Micron stürzt weiter, Nvidia sichert sich Speicher bei SK Hynix und SpaceX tritt in den Vordergrund
Die Börsen kämpfen mit teils deutlichen Rücksetzern
Die Börsen schlugen sich zuletzt trotz diverser Krisen recht wacker und es gab immer mal wieder neue Rekorde zu bewundern. Die Hausse bei Halbleiter-Aktien tröstete über eine noch immer schwache Konjunktur sowie neue Zinssorgen eine Weile lang hinweg. Damit scheint es sich aber erledigt zu haben. Schon seit Wochenbeginn sind Gewinnmitnahmen zu beobachten, die am Mittwoch noch einmal an Tempo aufnahmen.
Schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde unter anderem die Aktie von Micron (US5951121038), die es um 4,7 Prozent auf 891,88 US-Dollar trieb. Die Verkäufe nehmen eine ganz neue Dynamik an. Mit jedem weiteren Abschlag werden umso mehr Anteilseigner dazu animiert, ihre Schäfchen noch ins Trockene zu bringen. Der Abstand zum Allzeit-Hoch bei 1.089,29 Dollar fällt mittlerweile sehr deutlich aus und die Bullen gehen in Deckung.
Einen greifbaren Grund dafür, dass die Korrektur gerade jetzt stattfindet, scheint es nicht zu geben. Natürlich ist Micron, ebenso wie viele andere Halbleiterkonzerne, bei der Bewertung der fundamentalen Entwicklung längst enteilt. Nur störte dies in der vergangenen Woche auch niemanden. Letztlich war es aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis auf die Rallye Gewinnmitnahmen verbunden mit einer Neubewertung folgen würden.
Nvidia sorgt für Planungssicherheit
Zumindest ein wenig könnte Nvidia (US67066G1040) mitverantwortlich für die schlechtere Stimmung sein. Der Chiphersteller hat eine neue Partnerschaft mit dem südkoreanischen Speicherhersteller SK Hynix (KR7000660001) geschmiedet. Zusammen sollen Speicherchips sowohl für KI-Supercomputer als auch RTX Spark-PCs und Robotik-Anwendungen entwickelt werden. Ob es sich dabei um exklusive Produkte handelt, wurde nicht weiter thematisiert. Nvidia dürfte sich aufgrund der Speicherkrise aber vor allem Kapazitäten sichern wollen.
Das ist gut für Nvidia, hilft der Aktie aber auch nicht weiter. Die schlechte Stimmung trieb den Aktienkurs gestern um 3,7 Prozent auf 200,42 Dollar zurück. Es scheint sich eine allgemeine Sorge darum breitzumachen, dass die Bewertungen im Segment mittlerweile etwas über das Ziel hinausgeschossen sein können. Schließlich ist bereits absehbar, dass die Bilanzen nicht ewig im gleichen Tempo wie in den letzten beiden Jahren ansteigen können. Auch hier ist das Allzeit-Hoch erst einmal ein ganzes Stück in die Ferne gerückt.
SK Hynix findet keinen Halt
Für SK Hynix ist die Partnerschaft mit Nvidia im Prinzip ebenfalls eine gute Nachricht. Das Unternehmen kann sich noch sicherer sein, seine Speicherbausteine über längere Zeiträume mit sehr wahrscheinlich üppigen Margen loszubekommen. Allerdings tilgt das Ganze auch ein bisschen die Fantasie an der Börse. Durch mehr Planungssicherheit gehen die Vorstellungen der künftigen Preisentwicklungen wieder etwas zurück. Dem passt die Aktie sich an, welche gestern um 7,5 Prozent auf noch 2,05 Millionen Won zurücksetzte.
Manch einer spricht sogar schon davon, dass bei den Margen im Speichersegment mittlerweile der Höhepunkt überschritten sein könnte. SK Hynix und Co. werden zwar dennoch fürstlich verdienen. Genommen wird den Börsianern aber die Aussicht darauf, dass Preise und Margen noch weiter ansteigen könnten. Derzeit in Entstehung befindliche Kapazitäten könnten den Preisdruck in ein oder zwei Jahren auch wieder merklich reduzieren.
SpaceX zieht die Aufmerksamkeit auf sich
Ebenfalls ein Faktor bei den laufenden Korrekturen könnte der morgige Börsenstart von SpaceX (US84615Q1031) sein. Das Interesse scheint hoch auszufallen. 75 Milliarden Dollar will der Musk-Konzern mit seinem IPO einnehmen, und dieses Geld muss irgendwo herkommen. Vermutet wird an den Handelsplätzen nun, dass mancher Großinvestor Kapital aus anderen Titeln abzieht und zu SpaceX umzuschichten gedenkt. Daraus entstandene Verkäufe könnten durchaus ein Faktor bei den gestrigen Verlusten gewesen sein.
Ob SpaceX die hohen Erwartungen auch erreichen können wird, das muss sich erst noch zeigen. Schon beim Ausgabepreis von 135 Dollar ist die Aktie keine günstige Angelegenheit, und die Käufer erhalten auch noch kaum Mitspracherecht. Getragen wird das Ganze momentan noch von viel Fantasie. Dass solche auch schnell mal verfliegen kann, das bekamen Anleger aber in der jüngeren Vergangenheit schon häufiger zu sehen. Es bahnt sich zwar ein Börsengang mit mehreren Rekorden an. Wie es danach weitergehen mag, steht jedoch in den Sternen.
Kritischer Zeitpunkt?
Ein wenig könnte das IPO von SpaceX auch als Gradmesser für geplante Börsengänge von KI-Giganten wie Anthropic und OpenAI gelten. Die Bewertungen solcher Unternehmen liegen in astronomischen Höhen und dementsprechend wird mit Unsummen bei den IPOs gerechnet. Ein wichtiger Knackpunkt könnte aber werden, ob die Märkte eben diese Summen überhaupt aufbringen können bzw. wollen. Eine steigende Marktkapitalisierung ist das eine, dabei handelt es sich um eine rein theoretische Zahl. Börsengänge hingegen wollen mit harter Währung gefüttert werden, und die ist leider endlich.
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11.06.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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