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BÖRSE TO GO - Daimler, Hensoldt und Knaus Tabbert

Verluste zur Börseneröffnung erwartet

 

Die Futures signalisieren Verluste zur Börseneröffnung in Europa. Für Frankfurt wird ein deutlicher Rücksetzer in Richtung 12.450 Punkte erwartet und die amerikanischen Futures zeigen bisher auch keine Wende zum Positiven. Der S&P 500 Future liegt mehr als -0,4 % im Minus bei 3.218 Punkten und der Nasdaq-Future wird -0,7 % tiefer bei 10.752 Punkten gesehen. 

Die Kursgewinne von gestern werden heute also relativiert werden. Der deutsche Aktienmarkt war gestern sehr optimistisch gestartet und konnte auch einige Gewinne bis zum Handelsende retten, doch die Benchmarks schlossen deutlich unter den Tageshöchstständen. Der DAX verbesserte sich am Ende noch um 0,39 % auf 12.642,97 Punkte. Die Aktien von Adidas wurden von den guten Zahlen bei Nike mit nach oben gezogen und stiegen um 4,71 %. Der Corona-Gewinner Delivery Hero erholte sich erneut um 2,45 %. 

Die Benchmark mit den größten Gewinnen war der MDAX, der 0,66 % auf 26.775,95 Punkte steigen konnte. Insbesondere die Aktien von Osram sprangen um 14,10 %, nachdem ams ein Squeeze-Out angekündigt hatte. Auch HelloFresh stieg um 8,10 % und profitierte von den neuen Lockdown-Sorgen. 

Die Wall Street schloss einheitlich tiefer, nachdem Powell nach staatlicher Unterstützung verlangte. Der FED-Chef hatte in seiner dritten Rede in dieser Woche deutlich gemacht, dass ein weiteres Gesetz notwendig sei, das neue finanzielle Unterstützung für die amerikanische Bevölkerung ermöglicht. Über dieses Gesetz wird seit Wochen im Kongress gestritten. Nachdem die Republikaner staatliche Hilfen im Billionen-Bereich durchgewunken hatten, die im Wesentlichen an große Unternehmen geflossen sind, wehrt man sich jetzt mit Händen und Füssen dagegen auch der breiten Bevölkerung weitere Unterstützung zukommen zu lassen. Eine Einigung zwischen Demokraten und Republikanern erscheint derzeit unwahrscheinlich. 

 

Nasdaq Composite Index

 

Der Nasdaq Composite Index verzeichnete die größten Abschläge. Der Index schloss -3,02 % tiefer bei 10.632,99 Punkten, dicht gefolgt vom S&P 500 Index, der um -2,37 % auf 3.236,92 Punkte fiel. Die Abschläge verliefen geordnet, zogen sich aber den ganzen Tag über hin bis zum Schluss. Die Benchmarks schlossen nahe der Tagestiefs. 

Die schlechte Stimmung setzt sich auch im asiatischen Handel fort. Alle wichtigen Benchmarks notieren heute früh im Minus. Der Nikkei 225 Index sank zwischenzeitlich um -0,80 % auf 23.160 Punkte und der australische ASX 200 Index verzeichnete Verluste von bis zu -1,00 % auf 5.864 Punkte. Alle chinesischen Benchmarks bewegen sich im Minus. Am stärksten sind die Verluste beim SZSE Component Index ausgeprägt, der während des Handels bis zu -1,9 % abgibt. 

 

Kahlschlag in Stuttgart

 

Die Kehrseite der Elektromobilität hält Einzug bei Daimler. Der Vorstand hatte schon länger deutlich gemacht, dass man weltweit die Personalkosten erheblich runterziehen möchte. Unklar war bisher, wo die Stellenstreichungen vorgenommen werden sollen. Die Entscheidung ist nun gefallen, dass ausgerechnet im Stammwerk 21 % aller Stellen bis 2025 gestrichen werden sollen. 

4.000 Mitarbeiter sollen in Stuttgart ihren Arbeitsplatz verlieren. Schwerpunktmäßig werden Stellen in den Bereichen wegfallen, die in Zukunft bei Elektromobilen nicht mehr gebraucht werden. Das betrifft vor allem die Motoren- und Getriebefertigung. Stärken will der Vorstand dagegen ausländische Standorte, wo die Produktion von Teilen für Elektroautomobile ausgebaut wird. Daimler wird vorbörslich (L&S) bei 43,61 Euro (-0,43 %) gehandelt. 

