Das Nutzerwachstum bei Netflix setzt sich fort, die Gewinne steigen und bei der Bieterschlacht um Warner Bros. legt der Streamingkonzern noch einmal nach
Die Aktie von Netflix reagiert dennoch mit Verlusten
Die Übernahmeschlacht um Warner Bros. setzt sich munter fort und Netflix legte in der Angelegenheit nun ein frisches Angebot vor. Nur wenige Stunden später legte das Unternehmen auch Quartalszahlen vor, die von den Analysten sehr wohlwollend aufgenommen wurden. Doch trotz guter Nachrichten zeigen die Anteilseigner sich eher besorgt und der Kursverfall scheint in die nächste Runde zu gehen.
Klar punkten konnte Netflix (US64110L1061) mit den Nutzerzahlen. Wie das Unternehmen in einem Brief an die Aktionäre mitteilte, konnte erstmals die Marke von 325 Millionen Kunden übersprungen werden. Vor einem Jahr zählte das Unternehmen noch 301,6 Millionen Abonnenten. Seit dem vergangenen Jahr erfolgen Neuigkeiten zur Nutzerbasis nur noch sporadisch und nicht mehr zwingenderweise quartalsweise.
Aufwärts ging es bei Netflix auch an anderer Stelle. Die Umsätze stiegen im vierten Quartal um 17,6 Prozent auf etwas mehr als zwölf Milliarden US-Dollar. Davon blieben 2,4 Milliarden Dollar als Nettogewinn hängen, was einem Plus von 29 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Bei den wichtigsten Fundamentalzahlen zeichnet der Marktführer im Streamingsegment also noch immer einen klaren Aufwärtstrend, und das in einem beeindruckenden Tempo. Entsprechend angetan zeigten sich die Analysten. Auf Seiten der Anteilseigner fiel die Freude weniger ausgelassen aus, denn die Aktionäre mussten auch eine eher bittere Pille schlucken.
Netflix streicht Aktienrückkäufe
Von den ansehnlichen Gewinnen wird bei den Aktionären in Zukunft weniger ankommen. Netflix ließ wissen, Aktienrückkäufe zunächst auszusetzen. Seine Barreserven braucht das Unternehmen für die beabsichtigte Übernahme von Warner Bros., welche inklusive Schulden bei knapp 83 Milliarden Dollar liegt. Kurz vor der Vorlage der Quartalszahlen änderte Netflix sein Angebot noch einmal etwas. An der Summe ändert sich nichts und es werden weiterhin 27,75 Dollar je Aktie geboten.
Gezahlt werden soll aber nun ausschließlich in bar und nicht länger mit einem Teil eigener Aktien. Das ist nach einer längeren Abwärtsbewegung ohnehin weniger interessant geworden. Für die Warner-Bros-Aktionäre ist das neue Angebot interessanter und Netflix setzt damit auch Paramount unter Druck. Die eigenen Kassen belastet das Vorhaben allerdings umso mehr. Durchzeihen will Netflix das Ganze unbedingt, denn die starken Marken von Warner Bros. wären eine Bereicherung für das eigene Portfolio und ein echter Vorteil im Ringen mit der immer stärkeren Konkurrenz.
Aus Sicht der Börsenprofis steht und fällt die Netflix-Aktie damit, ob die Übernahme von Warner Bros. gelingen wird. Die Aussichten darauf sind derzeit nicht schlecht. Das Angebot von Paramount wurde mehrfach zurückgewiesen aufgrund von Zweifeln an der Finanzierbarkeit. Derweil scheiterte Paramount mit einer Klage, die Warner Bros. zur schnellen Vorlage von Hintergründen zwingen sollte. Netflix scheint sämtliche Trümpfe in der Hand zu haben. Offen ist allerdings noch, ob die Politik noch Einfluss nehmen könnte. US-Präsident Donald Trump kündigte vor einigen Wochen an, in der Sache mitentscheiden zu wollen. Trump würde vor allem den Sender CNN gerne in neuen Händen sehen, der beim Netflix-Deal jedoch ausgeklammert ist.
Netflix lässt sich nicht abbringen
Für seine Übernahmepläne lässt Netflix die eigenen Aktionäre ein wenig leiden. Die Streichung von Aktienrückkäufen wurde am Dienstag mit nachbörslichen Verlusten von über fünf Prozent quittiert. Damit setzt sich ein Abwärtstrend fort, welcher den Kurs in den vergangenen drei Monaten um rund 30 Prozent sinken ließ. Sollten die außerbörslichen Verluste sich im heutigen Handel materialisieren, könnte der Rückfall auf das 52-Wochen-Tief bei 82,11 Dollar anstehen. Gestern standen zu Handelsschluss noch 87,26 Dollar auf der Anzeigetafel.
Netflix geht mit seinen Übernahmeplänen ins Risiko und es dürfte Jahre dauern, bis das Vorhaben sich amortisiert hat. Gleichwohl erhält der Konzern eine einmalige Chance und es dürfte auch im Interesse der Anleger sein, dass jene nicht einfach ignoriert wird. Für den Moment könnte es bei der Aktie etwas ungemütlich werden. Im Erfolgsfall könnte aber die Basis für neue Kursrekorde in der Zukunft gelegt werden.
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21.01.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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