem schwächeren Wasserstoffmarkt. Automotive Technology braucht weiter Effizienzprogramme.

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Der Ausblick ist vorsichtig geworden

 

Thyssenkrupp bestätigte zwar die Prognose für die zentralen Ergebnis- und Cashflow-Kennzahlen. Erwartet wird weiterhin ein bereinigtes EBIT zwischen 500 und 900 Millionen Euro. Der freie Cashflow vor M&A soll zwischen minus 600 und minus 300 Millionen Euro liegen. Beim Nettoergebnis rechnet der Konzern weiter mit minus 800 bis minus 400 Millionen Euro.

Die Umsatzprognose wurde allerdings leicht gesenkt. Statt eines Korridors von minus zwei bis plus ein Prozent erwartet Thyssenkrupp nun eine Entwicklung von minus drei bis null Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als Gründe nennt der Konzern unter anderem verzögerte Umsatzrealisierung bei Decarbon Technologies und einen veränderten Produktmix bei Steel Europe. Das ist keine Katastrophe, aber auch kein Zeichen für plötzliches Wachstum.

 

Für Anleger ergibt sich damit ein Wochenfazit ohne einfache Antwort. Thyssenkrupp hat Fortschritte vorzuweisen, aber die Baustellen bleiben groß. Marine Systems stützt die Fantasie, Steel Europe bleibt der entscheidende Knoten, und Nucera zeigt, dass Zukunftsmärkte nicht automatisch Gewinne bringen. Die Aktie ist nach der starken Entwicklung der vergangenen Monate nicht mehr billig im Sinne einer vergessenen Sanierungsstory. Gleichzeitig bietet der Konzernumbau weiter Chancen, wenn aus den vielen Einzelteilen tatsächlich mehr Wert entsteht als im alten Verbund. Wer hier investiert, setzt weniger auf einen klassischen Industriekonzern als auf die erfolgreiche Zerlegung eines solchen.

 

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16.05.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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