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Kasachischer Tenge weiter mit monetärem Seitenwind

Kasachischer Tenge zwischen Wirtschaftswachstum und importierter Inflation

NTG24 - Kasachischer Tenge weiter mit monetärem Seitenwind

 

Der kasachische Tenge konnte sich nach der letzten Zinserhöhung der Notenbank zwar stabilisieren, weist aber gegenüber anderen regionalen Währungen weiterhin eine relative Schwäche auf. Hinzu kommt die aktuell relativ restriktive Geldpolitik Russlands, die einen zusätzlichen Einfluss auf die importierte Inflation in Kasachstan hat. Mittelfristig dürfte die Optimierung des kasachischen Wachstumsmodells eine noch größere Bedeutung erlangen, um die strukturellen Wachstumsbremsen zu lösen und den Tenge auch strukturell zu stärken.

Der kasachische Tenge kämpft derzeit wieder einmal an mehreren Fronten der Geldwert-Stabilität. Dabei hat das Land durch seinen Öl- und Gasreichtum eigentlich ein ökonomisches ,,Luxus-Problem‘‘. Denn die wirtschafts- und geldpolitische ,,Challenge‘‘ ist, den Ressourcenreichtum gesamtwohlfahrtssteigernd zu verteilen und dabei den ,,Ressourcen-Fluch‘‘ (Dutch Desease), an dem etwa der große Nachbar Russland leidet, so gut wie möglich zu entkommen.

Und das in einem Umfeld, in dem die Öl- und Gaspreise weiter steigen, und damit die Begehrlichkeiten. Parallel einigte man sich im Rahmen der OPEC+ auf Förderbeschränkungen, was zu einem Rückgang der Öl- und Gasproduktion Kasachstans führte, wie der Vizepräsident der kasachischen Notenbank Akylzhan Baimagambetov am Tag nach der Zinserhöhung anmerkte.

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Werbebanner ZB-SeminarDie kasachische Geldpolitik muss durch die Verflechtung mit der Entwicklung Russlands zudem auch bei ihrer Zinspolitik nach Moskau schauen. Gerade erst hat die russische Zentralbank bei der Einhegung der russischen Inflationserwartungen unter ihrer fast schon Bundesbank-ähnlich anmutenden Chefin Elvira Nabiullina die Zinsen deutlich angehoben, was zusammen mit dem hohen Ölpreis zu einer deutlichen kurzfristigen Stärkung des russischen Rubels führte.

Es lohnt in diesem Zusammenhang ein Blick auf die Entwicklung des russischen Rubels und des kasachischen Tenge im Vergleich zum Ölpreis, wie in Chart 1 abgebildet.

 

 

Dabei zeigt sich, dass der Tenge nach der Annexion der Krim, den darauffolgenden Sanktionen der USA und dem dabei einbrechenden Ölpreis erst mit deutlicher Verzögerung auf die praktische Halbierung des Außenwertes des russischen Rubels reagierte. Dies mag an der damals noch unbekannten Reaktionsfunktion Russlands auf die Sanktionen gelegen haben, aber auch zumindest teilweise an den verschiedenen Währungsregimes beider Länder.

In den letzten 6 Jahren hat sich jedoch wieder eine relative Abwertung des Tenge gegen den russischen Rubel ergeben, was sich nicht zuletzt auch in den kasachischen Importpreisen für Importe aus Russland spiegelt. Rund 40 % der Gesamtimporte Kasachstans stammen aus Russland! Und diese sind für die kasachische Notenbank durchaus ein Faktor bei der Bestimmung der eigenen Geldpolitik, wie zuletzt Äußerungen des Präsidenten der kasachischen Nationalbank zeigen.

Am 215.10.2021 hob die kasachische Zentralbank den Leitzins von zuvor 9,5 % auf 9,75 % an und reagierte damit nicht nur auf den anhaltenden Inflationsdruck, sondern auch auf die relative Schwäche des Tenge gegenüber dem russischen Rubel. Jedoch könnte sich dieser Schritt nachträglich als zu gering herausstellen.