 

Die folgenden wichtigen Aktien werden heute Ex-Dividende gehandelt: Dentsply, Medtronic und Sempra Energy

 

Hensoldt: Schwache Nachfrage

 

Das IPO von Hensoldt scheint eine Enttäuschung zu werden. Die ehemalige Airbus-Sparte, die seinerzeit in einem Leveraged Buy-out von KKR übernommen wurde, bietet den Aktionären vor allem eines im Überfluss: Schulden. KKR hat die Bilanz ausgehöhlt, damit die Gesellschaft im Grunde selbst für die Übernahme durch die Amerikaner bezahlt. Diese ausgehöhlte Bilanz lässt KKR im Rahmen des Börsengangs jetzt teilweise durch frisches Eigenkapital von außen wieder auffüllen. Doch die Anleger haben sehr genau erkannt, wie unattraktiv dieses Investment ist und bieten nur für das untere Ende der Preisspanne. 

38,3 Mio. Aktien hat Hensoldt zu 12 Euro zugeteilt. Die Erlöse in Höhe von rund 460 Mio. Euro brutto sind bereits aufgeteilt. 300 Mio. Euro kommen dem Unternehmen zugute, die restlichen 160 Mio. Euro erhält KKR. Die Amerikaner nehmen wenig überraschend Abstand davon, die Emissionsreserve auch noch auf den Markt zu werfen. KKR kann jetzt noch darauf hoffen, dass die Bundesregierung ihre Option für eine Sperrminorität zieht. Dann würden 600 Mio. Euro fällig, was den Staat das Doppelte dessen kosten würde, was die Aktionäre beim Börsengang bezahlt haben. Die Erstnotiz ist für heute angesetzt.

 

Knaus Tabbert fällt am ersten Börsentag

 

Auch der Börsengang des Caravan-Unternehmens Knaus Tabbert enttäuscht. Vor dem Hintergrund der Covid-19 Krise hatte die Gesellschaft darauf gehofft, dass man eine hohe Nachfrage erzeugen könnte, doch das Interesse fiel mau aus. Auf allen Ebenen blieb die Emission unter den Erwartungen. Der Emissionspreis wurde am unteren Ende der Preisspanne bei 58 Euro festgelegt und trotzdem fielen die Aktien am ersten Handelstag um 6 %, obwohl der Gesamtmarkt stieg. Es hat auch nichts geholfen, dass Knaus Tabbert die Anzahl der zum Verkauf stehenden Aktien von 4,956 Millionen auf 4,00 Millionen Aktien reduziert hatte. 

Bei Knaus Tabbert verabschiedeten sich im wesentlichen Altaktionäre. Dem Unternehmen floss ein kleinerer Teil der Emissionserlöse zu, aber vorrangig diente der Börsengang dazu, damit der Großaktionär HTP Investments seine Beteiligung verringern konnte. Das geringe Vertrauen des Altaktionärs in seine Gesellschaft half dem Emissionsprozess nicht. Die Aktien fielen am ersten Handelstag auf 54,80 Euro.  

 

Die folgenden Unternehmen werden heute Quartalsberichte veröffentlichen: Accenture, Costco, und Trip.com

 

Notenbanken und Ifo-Index dominieren

 

Gleich um 09:30 Uhr wird die SNB ihre aktuelle Zinsentscheidung bekannt geben. Eine Veränderung des Franken-Leitzinses wird nicht erwartet. Spannender wird die Lagebeurteilung und die Interventionen der SNB am Devisenmarkt. Die Schweizer Nationalbank hatte zuletzt wieder verstärkt eingegriffen, um den Franken gegen Euro und Dollar zu schwächen. 

Der Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland wird dann den restlichen Vormittag in Europa dominieren. Für den Geschäftsklimaindex selbst gilt die Erwartung, dass er von 92,6 im August auf nun 93,8 Punkte im September gestiegen ist. Der Geschäftserwartungsindex soll von 97,5 auf 98,0 Punkte und der Index der aktuellen Lageeinschätzung von 87,9 auf 89,5 Punkte gestiegen sein. 

Um 14:30 Uhr stehen dann in den USA die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten an. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sollen auf 840.000 gefallen sein. Bei den Folgeanträgen wird ein Rückgang auf 12,3 Mio. Anträge erwartet.

Um 16:00 Uhr erwarten wir parallel drei Reden von BoE-Gouverneur Bailey, von US-Finanzminister Mnuchin und die vierte Rede in dieser Woche von Jay Powell, dem Vorsitzenden der FED. 

 

24.09.2020 - Mikey Fritz - mf@ntg24.de

 









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