Die Wall Street Banken müssen mehr Wachstum liefern
Citigroup und Wells Fargo enttäuschen - Einmaleffekte und zu geringes Wachstum belasten
Die Erwartungen an die Wall Street Banken waren im Vorfeld sehr hoch und auch in die Kurse eingepreist. Viele Grossbanken enttäuschten jedoch, wobei unterscheiden muss zwischen Einmaleffekten und strukturellen Baustellen, die dringend behoben werden müssen. Ohne Zweifel hat die Tonart an der Wall Street aber nun auf Moll gewechselt.
Der Rückzug aus Russland hat der Citigroup (US1729674242) das Quartal vermasselt. Die Bank verzeichnete einen Verlust nach Steuern in Höhe von -1,1 Mrd. US-Dollar aus dem Verkauf der restlichen Geschäftsteile, von denen man sich noch nicht getrennt hatte. Verbucht wurde das Ganze als „sonstiger Umsatz“, weswegen der Umsatz „nur“ bei 19,9 Mrd. US-Dollar statt 21,0 Mrd. US-Dollar gelegen hat. Eine Wunde, die sich bis zum Ende der Gewinn- und Verlustrechnung hält. Statt des erwarteten Gewinns im 4. Quartal von 3,6 Mrd. US-Dollar blieben nur 2,5 Mrd. US-Dollar stehen.
Die Bewertung der Aktien spiegelt das schwache Quartal wider. Schon vor dem Bericht setzten Gewinnmitnahmen ein und haben die Aktien der Citigroup auf rund 111 US-Dollar nach unten gezogen. Der aktuelle Buchwert liegt bei 110 US-Dollar (+9 %), also ein Kurs- / Buch-Verhältnis von rund 1,0. Zum Vergleich: JPMorgan Chase (US46625H1005), die Nr. 1 an der Wall Street, wird mit einem KBV von 2,4 gehandelt. Kurse von mehr als 260 US-Dollar würden der Citigroup also ohne Probleme gewährt, wenn man so stark performen würde wie JPMorgan. Davon ist man derzeit noch weit entfernt mit einem Umsatzwachstum von 2 % im 4. Quartal und 6 % im Gesamtjahr. Und die Erwartungen für das laufende Jahr sind auch verhalten, mit einem prognostizierten Umsatzwachstum von knapp unter 5 %. Fakt ist: Die Citigroup muss mehr Wachstum liefern.
Wall Street Banken müssen mehr Wachstum liefern
Wells Fargo (US9497461015) wird von einmaligen Kosten nach unten gezogen. Dahinter stehen unter anderem Abfindungskosten für Mitarbeiter, die entlassen wurden. Das ist kein neuer Trend, sondern die Bank hat seit 2022 konsequent die Zahl der Gesamtmitarbeiter reduziert. 2021 hatte man mit fast 270.000 Mitarbeitern die meisten unter allen grossen Wall Street Banken. Aktuell liegt die Zahl bei fast nur noch 200.000 Mitarbeitern, womit man die Grossbank ist, die am wenigsten Mitarbeiter hat. Führend bei dieser Kennzahl ist derzeit mit weitem Abstand JPMorgan Chase, die mit knapp 320.000 Mitarbeitern rund 100.000 Mitarbeiter mehr beschäftigt als die anderen Konkurrenten im Durchschnitt. Die Verschlankung von Wells Fargo kostet aber selbstverständlich kurzfristig Geld, wird aber mittelfristig die Profitabilität deutlich steigern, da man weniger Fixkosten bewältigen muss. Konkret: Allein im 4. Quartal musste Wells Fargo 612 Mio. US-Dollar für Abfindungen auszahlen, was direkt das Ergebnis belastete.
Ein Gewinnanstieg um 5,5 % ist enttäuschend. Man muss bedenken, dass die US-Wirtschaft sich derzeit noch in einer ausgezeichneten Verfassung befindet. Da müssen mehr als 5 % Wachstum beim Ergebnis möglich sein. Ohne die einmaligen Abfindungskosten reden wir über ein Gewinnwachstum von 17,6 %, und da wird es dann schon interessanter. Um dieses Argument zu schlucken, hätte jedoch die Umsatzentwicklung deutlich besser sein müssen. Wells Fargo unterliegt keiner künstlichen Begrenzung der Bilanzgrösse durch die Federal Reserve mehr, weswegen es keine Ausreden gibt, dass nicht genug Neugeschäft an Land gezogen werden konnte. Mit 21,3 Mrd. US-Dollar schnitt man nicht schlecht ab, aber ein Wachstum von 4 % im Jahresvergleich ist nicht genug. CEO Scharf hat den Laden ohne Zweifel bereinigt und wieder auf Kurs gebracht. Schaut man sich jedoch das schwache Wachstum an, dann wird es Zeit für einen neuen, hungrigen CEO.
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16.01.2026 - Mikey Fritz

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