Uber kauft sich neue Reichweite
Die geplante Übernahme von Delivery Hero soll Mobilität und Liefergeschäft enger verbinden – doch der Preis erhöht die Risiken
Uber will mit der geplanten Übernahme von Delivery Hero den größten Zukauf seiner Geschichte stemmen. Der Konzern gewinnt damit starke Lieferplattformen in Europa, Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Strategisch ist der Schritt nachvollziehbar, finanziell und regulatorisch aber anspruchsvoll.
Uber Technologies (US90353T1007) bietet den Aktionären von Delivery Hero 41,50 Euro je Aktie. Der Lieferkonzern wird damit vollständig mit rund 14,8 Mrd. US-Dollar bewertet. Zu den wichtigsten Marken gehören Glovo, foodpanda, Talabat und PedidosYa.
Uber will vor allem mehr Märkte schaffen, in denen Mobilität und Lieferdienste innerhalb derselben Plattform angeboten werden. Nutzer mehrerer Dienste erzeugen höhere Buchungen und lassen sich stärker an Uber One binden. Die Übernahmemitteilung von Uber stellt diesen Plattformeffekt in den Mittelpunkt.
Der Deal bleibt regulatorisch kompliziert
Delivery Hero verkauft parallel Aktivitäten in 14 Märkten an einen Finanzinvestor. Dadurch sollen Überschneidungen reduziert und kartellrechtliche Hürden gesenkt werden. Der Abschluss wird dennoch erst für die zweite Jahreshälfte 2027 erwartet.
Die lange Frist zeigt, dass Uber nicht nur mit nationalen Marktanteilen, sondern auch mit Fragen zu Restaurantgebühren, Fahrerbedingungen, Daten und Mitgliedschaftsmodellen rechnen muss.
Der Cashflow macht die Übernahme möglich
Uber kann den Kauf heute deutlich besser finanzieren als noch vor einigen Jahren. Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete der Konzern einen freien Cashflow von 2,3 Mrd. US-Dollar. Das bereinigte EBITDA stieg auf knapp 2,5 Mrd. US-Dollar.
Der Q1-Bericht von Uber zeigt zudem, dass das Liefergeschäft bereits fast die Größenordnung der Mobilitätssparte erreicht hat. Finanziert werden soll der Deal aus vorhandener Liquidität und neuen Schulden.
Die Integration entscheidet
Delivery Hero bringt viele lokale Marken, unterschiedliche Kostenstrukturen und regionale Besonderheiten mit. Uber muss diese Plattformen technisch verbinden, ohne ihre lokale Stärke zu beschädigen.
Der Deal ist strategisch plausibel und dank des hohen Cashflows finanzierbar. Für Aktionäre steigt jedoch die operative Beweislast. Uber muss Synergien realisieren, Schulden abbauen und zugleich weiter in Mobilität, Lieferdienste und autonome Fahrzeuge investieren.
Gelingt das, könnte Uber in fast hundert Märkten eine deutlich stärkere Plattform aufbauen. Misslingt die Integration, wäre viel Kapital über Jahre gebunden.
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16.07.2026 - Christian Teitscheid

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