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Eurofins Scientific: Geschäftsboom in Corona-Tests

Trotz Wegfall von Corona-Impulsen ab 2022 attraktive Aktien-KGVs

 

Am gestrigen 22.10. präsentierte die französische EUROFINS SCIENTIFIC (FR0000038259), der mit 800 Laboren in über 50 Ländern der Welt sowie über 200.000 patentierten Analysemethoden weltgrößte Konzern für alle nur denkbaren wissenschaftlichen Nahrungs-, Umwelt-, Kosmetik-, Pharmazie-, Stoffwechsel-, Biomolekül- und Genom-Testungen, seine Konzernumsätze für die ersten 9 Monate des Jahres 2020 sowie das abgelaufene 3. Quartal, die nicht nur aufgrund der klaren Corona-Begünstigung von Eurofins hervorragend ausfielen und die Analystenerwartungen deutlich übertrafen.

Gewinnzahlen veröffentlicht Eurofins zum Abschluss eines 1. und 3. Kalenderquartals grundsätzlich nicht, sondern jeweils nur zur kalendarischen Jahresmitte und per Jahresende.

Eurofins erwirtschaftete per 30.09. einen Quartalsumsatz von 1,41 Mrd. Euro, was einer hervorragenden Steigerung um nicht weniger als + 21 % gegenüber dem Vorjahr und sogar + 28 % gegenüber dem 2. Quartal entspricht. Die Analysten hatten im Konsens hingegen lediglich mit einer Umsatzerzielung von 1,31 Mrd. Euro (= + 12 % über Vorjahresniveau) gerechnet.

Auf gesamter 9 Monats-Basis betrug die Umsatzausweitung lediglich + 12 % gegenüber dem Vorjahr, was zeigt, dass Eurofins gerade von ihren unvermindert massiv ausgebauten Kapazitäten für Corona- / Covid 19-Tests, die auch vollständig mit dem weltweit weiter rasanten Nachfrageanstieg nach derartigen Testverfahren korrespondieren, aktuell von Quartal zu Quartal immer hochgradiger in ihrer Geschäftsentwicklung profitiert.

Doch trotz dieser klaren Geschäftsbegünstigung durch den Ausbruch der Corona-Pandemie lag dennoch ein weiterer untrüglicher Qualitätsnachweise dieser Umsatzerzielung auch darin, dass der rein organisch - also ohne jegliche Neuakquisitionen (!) - erzielte Umsatzanstieg im 3. Quartal sogar fast + 23 % betrug, man also definitiv feststellen kann, dass der zurückliegende gewaltige Konzernumsatzsprung in vollem Umfang ausschließlich konzernintern generiert wurde.

Sehr ermutigend ist außerdem auch, dass außerhalb der aktuell boomenden Sondergeschäfts der Herstellung weltweiter Corona-Test-Kits (Produktionskapazität: bis zu 10 Mio. monatlich) sowie der Auswertung von Corona-Tests (aktuell bis zu je 2 Mio. monatlich sowohl auf PCR-Basis über Rachen- / Speichelabstriche wie auch auf serologischer Antikörper-Basis) nach Konzernangaben mittlerweile auch die meisten klassisch betriebenen Testverfahren im Segment von Nahrungsmitteln, Umweltgegebenheiten, kosmetischen und pharmazeutischen Einsatzstoffen und sonstigen humanbiologischen Stoffen umsatzseitig fast wieder vollständig Tritt gefasst haben und im 3. Quartal Umsatzsteigerungen von jeweils 5 % p.a. aufwiesen.

Als weiterhin stark unter der Corona-Krise leidende Geschäftszweige bezeichnet der Konzernvorstand aktuell lediglich noch die Aktivitäten im Bereich der Qualitätstestung von Restaurant- und touristischen Catering-Speisen, der Hygienetestung von Tourismus-Einrichtungen sowie der Durchführung innovativer wissenschaftlicher Teststudien aller Anwendungsbereiche mit menschlichen Probanden.

 

Konzerneigene Ergebnisziele für 2020, 2021 und 2022

 

Zusätzliche detailliertere Angaben machte Eurofins jedoch zu ihren bisher gültigen Umsatz- und Gewinnprojektionen für 2020 und 2021 und veröffentlichte nun sogar auch erstmals entsprechende Zielwerte für 2022.

Die nachstehend dargelegten Projektionszahlen beruhen dabei auf der sehr plausiblen Grundannahme von Eurofins, dass die Geschäftsentwicklung 2020 insgesamt massiv sowie in 2021 noch immer deutlich von der Corona-Pandemie begünstigt werden dürfte. Erst ab 2022 erwartet Eurofins mit völliger Bewältigung der Corona-Krise hierdurch keinerlei weiteren Geschäftseinfluss, weder einen positiven noch einen negativen, auf das Gesamtjahresergebnis des Konzerns mehr.

