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HOYA: Quartalszahlen leicht über Erwartungen

Problemfeld "Life Care" langsam stabiler

 

Der weltmarktführende Hersteller diverser optischer Instrumente für den industriellen wie auch medizintechnischen Anwendungsbereich, die 1941 gegründete und in Tokio ansässige japanische HOYA CORP. (JP3837800006), gab heute ihre Ergebniszahlen zum 1. Geschäftsjahresquartal 2019/20 (per 30.06.) bekannt.

Erwartungsgemäß wurde dabei die Ergebnisentwicklung spürbar von den Effekten der Corona-Pandemieausbreitung belastet, auch wenn insbesondere im Bereich der Gewinnzahlen die deutlich skeptischeren Analystenerwartungen übertroffen werden konnten.

Die Aktie legte daraufhin nach Veröffentlichung der Resultate im heutigen japanischen Börsenhandel leicht um + 1,3 % auf 10.630 JPY zu.

Da der Titel bereits seit langem eine erfolgreiche Bestandsposition unseres Strategiedepots VERMÖGENSSTREUUNG ist (Performance in Euro + 35 % seit Einstand am 02.05.2019) unterziehen wir die heutige Ergebnisvorlage einer detaillierteren Analyse.

 

Chart: Hoya Corp. gegen MSCI WORLD – Index (jeweils in Euro)

 

Chart: HOYA gegen MSCI WORLD - Index

 

Geschäftsprofil

 

Grundsätzlich verfügt die japanische HOYA CORP. als ein weltweit sehr ausgewogen agierender Produzent eines breitesten Spektrums sowohl industrieller wie medizintechnischer optoelektronischer Geräte über ein hochgradig diversifiziertes Produktangebotsspektrum, welches dem Konzern bereits seit Jahrzehnten ein insgesamt sehr stabiles Ertragswachstum gewährleistet.

So werden im mit 65 % Konzernumsatzanteil weit größten, medizintechnischen Bereich „Life Care“ vor allem Brillengläser, Kontaktlinsen, selbst auch künstliche Augenlinsen (Intraokularlinsen), Endoskope für Augen-, Kiefer- und Organanalysen sowie orthopädische Keramik-/Titan-Prothesen und -Implantate hergestellt.

Die mit 35 % Umsatzanteil dagegen kleinere, industrieelektronisch orientierte Division „Information and Communication“ produziert dagegen unter anderem optische Kamera- und Mikroskoplinsen wie auch Linsenmodule für Smartphone- und Digitalkameras, Lasergeräte aller Art, abschirmungs- oder bündelungsgenaueste Fotolicht- und Strahlungsfilter z.B. für die ultrahochfrequente UV-Lithographie von Halbleitern (mit ASML als wichtigstem Kunden), Maskenrohlinge und Fotomasken zur Halbleiterherstellung, bilderzeugende Flüssigkristall-Basisplatten in LCD-Panels von Flachbildschirmen, PC-Monitoren und Smartphones sowie Glassubstrate für PC-Festplatten.

Der Absatz dieses reichhaltigen Produktspektrums erfolgt dabei weltweit, wobei die Konzernumsätze aktuell zu rd. 29 % auf Japan, 34 % den übrigen asiatisch-pazifischen Raum, 20 % Europa und 17 % die USA entfallen. Bereits 75 % dieses gesamten Angebotssortiments wird dabei mittlerweile im Ausland produziert, nur noch 25 % in Japan selbst.

Da die Hoya Corp. in insgesamt 85 % ihres reichhaltigen Produktspektrums zudem nach eigenem Bekunden auch noch die Weltmarktpositionen 1 oder 2 einnimmt (konkret die Segmente Halbeitermasken, LCD-Photomasken, Festplatten-Glassubstrate, Kameralinsen, Intraokularlinsen, Brillengläser, Kontaktlinsen, medizinische Endoskope und künstliche Knochen) hätte man zunächst eigentlich vordergründig davon ausgehen können, dass die Hoya Corp. in dieser vielfältigen und zudem mehrfach weltdominierenden Ausrichtung gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie vermeintlich relativ immun wäre.

