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AMC Entertainment, Gamestop und Nokia schwächer, Tesla im Fokus

Bangen über die Stabilität von Korrelationen

 

Immer wenn es zu schnellen Änderungen großer Assetklassen kommt, stellt sich die Frage, wie sich diese zueinander verhalten und ob dieses Verhalten mit jenem übereinstimmt, welches in jener Vergangenheit gezeigt wurde, in der die Daten für eine Investmententscheidung gefällt wurden. Denn in diesen ist zumindest die implizite Annahme enthalten, dass man diese Beziehung in die Zukunft fortschreiben kann. Dies gilt insbesondere für die Beziehung von Aktien und Anleihen zueinander.

Dieses Verhältnis war seit der Asienkrise 1997 nun dergestalt, dass Aktien und Anleiherenditen eine positive Korrelation gezeigt haben. Wenn also das Risiko an den Aktienmärkten steigt, flüchteten die Anleger in ,,sichere‘‘ Anleihen, die Kurse stiegen und die Renditen fielen.

Dieses Szenario wurde in den letzten Wochen herausgefordert, die beschriebene positive Korrelation von Aktien und Anleiherenditen. Dies geschah allerdings auch schon in der Vergangenheit. Schwierig wurde es immer dann, wenn die Rendite der Anleihen mit der Marktrendite des Index, beispielsweise des S&P 500, gleichzog und diesen sogar übertraf. Dies geschah in dieser Woche und wirft die Frage auf, was an den Anleihemärkten denn Neues eingepreist wird, dass den Renditeanstieg über die Aktienmarktrendite hinaus erhöht.

Der klassische Fall ist ein Anstieg der Inflationserwartungen, aber auch kriegerische Konflikte. Dabei ist erwähnenswert, dass der Einfluss der Inflationserwartungen auf das lange Ende der Zinskurve zwar eine Zeit lang durch die Notenbank beeinflusst werden kann, weshalb man rund um die Welt die Investoren regelmäßig versichert, was man bereit ist zu tun. Allerdings können die Notenbanken einen Anstieg der Preise aus Knappheitsgründen eben nicht steuern. Sollten die Preise also nicht durch eine stärkere Nachfrage, sondern durch ein sinkendes oder instabileres Angebot getrieben werden, dürften die Mittel der Geldpolitik endlich sein.

Hierauf wird wohl in den kommenden Wochen zu achten sein, die Ursachen eines möglichen Preisanstieges der Produzenten- wie Konsumentenpreise wie auch den weiteren Makrofaktoren, die das Vertrauen der Anleger in die Verankerung der Inflationserwartungen stützen. Denn irgendwann stellt sich die Frage, ob der ,,Superzyklus‘‘ langfristig fallender Renditen zu Ende geht. Sollte dies allerdings geschehen, stellen sich nicht nur neue Fragen zu der Korrelation von Aktien und Anleihen! Es wird also spannend bleiben.

An den Aktienmärkten blieben aber auch neben diesen Makroereignissen firmenspezifische Impulse preistreibend.

Irgendwo zwischen Sentiment und Firmenimpuls lässt sich die Wiederauferstehung der Dynamik der Reddit-Crowd ,,WallStreetBets‘‘ verorten. Sie griff in dieser Woche erneut Werte an, bei denen sie durch einen Short-Squeeze oder Gamma-Squeeze ihre Gewinne multiplizieren wollte. Ein Zielobjekt in dieser Kategorie ist die Aktie von Gamestop Corp. (US36467W1099). Nach einem ersten Angriff Ende Januar 2021 erfolgte ein zweiter in dieser Woche, jeweils ausgehend von einem Kursniveau kurz oberhalb von 40 Dollar. In der Spitze lag die Aktie dann gestern bei 184,68 Dollar, aber nur, um danach wieder abzustürzen. Heute verliert der Wert aktuell erneut 5,75 % auf 102,48 Dollar. Analysten tun sich schwer damit, diese Entwicklung zu erklären, einige verweisen darauf, dass es einfach nach dem Prinzip abliefe, bereits überbewertete Aktien an jemanden zu verkaufen, der nur das Momentum kaufe und auf noch höhere Kurse setze. Dafür braucht es eben eine Story, und die sei der ,,Squeeze‘‘ und die ,,der Aufstand der Kleinaktionäre‘‘.

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeMan wird sehen, wer die Gewinne einstreicht und wer die Verluste in dieser etwas seltsam anmutenden Entwicklung am Ende trägt. Am ,,Short Interest‘‘ alleine kann eine Kursexplosion wohl nicht mehr liegen: Betrug diese Ende Januar noch über 140 % der ausstehenden Aktien, lag der Wert gestern nach Angaben von Reuters bei 28,4 %.

Dass man mit dem Kursanstieg vorher gekaufte Aktienoptionen weit aus dem Geld kauft, diese dann im Kurs-Hype wieder verkauft, ist ein weiterer Aspekt einer möglichen Handelsstrategie. Dann allerdings sollte noch ein entsprechender Anstieg für jene Folgen, die noch nicht ,,Kasse‘‘ gemacht haben.

Ein weiterer Kandidat der Reddit-Crowd ist die Aktie von AMC Entertainment (US00165C1045). Auch diese tendiert bislang heute schwächer, aktuell um 4,83 % auf 7,89 Dollar.

Ebenfalls im Zielradar, allerdings in Europa, war die Aktie von Nokia (FI0009000681). Ende Januar war die Aktie innerhalb von 4 Tagen von 3,46 Euro auf 4,95 Euro gestiegen, aber nur, um danach ebenso schnell wieder zum alten Kurs zurückzukehren. Nach einem kleinen Sprung gestern gibt die Aktie heute aber 4,01 % auf 3,30 Euro ab. Allerdings besteht neben den kapitalmarktspezifischen Push-Faktoren wie Momentum Tradern oder Short-Squeezern auch noch eine operative Begründung für einen Anstieg. Denn sollte Nokia ein größeres Stück vom 5G-Kuchen abbekommen, wären die Finnen mit einem Forward-KGV von 18 nicht teuer.

Das kann man von Tesla (US88160R1014) leider nicht behaupten. Es war schon ein smarter Schachzug von Elon Musk, seine mediale Macht zu nutzen, um den Einstieg von Tesla in den Bitcoin-Markt zu verstärken. Und kurzzeitig saß der Konzern in dieser Woche auf einem Buchgewinn der Bitcoin-Position, die mehr Gewinn entsprach als jenem von Teslas Autogeschäft. Ist das aber die Zukunft? Und wird für solche Gewinne ein Forward-KGV von 143 bezahlt? Denn genau da liegt Teslas KGV für 2022. Für 2021 liegt es bei 224. Es wird deshalb spannend sein, das Verhalten der Aktie in der laufenden Korrektur zu beobachten, insbesondere gegenüber seinen Konkurrenten im Bereich Elektromobilität.

 

26.02.2021 - Arndt Kümpel - ak@ntg24.de

 









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