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Merck: Reicht die Kraft?

Schuldenabbau erst mal im Vordergrund

 

Der deutsche Pharmahersteller Merck bleibt mit Blick auf die nächsten Jahre optimistisch. Er nutzte seinen aktuellen Kapitalmarkttag dazu, noch einmal die strategischen Leitlinien für das Unternehmen in diesem und in den kommenden zwei Jahren aufzuzeigen.

 

Merck will erst einmal Schulden abbauen

 

Dabei geht es auch um die Frage, welche Expansionsstrategie das Unternehmen in den kommenden Jahren verfolgen will. So erklärte das Darmstädter Unternehmen, dass man im nächsten Jahr zuerst einmal den Abbau von Schulden in Angriff nehmen will. Aktuell lasten auf dem Bilanz rund 9,2 Milliarden Euro langfristige Schulden und knapp 5 Milliarden Euro kurzfristige Schulden. Bei der in dieser Rubrik wichtigen Kennzahl Nettoverschuldung zu EBITDA liegt Merck zwar aktuell nur beim 2,8fachen, was durchaus o. k. ist. Tendenziell machen sich Anleiheninvestoren aber schon ab dem 3,0fachen etwas mehr Sorgen.

Dass sich Merck im kommenden Jahr vor allen Dingen auf die Schulden-Problematik konzentrieren will, ist auch nachvollziehbar. Denn in 2022 werden rund 2,7 Milliarden Euro an Anleihen und Laufzeitkrediten fällig. Hier sollte man sicherlich vorarbeiten, da ab 2022 Merck selbst wieder ins Auge fasst, auch durch Akquisitionen zu wachsen. Diese dürften dann wohl nach Möglichkeit zu einem guten Teil fremdfinanziert werden. Zumindest würde das angesichts des wohl auch dann niedrigen Zinsumfeldes Sinn ergeben.

 

Weitere Übernahmen geplant

 

Merck selbst schließt zwar nicht aus, dass man ab 2022 auch größere Übernahmen wieder ins Visier nimmt. Eigentlich will man allerdings eher kleinere bis mittlere Übernahmen zur Ergänzung bestehender Geschäfte anvisieren. Über alldem steht die Prognose, im Pharmabereich in zwei Jahren rund 2 Milliarden Euro mehr Umsatz durch neue Produkte machen zu wollen. Diese Sparte trägt derzeit rund 6,7 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz bei. Das entspricht rund 42 %.

Und noch ein Detail: Denn die aktuellen Prognosen für das Gesamtjahr werden ebenfalls nochmals bestätigt. Merck peilt hier für das Gesamtjahr einen Umsatz zwischen 16,9 und 17,7 Milliarden Euro an. Der Analystenkonsens bei FactSet liegt derzeit bei 17,3 Milliarden Euro. Beim EBITDA will das Unternehmen zwischen 4,45 und 4,85 Milliarden Euro verdienen. Der Konsens geht derzeit von 4,63 Milliarden Euro aus.

 

Schafft die Aktie ein neues Hoch?

 

Fazit: Insgesamt liefert Merck mit diesen neuen bzw. bestätigten Einschätzungen durchaus noch weiteres Futter für die Aktie. Diese hatte sich in den vergangenen Monaten auch von ihrem Corona-Tief komplett erholen können und steht nun wieder Nähe des bisherigen Allzeithoch bei 120,60 Euro. Die spannende Frage ist, ob die neuen Einschätzungen nun ausreichen, um nicht nur das alte Hoch wieder einzustellen, sondern auch einen Ausbruch nach oben zu schaffen. In der jetzigen Börsensituation ist das sicherlich ein wenig Geduldsspiel. Wer investiert ist, sollte es in diesem Szenario vorerst bleiben. Neue Käufe sehen wir allerdings erst als interessant an, wenn tatsächlich ein Break erfolgt ist.

 

 

16.09.2020 - Carsten Müller - cm@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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