 

Ergebnis 1. Quartal 2020/21 und Ausblick auf nächstes Quartal

 

Dem war jedoch im 1. Quartal 2020/21 nun definitiv nicht so, und deckte sich auch vollauf mit entsprechenden vorherigen Unternehmensankündigungen, dass die Corona-Pandemie doch in vielen ihrer Produktions- und Absatzfelder deutlich negative Spuren hinterlassen habe.

Somit wurde für das zurückliegende Quartal nun ein doch recht herber Umsatzrückgang um - 22 % gegenüber dem Vorjahr ausgewiesen, was die vorherigen Analystenprognosen auch im Großen und Ganzen deckte.

Der gleichzeitige nur - 14 %ige Rückgang des Gewinns vor Steuern (der in dieser Krisenphase sogar eine Ausweitung der entsprechenden operativen Marge von 26,3 % auf 29,2 % bewirkte) wie auch der ebenfalls nur - 15 %ige Rückgang des Nettogewinns übertraf jedoch die skeptischeren Analystenerwartungen erfreulich stark, und war nach Konzernangaben vor allem einem überaus konsequenten Kostenmanagement im Zuge der Corona-Ausbreitung zuzuschreiben.

Besonders bemerkenswert ist bei genauerer Betrachtung der Ergebnisentwicklung des 1. Quartals jedoch, dass es entgegen vermeintlich anzunehmender Plausibilität nun nicht etwa das industrielle Segment „Information and Communication“ war, welches umsatz- bzw. gewinnseitig im abgelaufenen Quartal unter die Räder geriet (sondern die Umsätze und Gewinne konnten hier sogar noch mit leicht einstelligen Pluszeichen zulegen), sondern dass es sogar einzig und allein die vermeintlich gewinnstabilere, große DivisionLife Care“ war, in der die Umsätze und Gewinne im zurückliegenden Quartal massiv abstürzten.

So brach die Umsatzerzielung dieser Division gegenüber dem Vorjahr gleich um - 34 % ein, was hier sogar einen noch stärkeren Rückgang des Konzerngewinns vor Steuern um - 40 % nach sich zog.

Die herben Gewinneinbußen der Division „Life Care“ erfassten dabei vor allem die Untersparte der Optiker-Produkte (also Brillengläser und Kontaktlinsen), deren Betriebsgewinn ggü. Vorjahr um - 38 % einbrach. Zumindest ein wenig unbeschadeter kam dagegen die zweite Subdivision medizintechnischer Ausstattungen (vor allem Intraokularlinsen, Endoskope und orthopädische Prothesen) durch die Krise, wo jedoch der Betriebsgewinn ebenfalls deutlich um - 23 % nachgab. Der Absatz von Optikerprodukten litt dabei nach Angaben des Konzernvorstands vor allem unter mehrwöchigen Lockdown-Schließungen von über 40 % der traditionellen Verkaufsgeschäfte der Hoya Corp. . Dagegen resultierten die Ergebniseinbrüche medizintechnischer Chirurgieausstattungen sowohl aus Corona-bedingten Zugangsrestriktionen zu Hospitälern wie aber auch darüber hinaus reihenweisen zeitlichen Verschiebungen nicht akut überlebensnotwendiger Operationen (worunter ebenfalls auch naturgemäß die für Hoya relevantesten Bereiche der Augenheilkunde und Orthopädie fallen).

Das einzige Teilsegment der Division „Information und Kommunikation“, dessen Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal ebenfalls stark einbrach, war hingegen der Absatz von Fotokamera-Linsen (Betriebsgewinn: - 33 %), der natürlich massiv unter den gravierenden Tourismus-Einschränkungen während der Pandemieausbreitung litt.

