ThyssenKrupp tritt auf die Bremse, Hapag-Lloyd leidet unter blockierter Straße von Hormus, schwierige Tage bei Porsche SE und auch Airbus wird von Sorgen begleitet
Die Märkte können ihre Ängste und Befürchtungen nicht abschütteln
US-Präsident Donald Trump spricht immer wieder von großen Erfolgen sowie angeblichen Verhandlung, aufgrund derer ein Ultimatum immer weiter nach hinten verschoben wird. Die Anzeichen für einen baldigen Frieden sind dennoch kaum vorhanden und die Ölpreise klettern munter weiter. Das sorgt für eine anhaltend schlechte Stimmung an der Börse, und es ist beileibe nicht die einzige Sorge der Anlegerinnen und Anleger.
Das Ganze kommt zu einigen anderen problematischen Entwicklungen schlicht noch hinzu. Für ThyssenKrupp (DE0007500001) wird das Leben nicht eben einfacher, während das Unternehmen gleichzeitig unter einer „ruinösen Importschwemme“ aus Asien leidet. Davon sprach kürzlich Angelo Di Martino, der im Unternehmen für die Elektrostahl-Sparte verantwortlich ist. Letzterer wird unter anderem für Windräder und Umspannwerke benötigt.
Im Falle von kornorientierten Elektrostahl ist die Lage derzeit derart dramatisch, dass ThyssenKrupp ein ganzes Werk vorübergehend stillgelegt hat. Darüber berichtete die „WirtschaftsWoche“. Von Juni bis September soll ein Werk im französischen Isbergues heruntergefahren werden. Das sorgt unter Anlegern freilich nicht für Begeisterung und die ThyssenKrupp-Aktie fiel am Donnerstag um weitere 4,3 Prozent auf 7,93 Euro zurück. Der Krieg im Nahen Osten sorgt für zusätzliche Belastungen aufgrund steigender Energiepreise.
Steigende Kosten für Hapag-Lloyd
Laut der Reederei Hapag-Lloyd (DE000HLAG475) sind globale Lieferketten durch den Irankrieg nicht völlig gestört, anders als während der Corona-Pandemie. Die blockierte Straße von Hormus kostet das Unternehmen aber trotzdem täglich Millionen. Bei der Jahrespressekonferenz sprach Vorstandschef Rolf Habben Jansen von sechs eigenen Containerschiffen, die derzeit im Persische Gold festsitzen. Allein die Lagerkosten werden auf über eine Million US-Dollar beziffert. Auch die Kosten für Versicherungen und natürlich für Treibstoff ziehen an.
Immerhin ließ das Unternehmen wissen, dass die Besatzungen der eigenen Schiffe wohlauf und versorgt seien. Das lindert allerdings die Furcht der Anleger vor immer größeren Belastungen wenig. Bei Kriegsbeginn reagierte die Hapag-Lloyd-Aktie zunächst noch mit deutlichen Zugewinnen, da die Märkte sich höhere Gewinne aufgrund von Risikozuschlägen und höheren Frachtraten erwarteten. Doch jene Aufschläge wurden mittlerweile schon wieder kassiert. Die rasant steigenden Kosten lassen sich nicht länger ignorieren. Am Donnerstag ging es um 4,7 Prozent auf 131,30 Euro zurück.
Porsche SE mit weniger Gewinn
Nur indirekt beeinflusst durch die Krise in Nahost wird die Porsche SE (DE000PAH0038). Dort führen die beiden Kernbeteiligungen Volkswagen und Porsche AG allerdings zuverlässig für Kopfschmerzen. Nach enttäuschenden Ergebnissen der beiden Autobauer war wohl bereits abzusehen, dass es auch bei der Holding nicht eben glanzvoll laufen würde. Nun informierte das Unternehmen über einen Nettogewinn in Höhe von 2,9 Milliarden Euro, was etwa neun Prozent weniger ist als ein Jahr zuvor.
Erfolge bei kleineren Beteiligungen sorgte dafür, dass der Gewinnrückgang weniger scharf als befürchtet ausfiel. Analysten schätzen im Vorfeld, dass es sogar bis auf 2,3 Milliarden Euro abwärts gehen könnte. Für Jubel an der Börse sorgt das dennoch nicht, denn indirekt bleibt der Irankrieg eben doch eine Belastung. Durch steigende Energiekosten und Probleme in den Lieferketten sowie mittelfristige Auswirkungen auf die Konsumlaune könnte er die Krise bei VW und Porsche weiter verschärfen. Das würde dann auch die Porsche SE früher oder später spüren. Der Aktienkurs gab am Donnerstag um 2,9 Prozent bis auf 31,13 Euro nach.
Skeptische Blicke auf Airbus
Gute Neuigkeiten hatte kürzlich Airbus (NL0000235190) im Gepäck. Bereits am Mittwoch wurde bekannt, dass der Konzern sich einen Auftrag für 101 Mittelstreckenjets von China Eastern Airlines sichern konnte. Die Maschinen sollen zwischen 2028 und 2032 ausgeliefert werden und würden laut Listenpreis für Umsätze von 15,8 Milliarden US-Dollar sorgen. Damit wird ein wenig die Sorge gelindert, dass die derzeitige Krise einen Abschwung in der bislang boomenden Branche auslösen könnte.
Skeptischer Stimmen kann sich Airbus jedoch nicht entledigen. Die Analysten von mwb Research warnen für Ausführungsrisiken aufgrund gestörter Lieferketten Insbesondere bei Triebwerken ist die Verfügbarkeit weiterhin stark eingeschränkt. Für Mitte März prognostizieren die Experten 95 ausgelieferte Flugzeuge und damit lediglich 11,1 Prozent des Jahresziels von 870 Einheiten. Zu jenem Zeitpunkt wären rechnerisch bereits rund 20 Prozent des Jahres vorüber. Das scheint für Unwohlsein unter den Anlegern zu führen und die Aktie zeigte sich gestern mit einem Schlusskurs von 163,34 Euro 3,1 Prozent leichter als tags zuvor.
Krisenmodus
Es bleibt an der Börse zunächst beim Krisenmodus und verlassen können Anleger sich nur auf wenig. Immer mehr schwindet die Hoffnung darauf, dass der Irankrieg schnell vorbei sein könnte und die Straße von Hormus sich wieder öffnet. Dadurch stellen die Märkte sich auch verstärkt auf eine dauerhafte Krise ein, was den Ölpreisen Rückenwind verschafft und bei Aktienkursen das Gegenteil bewirkt. Wie schon seit Monatsbeginn bleibt vollkommen offen, wie die Lage sich weiter entwickeln mag. Schon die Unsicherheit allein reicht aus, um die Bullen in der Defensive zu halten.
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27.03.20216 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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