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BÖRSE TO GO - Volkswagen, Gesco und Powell

Ärger in Wolfsburg

 

Die Verluste im späten US-Handel ziehen sich heute früh auch noch durch den asiatischen Handel. Während der DAX gestern am späten Nachmittag noch mit einem Plus von 1,06 % den Handel abschloss, sackten die US-Benchmarks kurz danach ab, gaben die Gewinne des Tages auf und schlossen alle im Minus. Der Dow sank um -0,58 %. 

Die Futures tendieren heute früh leicht im Minus. Unter den US-Benchmarks sticht erneut der Dow hervor. Der Future liegt am Ende des asiatischen Handels 0,23 % im Minus. Der DAX Future notiert 0,31 % tiefer und signalisiert heute früh eine negative Eröffnung für den DAX. 

Mit Spannung erwartet die Börse heute die Rede des FED-Vorsitzenden Powell. Die Rede wird um 17:00 Uhr beginnen. Die Anleger hoffen auf weitere Maßnahmen der amerikanischen Notenbank, um die amerikanische Wirtschaft zu stützen. 

 

Unruhe in Wolfsburg

 

Der Ärger rund um den Golf 8 beginnt hochzukochen. Ausgerechnet das Schlüsselprodukt zum Erfolg bei Volkswagen wurde von der Unternehmensspitze sträflich vernachlässigt. Das Debüt des Golf 8 geriet zum Desaster, nachdem VW zum einen die Nachfrage nicht einmal im Ansatz decken konnte und dann auch noch die Produktion von zahlreichen Fehlern und Ausfällen geplagt wird. Die Volkswagen-Händler kochen bereits und nun platzte auch noch der Gewerkschaft IG Metall der Kragen. 

Der gestern Nachmittag veröffentlichte Brandbrief an den Vorstand hat es in sich. Die IG Metall hält mit Kritik nicht hinter dem Berg und beschwert sich lautstark darüber, dass das Ansehen von Volkswagen durch zahlreiche Marketingpannen beschädigt wird. Heftig kritisiert wird auch, dass neben dem Golf 8, der zurzeit wegen Elektronik- und Softwareproblemen nicht angeboten werden kann, auch zahlreiche andere Produkte nicht zur Verfügung stehen. Die Sorge fokussiert sich darauf, dass eine Kaufprämie der Regierung an Volkswagen vorbeilaufen würde, weil man nichts Attraktives im Angebot hat. Die IG Metall gibt in ihrem Brandbrief direkt VW-Chef Diess die Schuld für die Misere. Die Volkswagen-Vorzüge notieren vorbörslich bei Lang & Schwarz mit mehr als 0,4 % im Minus. 

 

Gesco bestätigt den Ausblick

 

Das Geschäft von Gesco wird durch die Corona-Krise stark beeinträchtigt. Ausfälle in den Lieferketten konnte die Gruppe verhindern, aber die zeitversetzten Werksschließungen in China, Europa und den USA machen zu schaffen. Die Nachfrage des 1. Quartals wird sich keinesfalls im 2. Quartal fortsetzen, was der Vorstand zum Anlass nahm, um auf den Liquiditätsbestand von rund 30 Mio. Euro und die hohe Eigenkapitalquote von rund 50 % zu verweisen. 

Der Vorstand hält offiziell noch an dem jüngst aufgestellten Ausblick fest. Den Konzernumsatz für das Gesamtjahr sieht man bei 540 bis 560 Mio. Euro und den Konzernüberschuss bei 8 bis 11 Mio. Euro. Man schränkte allerdings ein, dass sich die Lage kurzfristig ändern kann. 

 

Weiterer Quartalsbericht: GK Software SE

 

Schwache Zahlen aus Deutschland und Frankreich

 

Frankfurt startet den Tag um 08:00 Uhr mit den jüngsten Einzelhandelsumsätzen des Monats April. Im Jahresvergleich sollen die Umsätze um 14,3 % gefallen sein. 

Frankreich folgt um 08:45 Uhr mit dem Index der Konsumausgaben für den Monat April. Er spiegelt die Konsumfreude der Franzosen im Vergleich zum Vormonat wider, was insofern wichtig für die Börse ist, da der Konsum einen wesentlichen Teil des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Starke Ausschläge für diesen Index bewegen sich seit mindestens 1980 in der Regel im unteren einstelligen Prozentbereich. Der bis dato stärkste jemals gemessene Einbruch fand im August 1995 statt und betrug -6,00 %. Im März dieses Jahres war der Index für Konsumausgaben um 17,9 % eingebrochen. Für April wird ein Einbruch um 15 % erwartet, was kumulativ zueinander zu bewerten ist. 

Zur selben Uhrzeit wird Frankreich auch die abschließenden Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das 1. Quartal veröffentlichen. Am 30. April wurden die vorläufigen Zahlen veröffentlicht, die einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um -5,8 % signalisierten. Analysten erwarten für heute früh, dass die vorläufigen Zahlen bestätigt werden. 

Positive Daten werden heute früh um 09:00 Uhr in Zürich erwartet. Beim KOF Frühindikator für den Monat Mai wird ein Anstieg von 63,5 auf 70,0 Punkte erwartet. Der KOF soll die wirtschaftliche Entwicklung in der Schweiz vorhersagen.

 

US-Immobilienmarkt schwächelt

 

Noch am Dienstag dieser Woche überraschten die positiven Nachrichten vom US-Immobilienmarkt. Danach stiegen sowohl die Preise für verkaufte Häuser als auch die Zahl der verkauften Neubauten wuchs, anstatt wie befürchtet zu schrumpfen. Es handelt sich dabei um Daten für die Perioden März bzw. April. 

Gestern wurden diese Daten um die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt ergänzt, die ein anderes Bild aufzeigten. So fiel der Index der schwebenden Hausverkäufe im Monat April von 88,2 auf nur noch 69,0 Punkte. 

Wie ist das Niveau zu werten? Es ist der tiefste Stand bis mindestens 2001 zurück. Selbst in der US-Immobilien- und Finanzkrise fiel der Index nicht tiefer als 76,4 Punkte. Die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen sorgen demnach, wie bei den meisten Branchen mit Kundenkontakt, auch in der Immobilienbranche für stark fallende Umsätze und Verluste.

 

29.05.2020 - Mikey Fritz - mf@ntg24.de

 









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