Für 2020 peilt Eurofins unter diesen Annahmen selbst bei Ausklammerung jeglichen Corona-Test-Geschäfts einen Konzernumsatz von 5,0 Mrd. Euro an, gepaart mit einem operativen Betriebsgewinn vor Abschreibungen (EBITDA) von 1,1 Mrd. Euro, was bereits ohne diesen Begünstigungseffekt einen Anstieg von fast + 10 % im Umsatz sowie gar + 18 % im EBITDA bedeuten würde.

Schließt man jedoch die zusätzlichen Ergebnisse der Corona-Testungen in die voraussichtlichen Konzernresultate voll mit ein, so geht der Konzern wörtlich davon aus, dass o.g. (bereits sehr positive) Zielprojektionen in 2020 „hochwahrscheinlich signifikant übertroffen“ werden. Nach dieser Projektionssystematik dürfte Eurofins somit faktisch im Gesamtjahr 2020 ein herausragendes Jahresergebnis ins Haus stehen, dessen möglicher Ausgang unseres Erachtens derzeit im exakten Ausmaß noch kaum bezifferbar sein und sich demzufolge auch noch kaum im aktuellen Aktienkurs widerspiegeln dürfte.

Für 2021 strebt Eurofins aus dem „normalen“ Geschäft (d.h. ohne Corona-abhängige Aktivitäten) weitergehend die Erzielung eines Konzernumsatzes von 5,45 Mrd. Euro (= + 9 % ggü. 2020) und eines operativen EBITDA-Gewinns von 1,25 Mrd. Euro (= + 14 % ggü. 2020) an.

Unter der Annahme, dass auch in 2021 die Corona-Aktivitäten von Eurofins weitere positive Ergebnisbeiträge liefern werden, geht der Konzern jedoch auch für das kommende Jahr wörtlich davon aus, das obige Basisprojektionen für 2021 „ebenfalls übertroffen“ werden dürften.

Für 2022 veröffentlicht Eurofins nun neu ein Konzernumsatzziel von 5,7 Mrd. Euro (= + 5 % gegenüber dem „neutralen Basisszenario“ von 2021), gepaart mit einem operativen EBITDA-Ziel von 1,35 Mrd. Euro (= + 8 % gegenüber „neutralem Basisszenario“ von 2021).

Da dieses Jahr nach den Eurofins-Prognosen aber keinerlei Corona-Aktivitätseffekte mehr beinhalten dürfte, dass Vorjahr 2021 hingegen noch immer positive Beiträge hieraus, würde dies bedeuten, dass sich in 2022 im Endeffekt durchaus ein einmaliger Umsatz- und Gewinndruck für Eurofins einstellen könnte, der aktuell jedoch noch kaum quantifizierbar ist (auch weil Eurofins nach corona-bedingt in 2020 und 2021 zurückgestellten Akquisitionsaktivitäten diese in 2022 ankündigungsgemäß im Falle eines gänzlich corona-freien Umfelds umgekehrt wieder forcierter aufnehmen wird).

 

Langfristige Gewinnperspektiven und Aktieneinschätzung

 

In der Gesamtbetrachtung von Ende 2019 bis Ende 2022 dürfte Eurofins als aktuell weltführendem Entwickler von Corona-Testverfahren und -Kits somit eine exzellente Ergebnisentwicklung beschert sein, die unseres Erachtens deutlich über die aktuellen Analystenkonsensschätzungen einer insgesamt nur 24 %igen Umsatzausweitung sowie eines „nur“ 140 %igen Nettogewinnanstiegs hinausgehen dürfte.

Zu diesen möglichen ausgeprägten Umsatz- und Gewinnüberraschungen dürften auch weitere künftige vielfältige, bereits angekündigte hoch innovative Entwicklungen insbesondere im Bereich medizinischer Testverfahren beitragen, so z.B. künftige Anpassungserweiterungen der jetzigen Corona-Tests auch auf andere Atemwegserkrankungen oder selbst auch klassische Grippe-Tests, die aktuelle Testentwicklung für Abwehrkapazitäten aller Virenarten durch Atemschutzmasken, die derzeitige Entwicklung eines erstmals auch von zu Hause aus privat durchführbaren Corona- 24 Stunden-Schnelltests durch minimalinvasive Nutzung eines Nasentupfers oder auch die künftige weitere Entwicklung von Analyse- und Auswertungsverfahren im Bereich von Antikörper-, forensischen Speichel-, ökologischen Abwasser- oder auch im Bereich anzahlmäßiger ganzer Massengruppen-Testungen (sog. „pooled testing“).

Selbst auf Basis der somit aktuell noch als sehr zurückhaltend und konservativ einzustufenden Analysten-Konsensschätzungen ergeben sich jedoch aktuell noch immer Aktien-KGVs (2020 - 2022e) von nur 39 / 32 / 27. Wir stufen die aus unserer Sicht derzeit damit weiterhin unterbewertete Aktie selbst auch für konservative Anleger nach wie vor als kaufenswert ein, und behalten die Positionen in unserem Strategiedepot AKTIEN KONSERVATV wie auch Themendepot ZUKUNFTSTECHNOLOGIEN selbstverständlich auch weiterhin unverändert bei.

 

Chart: EUROFINS SCIENTIFIC gegen MSCI WORLD (Euro) - Index

 

 

23.10.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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