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BÖRSE TO GO - mit Änderungen in DAX-Indices, Zahlen von Continental und Vonovia

US-Präsidentschaftswahl: Markt feiert neue Option

 

Guten Tag,

das Jojo-Spiel an der Wall Street ist eine Runde weiter. Wir hatten diese Art der Marktvolatilität ja angekündigt und sie ist eben typisch als Folge einer kräftigen und schlagartigen Korrektur. Es gilt den Boden zu finden bzw. das Gesicherte vom Unsicheren zu trennen. Als gesichert gilt, die Trends der Unternehmen sind intakt, wenn auch kurzfristig gestört. Als ungesichert gilt, wann flachen die Infektionskurven ab und …. wer wird Präsident der USA?

Denn die gestrige 1.000-Punkte-Rally im Dow Jones war nicht etwa eine Corona-Erleichterungsrally, sondern eine Sanders-Erleichterungsrally! Aus diesem Grund hatten wir an dieser Stelle in dieser Woche auch dieses Risiko in den Raum gestellt. Nun hat sich das Blatt aber am Super-Tuesday wieder – überraschenderweise - zu Gunsten des Kandidaten Joe Biden gewendet. Zwar deutet vieles noch auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem bekennenden Sozialisten Sanders und dem klassischem Demokraten Biden an, doch jede Nachricht zu Gunsten Bidens gefällt der Wall Street. Wir wiederholen daher: Corona hin oder her – das markantere und vor allem nachhaltigere Risiko für die Wall Street bleibt ein Sozialist als Herausforderer Trumps! Ed Yardeni von Yardeni Research bringt es auf den Punkt: Das Risiko, mit dem Sozialistenvirus Sanders angesteckt zu werden, ist viel schlimmer als das Grippevirus Corona.

Wie geht es weiter? Das auf und ab wird sich zumindest diese Woche fortsetzen und erst kommende Woche wird es vermutlich langsam wieder etwas ruhiger werden. Erst dann lohnt der Blick auf die Marktechnik, um die Bandbreite zu definieren, in denen sich die Indices und die Einzelwerte stabilisieren können. Schon jetzt notieren Schwergewichte wie APPLE nur noch 10% unterhalb des Rekordhoch, kleinere Kandidaten wie HELLOFRESH haben bereits den Schock zu 100% ausgeglichen, während andere wie NETFLIX überhaupt nicht betroffen waren. Auch Aktien unserer Megatrends wie Gaming haben rasch wieder alte Höhen erreicht wie z.B. ACTIVISION BLIZZARD, ELECTRONIC ARTS oder ZYNGA.

 

Kreuzfahrtschiff

Bildnachweis: Fotograf - Stephanie Klepacki

 

Sind die größten Verlierer unter dem Coronavirus nun bald die größten Gewinner?

 

Die Kreuzfahrtbranche hat es auf dem Parkett am schlimmsten erwischt, nicht zuletzt wegen der Berichterstattung über Schiffe, die vorübergehend unter Quarantäne gesetzt wurden. Nun müssen die Anbieter buchstäblich zwischen zahlreichen Herausforderungen herumnavigieren: Starker Wettbewerb, Überkapazitäten auf dem Schiffsmarkt und eben den Auswirkungen der Coronakrise. Das zugrunde liegende Geschäft der „Kreuzfahrer“ ist jedoch dauerhaft stabil und gerade jetzt attraktiv bewertet. Zudem stützen kurz- und mittelfristig günstige demografische Trends die Aussichten. Klar ist:

Jedes Unternehmen, welches auf asiatischen Tourismus angewiesen ist, steht vor einem Turnaround. Die tatsächlichen Auswirkungen dieser Krise werden noch einige Quartale zu verarbeiten sein, doch sobald der Verbraucher sich wieder auf Reisen traut, greifen die Basiseffekte. Wir haben das Thema in der aktuellen Ausgabe unseres „Zürcher Trend“ unter die Lupe genommen und raten dazu, ROYAL CARRIBEAN, CARNIVAL CORP. und NORWEGIAN CRUISE LTD. nicht links liegen zu lassen.

 

Stühlerücken in den DAX-Indices

 

Für „Liebhaber“ der zweiten und dritten Börsenreihe gibt es Neuigkeiten. Denn gestern hat der Arbeitskreis Indices der Deutschen Börse AG eine veränderte Zusammenstellung von MDAX und SDAX bekannt gegeben. Die größte Überraschung dabei: Per 23. März muss der Chip-Hersteller DIALOG SEMICONDUCTOR aus dem MDAX weichen und dem Lieferanten von Kochboxen HELLOFRESH (siehe oben) Platz machen. Das dürfte kurzfristig für einige Turbulenzen sorgen. Üblicherweise liegen die Markterwartungen bei Index-Veränderungen ziemlich nah an der Realität, weshalb entsprechend ausgerichtete institutionelle Anleger hier meist schon vorab sich positionieren. Bei solchen überraschenden Wechseln muss das allerdings noch mal nachvollzogen werden.

