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ElringKlinger im Interview zur Brennstoffzellentechnologie

Das sagt ElringKlinger zur strategischen Zukunft der Firma

 

Mit dem Wandel zur Elektromobilität und zu anderen alternativen Antriebsformen sind viele heimische Automobilzulieferer stark unter wirtschaftlichen Druck geraten. Hierbei sind insbesondere die Firmen betroffen, die nicht überwiegend Bauteile für die Karosserie, sondern vielmehr für Verbrennungsmotoren produzieren. Die in Dettingen an der Erms (nähe Reutlingen) ansässige ElringKlinger AG bekam diesen technologischen Wandel ebenfalls stark zu spüren. Zwischen den Jahren 2017 und 2019 musste der Konzern einen Nettogewinnrückgang von 70 Mio. Euro auf 4 Mio. Euro hinnehmen. Für dieses Jahr erwarten die Analysten im Konsens sogar, dass nach Steuern ein Verlust von 16 Mio. Euro geschrieben wird.

In den vergangenen Jahren zeigte sich die Aktionärsbasis durch den sich abzeichnenden technologischen Wandel sowie durch die rückläufige Gewinnentwicklung stark verunsichert. Wurde die ElringKlinger-Aktie Anfang 2015 zeitweise noch oberhalb der Marke von 30 Euro gehandelt, so fiel der Titel am 16. März 2020 in der Spitze bis auf 3,415 Euro zurück. Mittlerweile hat ElringKlinger aber die Zeichen der Zeit eindeutig erkannt und arbeitet unter Hochdruck an der Entwicklung und Vermarktung seiner Brennstoffzellentechnologie. Dies stimmte die Anleger optimistisch und führte dazu, dass sich der Aktienkurs von seinen diesjährigen Tiefstständen wieder mehr als verdoppeln konnte.

 

ElringKlinger zur aktuellen Konzernstrategie

 

Über die jüngsten technologischen Entwicklungen hat NTG24 heute mit Dr. Jens Winter Vice President Strategic Communications bei der ElringKlinger AG gesprochen:

NTG24.de: Bitte erläutern Sie, wie weit fortgeschritten ElringKlinger bei der Erforschung und beim kommerziellen Einsatz der Brennstoffzellentechnologie ist?

Jens Winter: ElringKlinger hat sich in den letzten 20 Jahren eine hohe Kompetenz in der Brennstoffzellentechnologie erworben. Unsere Stacks bieten eine hohe Leistungsdichte und haben ihr Potenzial auch unter widrigen Bedingungen unter Beweis gestellt. Bereits heute kann man Brennstoffzellenstacks nach Automobilstandards in Serie produzieren.

NTG24.de: Am 14.10.2020 haben Sie eine Partnerschaft mit der Airbus SE verkündet. Wie stehen aus Ihrer Sicht die Chancen, dass die Brennstoffzellentechnologie in der Luftfahrt durchsetzt? Gibt es alternative Projekte seitens Airbus SE mit Wettbewerbern?

Jens Winter: Airbus hat im Vorfeld der Vereinbarung eine umfangreiche Marktanalyse durchgeführt. In diesem internationalen Auswahlprozess konnte ElringKlinger Airbus als Best-in-Class mit dem hohen Leistungsdichteniveau seiner Brennstoffzellenstacks überzeugen. Gemeinsam arbeitet man nun daran, einen wasserstoffbasierten Brennstoffzellenantrieb für Flugzeuge zu entwickeln. – Die Frage zu alternativen Projekten von Airbus können wir nicht beantworten. Dazu müssen Sie sich an Airbus wenden.

Wann wird diese Kooperation mit Airbus für Ihr Unternehmen positive Ergebnisbeiträge liefern?

Jens Winter: Die relevanten Angaben zu der strategischen Partnerschaft mit Airbus finden Sie in der Pressemitteilung. Über darüber hinausgehende Details haben beide Vertragspartner Stillschweigen vereinbart.

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeNTG24.de: Sie haben am 28.10.2020 die Gründung eines neuen Unternehmens mit Plastic Omnium kommuniziert. Bitte erläutern Sie den Hintergrund der Partnerschaft. Bis wann werden Sie die Kapazität von 10.000 Stacks erreichen und welchen Umsatzbeitrag erwarten Sie von dem neuen Unternehmen?

Jens Winter: Mit ElringKlinger und Plastic Omnium schließen sich zwei Unternehmen zu einer deutsch-französischen Partnerschaft zusammen, die beide die gleichen Werte teilen, beide bereits stark in die wasserstoffbasierte Brennstoffzellentechnologie investiert haben undbeide von dem großen Potenzial dieser Technologie überzeugt sind. Vom Produktportfolio ergänzen sich beide Partner hervorragend und können gemeinsam die gesamte Wertschöpfungskette für einen wasserstoffbasierten Brennstoffzellenantrieb anbieten.

Die Voraussetzungen für die Produktionskapazität von zunächst bis zu 10.000 Stacks pro Jahr sind mit der Errichtung des Technologiezentrums in Dettingen/Erms geschaffen. Je nach Auftragslage kann diese Kapazität bereits mittelfristig erreicht werden. Im Jahr 2030 wird ein Jahresumsatz von 700 Mio. EUR bis 1 Mrd. EUR angestrebt.

NTG24.de: Vielen Dank Herr Winter.

 

Große Kurschancen für spekulative Anleger

 

Für 2021 und 2022 erwarten die Brokerhäuser im Konsens, dass ElringKlinger (ISIN: DE0007856023; WKN: 785602) wieder einen Nettogewinn von jeweils insgesamt 22,1 Mio. Euro bzw. 39,2 Mio. Euro erreichen kann, was einer Umsatzrendite von 1,36 % bzw. 2,31 % entspricht. Auf Basis dieser Schätzungen beläuft sich das 2021er-KGV auf 19,1 und das 2022er-KGV auf 12,1. Für einen Automobilhersteller im Umbruchprozess ist diese Bewertung auf den ersten Blick keinesfalls günstig. Dennoch verfügt der Titel über ein hohes Kurspotenzial, sofern ElringKlinger mittelfristig wieder Nettomargen oberhalb der Marke von 5 % erwirtschaften kann. Dies war zuletzt in den Jahren 2015 und 2016 der Fall. Stoßen die neuen Produkte auf eine gute Akzeptanz bei den potenziellen Abnehmern, so wäre dieses Ziel keinesfalls unrealistisch. In solch einem positiven Szenario wären Jahresnettogewinne von deutlich mehr als 1,20 Euro je Anteilsschein möglich.

 

 

Allerdings besteht aktuell bei ElringKlinger ein erhebliches Enttäuschungspotenzial, sofern bei der Firma die erhofften Margen nicht erzielt werden. Für den 10. November ist die Veröffentlichung der Q3-Zahlen angesetzt. Entsprechend bleibt der Wert bis zu diesem Datum nur für spekulative Investoren attraktiv.

 

29.10.2020 - Tim Rademacher - tr@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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