Luxusaktien im Abseits an der Börse
LVMH enttäuscht und wirft einen dunklen Schatten auf die Branche und das 1. Halbjahr
Bei den Luxusaktien ist die Luft wieder raus. Nach einem starken Run im vergangenen Jahr lässt die Börse aktuell heisse Luft aus den Bewertungen. Allen voran bei LVMH, die mit ihrem Bericht zum 1. Quartal einen dunklen Schatten auf die Branche und das 1. Halbjahr werfen.
LVMH (FR0000121014) bekommt keine Traktion. Die Lage ist unverändert schwach. Auf „bereinigter“ Basis konnte man im 1. Quartal den Umsatz marginal um 1 % verbessern, aber die Wahrheit ist etwas anders gelagert. Nicht nur blieb erneut Wachstum aus, sondern auch die Wechselkurse liefen ein weiteres Mal gegen den französischen Luxuskonzern. Man verlor im März-Quartal -6 % des Umsatzes und verabschiedete sich damit auch von der 20 vor dem Komma. Unter dem Strich ein Umsatz von 19,1 Mrd. Euro, wobei die Börse vor allem auf die Flaggschiffsparte Fashion & Leather Goods schaute. Hier war mindestens eine Stagnation erwartet worden, doch selbst auf „bereinigter“ Basis schrumpfte der Umsatz der grössten Sparte (Umsatzanteil 48 %) um -2 %. Der echte Umsatzrückgang betrug -9 %. Das Management betonte die Fortschritte, die man gemacht hat, aber wenn am Ende kein Wachstum dabei herauskommt, ist es kein echter Erfolg, und LVMH schaffte es im 1. Quartal in keiner Sparte eine Stagnation oder gar ein Wachstum hinzubekommen.
Die Aktien von Kering (FR0000121485) sind direkt vor dem Quartalsbericht für einen Ausbruch nach oben positioniert worden. Der Kurs pendelt um die gleitende 200 Tage-Linie herum, denn die Mutter des Hauses Gucci wird am Dienstagabend nach Börsenschluss die Zahlen für das März-Quartal vorlegen. Nach einem starken Rebound im vergangenen Jahr haben die Aktien zuletzt eine Bewertungskorrektur eingelegt. Kering hat 2025 die richtigen Weichen gestellt, muss aber in diesem Jahr beweisen, dass man aus der Neupositionierung heraus auch Umsatzwachstum liefern kann. Die Erwartungen sind ausgesprochen niedrig. Für das 1. Quartal wird mit einem Umsatzrückgang um -9 % auf gut 3,5 Mrd. Euro und im Gesamtjahr 2026 mit einer Stagnation bei knapp unter 15 Mrd. Euro herum gerechnet. Bekommen wir am 14. April abends das Signal, dass Kering im laufenden Jahr 5 % und mehr wachsen will, springt der Kurs wieder über 300 Euro.
Luxusaktien im Abseits an der Börse
Aufgrund des verschobenen Geschäftsjahres werden wir von Richemont (CH0210483332) erst Ende Mai wieder etwas hören. Das Fiskaljahr 2026 endete am 31. März, weswegen wir dann am 22. Mai den Jahresabschlussbericht erhalten werden. Richemont hat im Kern das, was sich die Börse von Kering wünscht: Ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Zuletzt im Dezember-Quartal +4 % (+11 % währungsbereinigt), wobei der Vertrieb auf dem amerikanischen Kontinent, in Japan und dem Nahen Osten (+Afrika) besonders stark lief. Die Sorge beginnt nun aber zu steigen, dass die Wachstumsrate zu sinken beginnt. Die Richemont Aktie wird daher in Sympathie auf die Zahlen von LVMH und Kering reagieren. Erst wenn sich eine Aufhellung der Nachfrage abzeichnet, springt der Richemont Kurs wieder über 170 Franken. Da LVMH enttäuschte, bleibt auch Richemont im breiten Seitwärtstrend gefangen, den man seit Anfang 2024 aufbaut.
Ausser Konkurrenz läuft Shiseido (JP3351600006). Die Aktien haben wir als Turnaround-Spekulation gekauft, was ausgezeichnet funktioniert hat. Die Japaner hatten so lange enttäuscht, dass kaum noch jemand sie beachtet hatte. Im vergangenen Jahr konnte man jedoch die „bereinigte“ Profitabilität erheblich um mehr als ein Fünftel steigern, obwohl der Umsatz marginal um -2 % sank. Man will in diesem Jahr leicht wachsen (ca. 2 %) und gleichzeitig die „bereinigte“ Profitabilität erheblich um 55 % steigern und auch den Gewinn nach Steuern ins Plus drehen. Der Dreh hatte die Short-Seller überrascht. Um die Aktien durch Anschlusskäufe weiter voranzubringen, muss Shiseido jedoch echtes Umsatzwachstum zeigen, was eine deutlich grössere Herausforderung wird.
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14.04.2026 - Mikey Fritz

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