Zalando erwirkt eine Einigungsstelle rund um die geplante Schließung in Erfurt und verspricht Wachstum dank KI-Einsatz
Die Skepsis an der Börse kann Zalando dennoch nicht abschütteln
Trotz massiver Kritik und Widerstand von Arbeitnehmervertretern sowie aus der Politik hält Zalando an der geplanten Schließung seines Logistikstandorts in Erfurt fest. Schon im September soll es so weit sein. Dagegen regt sich enormer Widerstand und Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan wurden für gescheitert erklärt. Nun setzt der Modehändler sich mit der Beantragung einer Einigungsstelle durch.
Das Arbeitsgericht Erfurt folgte der Argumentation Zalando (DE000ZAL1111) und ordnete an, für den Standort mit etwa 2.700 Angestellten eine entsprechende Instanz auf die Beine zu stellen. Vorgesehen sind jeweils vier Beisitzern von beiden Parteien. Als Vorsitzender soll der ehemalige Richter und Justizstaatssekretär Josef Molkenbur zum Einsatz kommen. Allerdings kann gegen die Entscheidung auch noch Beschwerde eingereicht werden. Laut dem „Handelsblatt“ fanden sich vor dem Gerichtsgebäude rund 50 Menschen, welche gegen die geplante Schließung protestierten.
Der Betriebsrat versucht weiterhin händeringend, die Schließung des Standorts zu verhindern und verlangt von Zalando detaillierte Gründe für die Pläne des Konzerns. Letzterer argumentiert vor allem damit, sein Logistiknetzwerk nach der Übernahme von About You aus dem vergangenen Jahr neu aufstellen zu wollen. Kritik dafür kommt auch aus der Politik. Die Thüringer Landesregierung ist wenig begeistert, kann aber freilich nicht direkt auf Zalando einwirken.
Zalando auf Erfolgskurs?
Fundamental lief es für Zalando zuletzt wieder besser. Vor gut zwei Wochen legte das Unternehmen Zahlen vor, die an der Börse gut ankamen. Die Umsätze konnten um rund 17 Prozent bis auf 12,3 Milliarden Euro gesteigert werden und der operative Gewinn kletterte um 15,6 Prozent auf 591 Millionen Euro. Damit konnten die Schätzungen der Analysten recht bequem übertroffen werden. Als zusätzliches Schmankerl kündigte Zalando den Rückkauf von Aktien in einem Volumen von bis zu 300 Millionen Euro an.
Zalando begründete die Fortschritte unter anderem mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Jene sorge dafür, dass die Vorbereitungszeit von Kampagnen sich von mehreren Wochen auf wenige Tage reduzieren ließe. Zudem komme KI in der Logistik zum Einsatz und ermögliche es, Kunden und Partnern bisher „undenkbare“ Angebote machen zu können. Das stand im Gegensatz zur Sorge der Börsianer, dass Zalando aufgrund der zunehmenden Bedeutung von KI unter Druck geraten könnte.
Das Wachstum im laufenden Jahr soll sich laut Zalando noch weiter beschleunigen und Einsparmaßnahmen wie eben die geplante Schließung in Erfurt könnten die Bilanzen weiter pushen. Aus Anlegersicht scheint also alles in bester Ordnung zu sein. Dennoch währte die Freude über die erstaunlich guten Zahlen nicht lange. Mitte März ging es mit dem Kurs von Zalando zwar zeitweise um fast 20 Prozent aufwärts. Jene Aufschläge wurden aber schon wieder kassiert und am Wochenende standen noch 20,13 Euro auf dem Ticker. Das ist noch etwas weniger als zu Ende Februar.
Krisensorgen
Zalando scheint vieles richtig gemacht und den Weg zurück in den Wachstumskanal gefunden zu haben. Die Märkte fürchten jedoch, dass es ungemütlicher als vom Management gedacht werden könnte. Die Blicke richten sich klar auf die aktuelle Krise, welche durch den Krieg im Nahen Osten ausgelöst wurde. Aufgrund der massiv gestiegenen Energiepreise und der fehlenden Aussicht auf ein schnelles Kriegsende warnen Ökonomen vor einer steigenden Inflation in Europa, welche ihrerseits die Konsumlaune schon wieder zurückwerfen könnte.
Solche Ängste wiegen momentan offensichtlich schwerer als die tatsächlichen Ergebnisse von Zalando. Die Prognose des Unternehmens mag erfreulich klingen, berücksichtigt die Effekte durch den Krieg im Nahen Osten aber noch nicht. Daher lässt sich die Unsicherheit auch nicht einfach abschütteln und die Zalando-Aktie kann von klaren Fortschritten auf fundamentaler Seite leider nicht weiter profitieren.
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30.03.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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