Bayer befreit sich langsam von dem Rechtsrisiko in den USA
US-Regierung gibt dem Pharmakonzern Rückendeckung im Rechtsstreit
Bayer befindet sich wieder im Aufwind. Kurszielerhöhungen und ein mögliches Ende der Rechtsstreitigkeiten in den USA sorgen für eine positive Marktstimmung.
Die langjährigen Bayer (DE000BAY0017)-Aktionäre sind großen Kummer gewohnt. Während man vor der Monsanto-Übernahme im Jahr 2028 noch für eine Bayer-Aktie einen Preis von über 127 € zahlen musste, sind diese Kursniveaus lange schon Geschichte.
Die Leidenszeit bei Bayer begann 2018 mit der Übernahme des US-Saatgut- und Pestizidkonzerns Monsanto, den sich der Agrar- und Pharmakonzern schlappe 66 Milliarden US-Dollar kosten lassen hat. Die Rekordübernahme von Monsanto war dabei ein Grundpfeiler der neuen Unternehmensstrategie als „Life Science Champion“ mit den drei Säulen Pharma, Consumer Health und Crop Science. Monsanto war der weltweit führende Anbieter von Saatgut und Pflanzeneigenschaften, Bayer dagegen stark bei Pflanzenschutzchemikalien. Die Übernahme sollte diese beiden Wertschöpfungsstufen vertikal integrieren. Zusätzlich rechnete Bayer nach der vollständigen Integration mit jährlichen Synergien von rund 1,5 Milliarden US-Dollar.
Die Akquisition gilt unter Marktteilnehmern als eine der größten strategischen Fehlentscheidungen der deutschen Börsengeschichte. Denn kurz nach dem Deal fiel die Bayer-Aktie um bis zu 46 % seines Marktwertes und startete damit einen jahrelangen Abwärtstrend. Im Jahr 2025 notierte die Aktie von Bayer sogar zwischenzeitlich nur noch bei 18 € pro Anteil. Grund für diese katastrophale Kursperformance waren die übernommenen Rechtsrisiken aus Monsantos umstrittenen Unkrautvernichter Roundup.
Roundup wird zum Henkersbeil
Durch die Übernahme von Monsanto hat Bayer hunderte Tausende Klagen wegen gesundheitlicher Schäden durch den Unkrautvernichter Roundup geerbt. Roundup ist ein glyphosathaltiges Herbizid und gehörte jahrzehntelang zu den meistverkauften Pflanzenschutzmitteln der Welt. Roundup gehörte zu den Cashflow-Rückgrat von Monsanto und war nicht nur irgendein Nischenprodukt. Das Problem ist dabei, dass die IARC (Krebsforschungsagentur der WHO) Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ eingestuft hat. Da es aber bis 2018 kaum Klagen gegen Monsato gab, unterschätzte Bayer das Risiko.
Ab 2018 und erst nach der Übernahme explodierten die Klagen, mit dem Vorwurf, dass Roundup Non-Hodgkin-Lymphom (eine Form von Blutkrebs) verursachen würde. Auf einmal klagten Tausende Einzelkläger mit der Unterstützung von speziellen Kanzleien gegen Bayer, mit dem Narrativ, dass auf der Gegenseite ein deutscher DAX-Konzern mit tiefen Taschen steht. Die Klagen beziehen sich dabei immer im Wesentlichen auf zwei Argumente. Erstens sei Glyphosat krebserregend und zweitens habe Monsanto die Risiken erkannt, aber verharmlost.
Aufgrund des US-Rechtssystems ist dabei besonders der zweite Punkt wichtig. Denn in den USA laufen diese Verfahren meistens über sogenannte Jury Trials. Hierbei sitzen Laien in der Jury und entscheiden über Schuld bzw. Unschuld und das Strafmaß. Der Richter leitet zwar das Verfahren und entscheidet über Rechtsfragen, er kann jedoch die Urteile später nur begrenzen, aber nicht ersetzen.
Das Problem dabei ist, dass die Jury sehr anfällig für das emotionale Narrativ der Klägerseite ist und den sogenannten punitive damage mit einbezieht. Daher sind die Schadenersatzforderungen meist auch in der ersten Instanz astronomisch hoch und werden erst bei einer Gegenklage sukzessive reduziert. In einem ersten großen Urteil gegen Bayer im Jahr 2018 wurde dabei einen Hausmeister einen Schadenersatz von 289 Millionen US-Dollar zugesprochen. Aufgrund der hohen Schadenvolumina hat Bayer Rückstellungen in zweistelliger Milliardenhöhe aufgebaut, die für Vergleiche in den letzten Jahren auch konsequent abgebaut wurden.
Trump als großer Retter?
Trotz der fortgeschrittenen Zeit kämpfen immer noch tausende Fälle vor dem US-Gericht oder sind noch nicht beigelegt. Aufgrund der Wichtigkeit von Pflanzenschutzmitteln für den US-amerikanischen Agrarsektor hat US-Präsident Trump den deutschen Konzern sogar offiziell unterstützt. Der U.S. Solicitor General, der höchste Anwalt der US-Regierung, hat im Dezember 2025 einen Antrag untermauert, wonach Bundesrecht die Klagen aus einzelnen Bundesstaaten überlagern sollte. Bayer argumentiert, dass die EPA-Zulassung ohne Krebswarnung bedeutet, dass staatliche Klagen unzulässig sind. Diese Unterstützung der Regierung stärkt die Argumentation von Bayer vor dem obersten Gerichtshof und ist ein politischer Schub für die juristische Verteidigungsstrategie. Denn Bayer argumentiert, dass federal preemption gilt, also dass Bundesrecht staatliche Klagen ausschließt, wenn ein Produkt unter Bundesrecht zugelassen ist. Die Regierung unterstützte diese Argumentation.
Nun hat der US Supreme Court entschieden, einen zentralen Glyphosat-Fall anzuhören, was die Hoffnung erhöht, dass das Oberste Gericht rechtliche Klarheit schaffen und Tausende Klagen begrenzen könnte. Eine Entscheidung zugunsten von Bayer könnte den Spielraum für weitere Urteile stark reduzieren und die Risiken für zukünftige Haftungsfälle minimieren. Diese Aussicht auf eine Reduzierung der anhaltenden Rechtsunsicherheit hat sofort zu spürbarer Kursstärke geführt und der Aktie direkt Rückenwind gegeben. So konnte die Aktie von Bayer seit Dezember einen Kursperformance von starken 65 % liefern.
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24.01.2026 - Christian Teitscheid

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