DIALOG SEMICONDUCTOR erwischt es dabei zusätzlich noch härter, da man auch aus dem TecDAX fliegt und damit in keinem der DAX-Indices mehr vertreten ist. Begründet wurde dieser Schritt zwar nicht explizit. Allerdings dürfte das mit dem Brexit zu tun haben. DIALOG SEMICONDUCTOR hat seinen Hauptsitz in Großbritannien. Das war bislang kein Problem. Denn nach dem Regularium der Deutschen Börse können auch ausländische Werte in DAX-Indices notiert sein, solange sie überwiegend auf Xetra gehandelt werden und ihren juristischen Sitz in einem EU-Staat oder in einem Land der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) haben. Großbritannien ist nun aber weder Mitglied in der EU noch in der EFTA.

Auch im SDAX gibt es Veränderungen, die wohl nicht jedem gefallen werden. Nachzuvollziehen sind sicherlich die Abstiege des UV-Technologie-Spezialisten DR. HÖNLE sowie von SGL CARBON und HEIDELBERGER DRUCK. In den es Dachs aufgestiegen sind dagegen ADLER REAL ESTATE, SNP und GODEWIND IMMOBILIEN. Als vierter Wert (da HELLOFRESH vom SDAX in den MDAX aufsteigt) wird nun wieder das Skandal-Unternehmen STEINHOFF in den Nebenwerte-Index aufgenommen. Das gefällt nicht jedem, allerdings wird die Entscheidung damit begründet, dass die Anzahl möglicher Aufstiegskandidaten im SDAX momentan eher überschaubar ist.

Zu weiteren Unternehmensmeldungen:

 

CONTINENTAL kommt unter die Räder

 

Der Autozulieferer CONTINENTAL steht heute unter enormen Abgabedruck. Die Aktie verliert fast 10 %, nachdem das Unternehmen für das vergangene Jahr einen Verlust von über 1,2 Milliarden € melden musste. Im Jahr davor hatte man noch knapp 2,9 Milliarden € verdient. Selbst auf operativer Ebene rutschte der Konzern in die Verlustzone. Und der Ausblick bleibt schwierig.

So rechnet CONTI beim Umsatz nur mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau, hält allerdings auch einen Rückgang für möglich. Die bereinigte operative Rendite soll zwischen 5,5 % und 6,5 % liegen. Im vergangenen Jahr hatte Continental hier schon einen deutlichen Rückgang von zuvor 9,3 % auf 7,4 % hinnehmen müssen. Nun soll ein verschärftes Sparprogramm den Negativtrend aufhalten. Wie schnell das gelingen kann, bleibt allerdings unklar. Klar ist aber jetzt bereits, was mit der Antriebssparte Vitesco geschieht. Denn statt des ursprünglich geplanten Börsengangs wird das Unternehmen nun faktisch an die eigenen Aktionäre verschenkt.

Fazit: Die Aktie von CONTI befindet sich wegen der schwachen Zahlen und dem zurückhaltenden Ausblick weiter im freien Fall. Sie notiert aktuell auf dem tiefsten Stand seit sieben Jahren. Were noch drin ist, muss das wohl oder übel jetzt aussitzen.

 

Kursverlauf Continental

 

VONOVIA bleibt auf Wachstum getrimmt

 

Noch etwas positives: Der Wohnungskonzern VONOVIA konnte für das letzte Jahr ein starkes Ergebnis präsentieren. Dank etlicher Zukäufe, unter anderem in Österreich und Schweden, konnte der Konzern seinen operativen Gewinn (FFO) um 8 % auf 1,2 Milliarden € steigern. Daran sollen auch die Aktionäre teilhaben. So wird eine Dividende für das letzte Geschäftsjahr von 1,57 € je Aktie vorgeschlagen. Das sind 0,13 € mehr als im Vorjahr und entspricht einer Dividendenrendite von immerhin 3 %. Für das kommende Jahr stellt VONOVIA weitere Steigerungen beim Ertrag in Aussicht. Der operative Gewinn soll auf 1,28-1,33 Milliarden € zulegen können.

Fazit: Heute gibt es zwar einen Abschlag in der Aktie, nachdem sie in der Vorbörse noch ordentlich im Plus gelegen hatte. Das würden wir hier allerdings nicht überbewerten. Eher dürfte es eine notwendige Atempause sein, nachdem der Wert in den letzten Tagen einen deutlichen technischen Rebound hingelegt hatte. Vonovia ist Bestandteil im Zürcher Trend im konservativen Musterdepot und nach den vorgelegten Zahlen bleibt sie es auch.

 

Kursverlauf Vonovia

 

05.03.2020 - Jens Bernecker - jb@ntg24.de

 









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