Alle verbleibenden Absatzbereiche von Hoya mit Bezug insbesondere zur internationalen Halbleiter- und Konsumelektronikindustrie wiesen hingegen im 1. Quartal 2020/21 weiterhin eine sehr stabile Geschäftslage auf.

Für das laufende 2. Quartal 2020/21 (per 30.09.) prognostiziert der Konzernvorstand nun eine gewisse Geschäftserholung gegenüber dem Vorquartal, und zwar im Umsatz um + 24 %, auf der Ebene des Konzernnettogewinns jedoch nur um + 9 %. Bezogen auf das gesamte 1. Halbjahr 2020/21 (01.04. - 30.09.20) dürfte sich damit rechnerisch sowohl der Umsatz wie auch der Nettogewinn um jeweils rd. - 17 % gegenüber dem Vorjahr abschwächen.

Im Einzelnen geht der Vorstand dabei von einer mit Lockdown-Aufhebungen nunmehr zunehmend einsetzenden Geschäftsbelebung in allen medizintechnischen und Optikerausstattungs-Bereichen aus, während jedoch die Absatzlage von Fotokameralinsen (im Unterschied zu Smartphone-Kameramodulen) zumindest bis in 2021 hinein weiter sehr schwierig bleiben dürfte.

 

Aktienbewertung und Anlageurteil

 

Trotz ihres grundsätzlich und ohne Frage auch langfristig sehr ertragsstabilen, weltführenden industrie- und medizintechnischen Produktprofils haben unterschiedlichste Geschäftsbeeinträchtigungen im Zuge der Corona-Pandemie (insbesondere in den Segmenten Optikerprodukte, medizintechnische Ausstattungen und Kameralinsen) dafür gesorgt, dass bei Hoya Corp. die gesamte Umsatz- und Gewinnentwicklung im 1. Quartal 2020/21 doch empfindlich belastet wurde.

Ab dem jetzt laufenden 2. Quartal dürfte sich die Geschäfts- und Profitabilitätslage des Gesamtkonzerns nach Erwartungen des Vorstands jedoch schrittweise immer stärker aufhellen.

Nach Bewältigung der Corona-Pandemie ist der Konzernvorstand überzeugt davon, wieder hoch stabil an die historisch üblichen zweistelligen Gewinnwachstumsraten anknüpfen zu können und in einzelnen Teilbereichen künftig sogar durch neue Produktentwicklungen von der Corona-Pandemie profitieren zu können (z.B. im Bereich der Herstellung von Lungenendoskopen oder Linsenherstellung für neuartige, infektionsdiagnostizierende Wärmebildkameras).

Die aktuelle Konsensschätzung der Analysten, dass sich bis zum Geschäftsjahresschluss 2020/21 (per 31.03.2021) bei einer nur noch ca. - 4 %igen Umsatzabschwächung gegenüber dem Vorjahr gleichzeitig eine nahezu völlig unveränderte Reingewinnerzielung der Hoya Corp. einstellen könnte, erscheint uns daher durchaus realisierbar.

Gleiches gilt in jedem Fall auch für die längerfristigen Prognosen, in denen die Analysten vom 31.03.2021 - 31.03.2023 aktuell von einem 21 %-igen Umsatzwachstum, gepaart mit einer 45 %-igen Nettogewinnausweitung ausgehen.

Basierend auf diesen Kalkulationen würde sich auf dem jetzigen Aktienkursniveau (10630 JPY) per Ende 2021/22 nur noch ein Aktien-KGV von rd. 27 sowie per Ende 2022/23 von rd. 24 einstellen. Auf dieser überschaubaren KGV-Bewertungsbasis sehen wir in der Aktie längerfristig in jedem Fall weiteres Kurspotenzial und empfehlen den Titel, selbst auch konservativen Anlegern, weiterhin zum Kauf. Die Position in unserem Strategiedepot VERMÖGENSSTREUUNG behalten wir selbstverständlich ebenfalls unverändert bei.

 

28.07.2020 - Matthias Reiner - mr@ntg24.de

 









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