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Die wichtigsten Börsentermine der Woche vom 13. bis 17. Juli

US-Verbraucherpreise, Warsh-Anhörungen, Großbanken, ASML, TSMC und Netflix machen die kommende Woche zum kompakten Belastungstest für Zinsen und KI-Bewertungen

NTG24 - Die wichtigsten Börsentermine der Woche vom 13. bis 17. Juli

 

An den Börsen treffen in der kommenden Woche zwei mächtige Erzählungen direkt aufeinander. Die US-Berichtssaison soll zeigen, ob Banken, Halbleiterkonzerne und große Konsumplattformen die hohen Erwartungen rechtfertigen können. Gleichzeitig liefern Inflations-, Einzelhandels- und Industriedaten neue Argumente für die Zinspolitik. Die entscheidenden Impulse konzentrieren sich dabei ungewöhnlich stark auf die drei Handelstage von Dienstag bis Donnerstag.

Die Ausgangslage lässt wenig Raum für belanglose Ergebnisse. Der S&P 500 gewann in der vergangenen Woche rund 1,2 %, der Nasdaq legte etwa 1,7 % zu. Europäische Aktien beendeten dagegen eine vierwöchige Gewinnserie, während Technologiewerte und die wieder gestiegene geopolitische Unsicherheit belasteten. Der Ausblick auf die neue Wall-Street-Woche beschreibt damit einen Markt, der robust wirkt, aber bereits hohe Gewinn- und Wachstumserwartungen verarbeitet.

Der Montag dürfte zunächst der Positionierung dienen. Große US-Konjunkturdaten fehlen, und auch die Unternehmensagenda bleibt überschaubar. Das macht den Auftakt jedoch nicht automatisch ruhig. Bewegungen bei Öl, Anleiherenditen oder geopolitischen Schlagzeilen könnten bestimmen, mit welchem Risikobudget Anleger in den ersten wirklichen Belastungstest am Dienstag gehen.

 

Dienstag, 14. Juli: Inflation und fünf Großbanken konkurrieren um Aufmerksamkeit

 

Um 14:30 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht das US Bureau of Labor Statistics die Verbraucherpreise für Juni. Der Termin ist der wichtigste makroökonomische Datenpunkt der Woche. Entscheidend wird nicht nur die allgemeine Inflationsrate sein. Der Markt dürfte genau prüfen, wie breit sich der Preisdruck verteilt und ob höhere Energie- und Transportkosten bereits stärker in Dienstleistungen und Warenpreise durchschlagen.

Der offizielle Veröffentlichungskalender des US-Arbeitsministeriums bestätigt den Termin für Dienstag um 8:30 Uhr New Yorker Zeit. Eine Überraschung nach oben könnte Renditen und den Dollar stützen, aber hoch bewertete Wachstumsaktien belasten. Eine moderatere Entwicklung würde dagegen der Hoffnung helfen, dass die US-Notenbank trotz des jüngsten Inflationsschubs nicht schnell weiter straffen muss.

Nur anderthalb Stunden später beginnt die halbjährliche Anhörung von Fed-Chairman Kevin Warsh vor dem Repräsentantenhaus. Am Mittwoch folgt der Auftritt vor dem Bankenausschuss des Senats. Die Terminübersicht der Federal Reserve setzt beide Anhörungen jeweils auf 16:00 Uhr deutscher Zeit.

Warsh muss damit unmittelbar nach den neuen Inflationszahlen erklären, wie die Notenbank Wachstum, Ölpreisschock und Preisstabilität gewichtet. Einzelne Formulierungen zu weiteren Zinsschritten, zur Bilanzpolitik oder zur Bedeutung aktueller Energiekosten könnten die Marktreaktion auf den Verbraucherpreisbericht noch einmal verstärken oder umkehren.

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Parallel beginnt die US-Berichtssaison mit ungewöhnlicher Dichte. JPMorgan Chase (US46625H1005), Bank of America (US0605051046), Citigroup (US1729674242), Wells Fargo (US9497461015) und Goldman Sachs (US38141G1040) legen am selben Tag ihre Quartalszahlen vor. Der offizielle JPMorgan-Termin sieht die Veröffentlichung vor dem US-Handelsstart und die Telefonkonferenz um 14:30 Uhr deutscher Zeit vor. Auch Bank of America und Goldman Sachs haben ihre Ergebnisgespräche für Dienstag angesetzt.

Damit wird der Bankensektor schon vor der Inflationsreaktion zum Konjunkturbarometer. Anleger dürften weniger auf einzelne Gewinnabweichungen als auf das Gesamtbild achten: Entwickeln sich Nettozinserträge und Einlagenkosten in die gewünschte Richtung? Bleibt die Kreditqualität bei Kreditkarten, Konsumentenkrediten und Gewerbeimmobilien stabil? Und können höhere Handels- und Investmentbanking-Erträge den Kostenanstieg ausgleichen?

Die Kombination aus Bankzahlen, Verbraucherpreisen und Warsh-Anhörung macht den Dienstag zum wahrscheinlich volatilsten Tag der Woche. Ein positives Bankbild könnte von einer ungünstigen Inflationszahl überlagert werden. Umgekehrt würde ein freundlicher Preisbericht wenig helfen, falls die Institute eine deutliche Verschlechterung bei Konsumenten oder Kreditvorsorge erkennen lassen.

 

Mittwoch, 15. Juli: ASML muss die KI-Investitionen sichtbar machen

 

Für den europäischen Technologiesektor beginnt der Mittwoch mit den Quartalszahlen von ASML Holding (NL0010273215). Der niederländische Lithografie-Spezialist veröffentlicht laut seinem Finanzkalender die Resultate für das zweite Quartal.

