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BÖRSE TO GO - Deutsche Telekom, Wirecard und die FED

FED treibt Kurse weiter nach oben

 

Nach einem sehr schwachen Wochenauftakt drehten die wichtigsten Leitindizes am späten Montag ins Plus. Der DAX schloss im Präsenzhandel noch im Minus mit -0,32 % bei 11.911,35 Punkten, doch die wichtigsten US-Benchmarks schlossen den Handel alle mit Tagesgewinnen, nachdem die Futures im frühen europäischen Handel zuvor teilweise 2 bis 3 % im Minus gehandelt wurden. 

Der Push der Bullen setzt sich auch heute früh weiter fort. Der DAX-Future und die US-Futures klettern kräftig im asiatischen Handel. Der DAX-Future notiert mehr als 1,5 % höher über 12.300 Punkten. Der Dow-Future liegt mehr als 2 % im Plus und wird über 26.200 Punkten gehandelt. Die starken Käufe wurden ausgelöst, nachdem die FED ein neues Kaufprogramm aktivierte, um die Preise an der Börse zu steigern. 

 

750 Mrd. Dollar

 

Das Budget der FED für die Käufe im Unternehmensanleihenbereich beträgt 750 Mrd. Dollar. Das allein entspricht schon dem Umfang des TARP (Troubled Asset Relief Program), das 2008 vom US-Kongress beschlossen wurde, um den gesamten Finanzsektor nach dem Zusammenbruch von Lehman zu retten und zeigt, mit welchen enormen Anstrengungen die Amerikaner aktuell versuchen, ihre Wirtschaft vor den Corona-Schäden zu retten. 

Das neue Programm der FED ist zudem sehr weitreichend. Man wird das Kapital im Sekundärhandel einsetzen, also als Käufer im regulären Handel von bereits emittierten Anleihen auftreten. In naher Zukunft plant die Notenbank obendrein, im Primärmarkt tätig zu werden. Man wird bei Anleiheemissionen direkt von den Emittenten kaufen. 

Das neue Anleiheuniversum ist ca. 4 Billionen US-Dollar groß. Die FED darf Unternehmensanleihen mit einer Restlaufzeit von höchsten fünf Jahren kaufen. Zudem müssen die Anleihen ein Investmentgrad-Rating ausweisen. Der amerikanische Unternehmensanleihemarkt ist rund 10 Billionen Dollar groß und etwa 40 % davon entsprechen den Kriterien der FED. 

 

Softbank beginnt Verkauf von T-Mobile US

 

Es ist bereits seit Wochen im Gespräch und beginnt nun Wirklichkeit zu werden. Die Schieflage von Softbank, ausgelöst durch das WeWork Debakel, zwingt die Japaner, Beteiligungen zu verkaufen, um liquide zu werden. Eine der Maßnahme sieht vor, dass die Beteiligung an T-Mobile US verkauft wird und die Deutsche Telekom verhandelt bereits darüber, ein großes Aktienpaket von Softbank zu übernehmen, um die Kontrollmehrheit bei der eigenen US-Tochter zu erlangen. 

Bis dato hält die Deutsche Telekom 43 % an T-Mobile US. Gemessen an der aktuellen Marktkapitalisierung wird die Sicherung der Mehrheit mindestens 9 Mrd. Dollar kosten. Masayoshi Son steht zwar unter Druck, wird aber versuchen, die Begehrlichkeit der Deutschen Telekom nach einer kontrollierenden Mehrheit auszunutzen und den Preis zu treiben. 

 

Donnerstag ist Wirecard-Tag

 

Am 18. Juni will Wirecard das Vertrauen der Aktionäre zurückgewinnen und seine Kritiker widerlegen. Die bereits drei Mal verschobene Veröffentlichung des Jahresabschlusses für 2019 soll am Donnerstag nachgeholt werden und den Vorstand mit einem uneingeschränkten Testat entlasten. Die Börse spekuliert bereits seit Tagen darauf, dass Wirecard auch liefern wird, und treibt im Vorfeld den Kurs nach oben. 

 

Wirecard AG

 

Es steht viel auf dem Spiel für das DAX-Unternehmen. Die Bilanz wird von Ernst & Young geprüft und testiert, wie auch schon in den Jahren zuvor. Die Sonderprüfung durch KPMG hatte jedoch ergeben, dass wesentliche Teile der Bilanz von 2018 nicht vollständig überprüfbar seien. Was kein Kavaliersdelikt ist und als Warnung in die Bilanz hätte eingehen müssen. Hat Ernst & Young den Wirecard-Aktionären schwerwiegende Mängel in der Bilanz verschwiegen, laufen die Wirtschaftsprüfer Gefahr, schadensersatzpflichtig zu werden. Entscheidend wird am Donnerstag daher sein, was Ernst & Young sagt, nicht was Wirecard sagt.

 

ZEW-Index im Mittelpunkt

 

Die Börse wird heute Vormittag vor allem auf die ZEW-Indizes für Deutschland schauen. Um 11:00 Uhr werden die jüngsten Konjunkturerwartungen für Juni und die Einschätzung der aktuellen Lage veröffentlicht. Die Konjunkturerwartungen sollen sich von 50 auf 60 Punkte verbessert haben. Bei der Einschätzung der aktuellen Lage geht die Börse von einer Verbesserung von -93,5 Punkten auf -84,0 Punkte aus. 

Auch die ersten wichtigen Daten kommen heute früh aus Deutschland. Wir bekommen um 08:00 Uhr die finalen Verbraucherpreis- und Großhandelspreisindizes für den Monat Mai präsentiert. 

Die Amerikaner werden um 14:30 Uhr vor Eröffnung der Wall Street die Einzelhandelsumsätze für den Monat Mai bekannt geben. Es wird ein Anstieg um 8,0 % im Vergleich zum Vormonat erwartet. 

Eine Viertelstunde vor Börsenbeginn in New York kommen dann noch drei wichtige Indikatoren für den Monat Mai heraus. Zum einen die Entwicklung der Industrieproduktion, die im Vergleich zum Vormonat um 2,9 % gestiegen sein soll. Zum Zweiten die Produktion des verarbeitenden Gewerbes, die um 4,6 % im Vergleich zum Vormonat gestiegen sein soll. Und zuletzt die Kapazitätsauslastung im verarbeitenden Gewerbe, die von 64,9 % auf 66,9 % gestiegen sein soll.

Das Highlight des Tages wird aber die Rede von Jerome Powell sein. Der Vorsitzende der FED wird um 16:00 Uhr vor dem US-Kongress Stellung zu den Fragen der Politiker nehmen. 

 

16.06.2020 - Mikey Fritz - mf@ntg24.de

 









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