Kursrutsch bei Barry Callebaut
Barry Callebaut muss den Absatz steigern, um den Preisverfall zu kompensieren
Die Kakaopreise am Terminmarkt kollabieren, doch die Käufer reagieren noch nicht, da die letzten Jahre sie zur Zurückhaltung konditioniert haben. Die Aufgabe von Barry Callebaut ist es nun, die Schokolade wieder an dem Mann zu bringen, damit die Absatzmengen zu steigen beginnen.
Barry Callebaut (CH0009002962) findet sich derzeit in einer Lose-Lose-Situation wieder. Die hohen Kakaopreise haben in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass die Käufer sich immer stärker bei ihrer Nachfrage eingeschränkt haben und auf Alternativen ausgewichen sind. Bis dato konnte sich das Unternehmen noch dadurch hochhalten, dass die Preise für Kakao hoch waren, wenngleich die Absatzmenge schrumpfte. Jetzt befinden sich die Kakaopreise im freien Fall (-61 %), aber die Nachfrage kommt nur zögerlich zurück, weil die Käufer aus der Hochpreisphase heraus konditioniert wurden, weniger zu verbrauchen. Die Nachfrage und damit der Absatz wird in Zukunft wieder steigen, aber es gibt einen zeitlichen Versatz, der nun zu einer Lücke für Barry Callebaut führt.
Der Absatz gab in den ersten sechs Monaten satte -7 % nach. Man setzte 1,01 Millionen Tonnen ab, gegenüber 1,09 Millionen Tonnen in der Vorjahresperiode. Rechnet man die Wechselkursverluste heraus, ergibt sich ein Umsatzrückgang um -3,7 %. Oder anders gesagt: Man verzögerte gegenüber der Kundschaft die Weitergabe der gefallenen Preise etwas und dämpfte damit den stärkeren Rückgang der Absatzmenge. Das ist keine gute Strategie. Das Unternehmen muss die Nachfrage bei der Kundschaft ankurbeln und das geht nur, indem man aktiv mit niedrigeren Preisen auf sie zugeht. Inklusive der Wechselkursverluste erlitt man einen Umsatzrückgang um -7 % im 1. Halbjahr auf nun 6,75 Mrd. Franken. Wichtig ist auch, die veränderte Absatzprognose zu beachten. Man wurde nun konkret und sieht für das Gesamtjahr einen Absatzrückgang zwischen -1 % und -3 %. Das wäre ein positives Signal, zumal man vor drei Monaten noch einen höheren Rückgang in den Raum gestellt hatte.
Kakaopreise taumeln und der Kurs von Barry Callebaut auch
Das Ergebnis konnte man im Wesentlichen halten. Operativ blieb man leicht unter der Vorjahresperiode, da sich Gourmet am Terminmarkt mit einer Long-Positionierung verspekuliert hat. Vor Steuern stieg das Ergebnis um 18 % auf 117 Mio. Franken. Nach Steuern eine deutliche Erholung um 192 % auf 89,1 Mio. Franken. Die Geschäftsführung gibt den „bereinigten“ Gewinn mit 108,9 Mio. Franken an. Viel entscheidender ist der freie Cashflow, der sich kaum „schönen“ lässt. Dieser lag in der Vorjahresperiode bei einem Abfluss von -2,11 Mrd. Franken. In diesem Jahr konnte man in den ersten sechs Monaten 802 Mio. Franken Cash generieren. Das ist eine sehr solide und beruhigende Zahl. Anders formuliert:
Barry Callebaut ist solide positioniert, aber die Börse will auch Wachstum für die hohe Unternehmensbewertung sehen. Die Krise überstanden zu haben, ist das eine. Um den Kurs zu treiben, muss der neue CEO sich und sein Team stärker engagieren. Man führt an, dass es in Nordamerika durch die temporäre Schliessung des Werkes St. Hyacinthe in Kanada zu Lieferengpässen kam. Das ist richtig und ich hatte Sie darüber informiert. Fakt ist aber auch, dass man Werke so zu warten hat, dass es keine längeren Ausfallzeiten gibt, und Lieferketten müssen so ausgestaltet sein, dass es Alternativen gibt. Ein Spitzenmanagement ist auf solche Situationen vorbereitet und muss sich nicht nachträglich entschuldigen.
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17.04.2026 - Mikey Fritz

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