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BÖRSE TO GO - mit Lufthansa, Swatch und Andritz

Nervosität zum Marktausblick steigt

 

Guten Morgen,

in den USA ist ein bizarrer Streit zwischen dem Hedgefondsmanager Ray Dalio und dem Wall Street Journal entstanden. Letzteres hatte berichtet, dass Dalio in den kommenden Monaten auf einen Einbruch am Aktienmarkt wetten könnte. Begründet wurde dies mit der Tatsache, dass sein Investmentfonds Puts auf den S&P 500 und den Euro Stoxx 50 im Gesamtwert von rund 1,5 Milliarden Dollar gekauft hätte. Dazu muss man wissen, dass Dalios Hedgefonds Bridgewater der weltgrößte seiner Art ist. Das Wort von Dalio hat also in der Branche durchaus Gewicht.

Indes: Die genannten 1,5 Milliarden Dollar entsprechen nur rund einem Prozent des Fonds-Vermögens. Es ist nicht unüblich, dass sich Investoren gegen Rückgänge absichern, obwohl ihre langfristige Strategie eher long ist. Das ist auch der Punkt, an dem Dalio sich nun genötigt sah, dem Eindruck entgegenzutreten, dass er auffallende Märkte wetten würde. Was sagt uns das?

 

Wall Street

Bildnachweis: @ Finance & Research AG

 

Kurz vor Jahresultimo steigt die Nervosität im Markt, wie es mit der bisherigen Rallye weitergehen könnte. Das dabei selbst ein so renommiertes Blatt wie das Wall Street Journal es für nötig zu erachten scheint, mit negativ angehauchten Schlagzeilen auf Leserfang zu gehen, spricht für sich. Mit Crash-Szenarien lässt sich halt immer noch mehr Aufmerksamkeit erregen als mit Optimismus. Als regelmäßige Leser unserer Publikationen sollten Sie diesbezüglich aber gut aufgestellt sein und sich nicht nervös machen lassen. Zwar rechnen wir, wie ausführlich schon dargestellt, mit einer taktischen Abkühlung in den nächsten Wochen. Die positiven Perspektiven für das kommende Jahr bleiben aber erhalten und ein Crash-Szenario, das derzeit verschiedene Akteure und Medien zeichnen, sehen wir weiterhin nicht.

Zum aktuellen Geschehen: Positive Nachrichten aus der Schweiz. Wie das zuständige Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) meldete, konnte die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal um 0,4 % wachsen. Besonders stark zeigte sich dabei überraschend der Energiesektor, der von günstigen Wetterbedingungen profitierte. Außerdem präsentierte sich die Pharmabranche gut aufgestellt. Ihr war es zu einem Großteil zu verdanken, dass die Exporte insgesamt um 0,7 % zulegen konnten. Überraschend schwach zeigte sich dagegen der private Konsum, hier gab es nur ein kleines Plus von 0,2 %, während die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen immerhin um 0,7 % zulegen konnten. Damit stehen die Chancen gut, dass der SMI trotz seines bereits erreichten Rekordhochs bei über 10.500 Punkten dieses noch weiter ausbauen kann, ehe hier womöglich größere Gewinnmitnahmen eintreten. Allerdings setzen wir hier darauf, dass die insbesondere psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten weiter als gute Unterstützung dienen wird.

 

Entspannung im Tarifkonflikt der DEUTSCHEN LUFTHANSA?

 

Wie heute Morgen gemeldet wurde, hat die LUFTHANSA der Flugbegleitergewerkschaft UFO einen neuen Verhandlungsvorschlag gemacht. Bislang waren die Fronten verhärtet, weil sich UFO nicht auf eine sogenannte Friedenspflicht, also Verzicht auf Streiks, bei den LUFTHANSA-Töchtern festlegen lassen wollte. Die LUFTHANSA selbst hatte immer wieder darauf gepocht, um eine sogenannte große Schlichtung für die Kernmarke zu erreichen. Nun geht die Kranichlinie einen Schritt auf UFO zu und erklärte, dass man auf die Forderung nach einer verbindlichen Friedenspflicht verzichten würde.

Das könnte auch für die Aktie der LUFTHANSA wieder etwas Entspannung bringen. Diese war in den letzten 14 Tagen abgebröckelt und liegt nun auf ihrer 20-Tage-Linie. Käme es hier zu einem Break, könnte neuer Verkaufsdruck durch den Ausstieg verschiedener Trader entstehen. Mit den neuen Entspannungssignalen im Tarifstreit bereitet das Unternehmen zumindest im Boden für eine Chance vor, dass die Aktie sich stabilisieren kann.

 

Kursverlauf Lufthansa

 

SWATCH mit neuem Angebot

 

Der Schweizer Uhrenhersteller SWATCH baut seine Kooperation mit dem Zahlungsdienstleister WIRECARD aus. Vor zwei Jahren hatte das Schweizer Unternehmen das Zahlungsangebot „Swatch Pay“ inklusive passender Uhr in China lanciert. Seit Jahresanfang gibt es das Angebot auch in der Schweiz. Nun sollen Deutschland und Österreich mit dazu kommen. Die Uhr selbst ist mit einer Bezahlfunktion ausgerüstet, bei der die eigene Kreditkarte gespeichert wird und wo man die Uhr über einen sogenannten NFC-Chip an einem Kreditkartenterminal einsetzen kann.

Abwarten muss man hier sicherlich, wie erfolgreich dieses neue Angebot nun sein kann. Denn letztlich ist SWATCH nur einer von vielen Anbietern von Zahlungslösungen. Immerhin kommt die Meldung zur rechten Zeit, nachdem die Aktie in den vergangenen Monaten gleich dreimal an der Widerstandszone bei rund 286 Franken gescheitert war. Das letzte Mal erst vor wenigen Tagen. Solch ein charttechnisches Triple-Top ist brandgefährlich. Sollte es SWATCH gelingen, mit der neuen Meldung die Aktien schnell wieder zu stabilisieren, bleibt zumindest die Chance erhalten, aus dem langfristigen Abwärtstrend endlich auszubrechen.

 

Kursverlauf Swatch

 

Sell-off bei ANDRITZ

 

Und noch eine Meldung aus Österreich. Dort hatte der Anlagenbauer ANDRITZ gestern einen extrem schwachen Tag zu überstehen. Was damit zu tun hatte, dass man für das kommende Jahr nur mit einem Gewinn auf Vorjahresniveau rechnet, obwohl man eine deutliche Umsatzsteigerung in Aussicht stellte. Begründet wurde dies damit, dass man umsatzseitig zwar von Großprojekten profitieren würde, die allerdings in der Regel eher margenschwach sind.

Das kam an der Börse überhaupt nicht gut an und die Aktie stürzte gestern auf 35,90 Euro ab. Sie liegt damit jetzt auf der 100-Tage-Linie. Könnte sie diese nicht halten, droht ein Rückfall noch mal auf das Jahrestief bei knapp über 30 Euro. Wer investiert ist, sollte sich so etwas nicht antun. Insofern wäre eine Absicherung knapp unterhalb der 100-Tage-Linie empfehlenswert.

 

28.11.2019 - Carsten Müller - cm@ntg24.de

 









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