Dieser Transmissionskanal der Geldpolitik spiegelt jedoch nicht die relative Position des kasachischen Tenge im regionalen Währungsgefüge Zentralasiens wider. Deshalb lohnt hierfür neben dem russischen Rubel ein Blick auf die Entwicklung des kasachischen Tenge im Vergleich zum tadschikischen Somoni, dem kirgisischen Som und des fest an den US-Dollar gebundenen turkmenischen Manat.

Chart 2 zeigt nun, dass sich der kasachische Tenge in einem Umfeld eines stark abwertenden usbekischen Som bewegt, gleichzeitig aber stellen die Währungsregimes des tadschikischen Somoni und des turkmenischen Manat Rigiditäten dar, die eine marktpreisbezogene Ermittlung des Außenwertes des Tenge erschweren bzw. verhindern.

 

 

Und was ist das Fazit?

 

Die kasachische Notenbank muss mehrere Faktoren bei ihrer Geldpolitik ausbalancieren. Hierzu gehört die importierte Inflation, vor allem aus Russland, die mit einem gegenüber dem russischen Rubel relativ schwachen Tenge kaum abnehmen dürfte. Ein stärkerer Ölpreis stärkte aber tendenziell den Tenge, wobei eine anhaltende Förderdisziplin der Staaten im Rahmen von OPEC+ eine Bremse darstellt.

Die Währungsbeziehungen in Zentralasien weisen zudem strategische Friktionen auf, welche den bilateralen Handel erschweren. Hierbei bewegen sich zudem außenpolitische Faktoren ins Blickfeld, wie die Entwicklung der Beziehungen Kasachstans zu China und zu Russland, Usbekistans zu Tadschikistan, aber auch Russlands zu China zeigt. Hinzu kommen die vielschichtigen Beziehungen der östlichen Turkstaaten Kasachstan, Kirgisien, Usbekistan und Turkmenistan mit der Türkei.

Die weitere Entwicklung des kasachischen Tenge dürfte aber auch davon abhängen, wie sich die Rolle Chinas in den außenwirtschaftlichen Beziehungen Kasachstans entwickelt. Tendenziell dürfte die Bedeutung Russlands abnehmen und jene Chinas zunehmen. Inwieweit diese potenzielle Entwicklung zu einer Intervention der Politik führt, ist aber noch offen. Einen komplementären Einfluss dürfte dabei auch die Entwicklung der Beziehungen Kasachstans zur EU haben. Denn als Gemeinschaft war die EU 2020 der größte Handelspartner Kasachstans mit kasachischen Importen von 12,6 Mrd. Euro und kasachischen Exporten in die EU von 5,9 Mrd. Euro. Damit entfielen rund 41 % aller Exporte auf die EU.

Kasachstan ist aufgrund seiner Größe und seiner wirtschaftlichen wie geostrategischen Bedeutung zu wichtig, als dass man seine außenwirtschaftlichen Beziehungen unterschätzen oder vernachlässigen sollte. Die gescheiterte Zentralasien-Strategie von 2007 sollte hier als warnendes Signal gesehen werden. Die neue, 2019 verabschiedete Zentralasienstrategie der EU steht erst noch vor ihrem eigentlichen Stresstest.

Der kasachische Tenge ist damit in ein Beziehungsgeflecht und in regulatorische Regimes integriert, die den geldpolitischen Handlungsspielraum der kasachischen Notenbank noch deutlich begrenzen. Zentral für eine mittelfristige Stabilisierung des Außenwertes dürfte jedoch sein, das Wachstumsmodell Kasachstans in eine Richtung zu entwickeln, die die Flucht aus dem ,,Ressourcen-Fluch‘‘ ermöglicht!

 

08.11.2021 - Arndt Kümpel

Unterschrift - Arndt Kümpel

 






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