ASML hatte für den Berichtszeitraum einen Umsatz zwischen 8,4 Mrd. und 9,0 Mrd. Euro sowie eine Bruttomarge zwischen 51 % und 52 % in Aussicht gestellt. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern Erlöse von 36 Mrd. bis 40 Mrd. Euro und eine Bruttomarge zwischen 51 % und 53 %. Diese Zielspannen wurden im Bericht zum ersten Quartal nach oben angepasst.

Ein Ergebnis innerhalb der Prognose dürfte allein nicht genügen. Entscheidend werden Auftragseingang, EUV-Nachfrage und die Aussagen der Kunden zu weiteren Kapazitätserweiterungen. Anleger wollen erkennen, ob die hohen Investitionen in KI-Rechenzentren weiterhin schnell genug bis zu den Herstellern von Lithografieanlagen durchsickern. Zusätzlich bleiben der Umsatzmix, das China-Geschäft und mögliche Exportbeschränkungen sensible Punkte.

ASML ist damit nicht nur ein Unternehmensereignis. Die Zahlen können die Wahrnehmung des gesamten europäischen Halbleitersektors verändern. Ein starker Auftragseingang würde die These stützen, dass die KI-Investitionswelle über Grafikprozessoren hinaus bei Foundries, Speicherherstellern und Ausrüstern ankommt. Enttäuschende Bestellungen könnten dagegen zeigen, dass ein Teil der erwarteten Kapazitätsausgaben bereits sehr weit vorweggenommen wurde.

Am Nachmittag folgt um 14:30 Uhr deutscher Zeit der US-Erzeugerpreisindex für Juni. Während die Verbraucherpreise den bereits sichtbaren Preisdruck messen, liefern die Erzeugerpreise Hinweise auf Kosten, die erst noch bei Unternehmen und Haushalten ankommen könnten. Das US-Veröffentlichungsprogramm für Juli bestätigt die direkte Abfolge von Verbraucherpreisen am Dienstag und Erzeugerpreisen am Mittwoch.

Zudem berichten Morgan Stanley (US6174464486), BlackRock (US09290D1019) und Johnson & Johnson (US4781601046). Morgan Stanley veröffentlicht die Ergebnisse laut Investor-Relations-Kalender vor dem US-Handelsstart. Der Konzern ergänzt damit das Bild, das die übrigen Großbanken am Vortag bei Vermögensverwaltung, Handel und Investmentbanking gezeichnet haben.

Um 20:00 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht die Federal Reserve schließlich ihr Beige Book. Der Bericht enthält keine Zinsentscheidung, kann aber Hinweise darauf geben, wie Unternehmen in den einzelnen Fed-Distrikten Nachfrage, Arbeitsmarkt, Löhne, Preise und Kreditbedingungen wahrnehmen. Nach zwei Inflationsberichten und den Aussagen von Warsh könnte das Beige Book den Mittwochabend noch einmal neu einordnen.

 

Donnerstag, 16. Juli: China, TSMC, US-Konsum und Netflix auf engem Raum

 

Der Donnerstag beginnt mit China. Erwartet werden die Wachstumszahlen für das zweite Quartal sowie neue Daten zu Industrieproduktion, Einzelhandel und Investitionen. Der Fokus liegt weniger auf einer einzelnen BIP-Zahl als auf der Zusammensetzung. Chinas Industrie und Technologiesektor haben sich zuletzt widerstandsfähiger gezeigt als der private Konsum und der Immobilienmarkt. Genau diese Lücke entscheidet darüber, ob die zweitgrößte Volkswirtschaft aus eigener Nachfrage wächst oder weiter stark von Produktion und Exporten abhängt.

Für europäische Automobilhersteller, Luxuskonzerne, Chemiewerte und Maschinenbauer sind die Aktivitätsdaten damit mindestens so relevant wie für chinesische Aktien. Schwache Einzelhandels- oder Investitionszahlen könnten neue Stimulushoffnungen auslösen, würden aber zugleich das Bild einer ungleichmäßigen Erholung bestätigen.

Fast gleichzeitig legt Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TW0002330008) ihre Quartalszahlen vor. Die Ergebniskonferenz ist nach dem TSMC-Terminplan für 14:00 Uhr in Taiwan beziehungsweise 08:00 Uhr deutscher Zeit angesetzt.

TSMC hatte für das zweite Quartal Erlöse zwischen 39,0 Mrd. und 40,2 Mrd. US-Dollar in Aussicht gestellt. Die Zahl ist wichtig, die Aussagen zu den kommenden Quartalen sind jedoch wichtiger. Anleger werden auf die Nachfrage nach modernsten Fertigungsverfahren, KI-Beschleunigern, High-Performance-Computing und Smartphone-Chips achten. Gleichzeitig geht es um Kapazitätsaufbau, Preisgestaltung, Auslandsexpansion und die Frage, wie schnell neue Fabriken außerhalb Taiwans an die Profitabilität der heimischen Standorte herankommen.

ASML am Mittwoch und TSMC am Donnerstag bilden gemeinsam den eigentlichen Halbleitertest der Woche. ASML zeigt, welche Maschinen bestellt werden. TSMC zeigt, wie stark diese Kapazitäten bereits durch reale Chipnachfrage ausgelastet werden. Stimmen beide Berichte in Richtung und Ausblick überein, erhält die KI-Investitionsstory industrielle Bestätigung. Weichen sie deutlich voneinander ab, dürfte der Markt genauer zwischen kurzfristiger Nachfrage und langfristigen Ausbauplänen unterscheiden.

Um 14:30 Uhr deutscher Zeit folgen die US-Einzelhandelsumsätze für Juni. Der Kalender des US Census Bureau setzt die Veröffentlichung auf Donnerstag. Die Daten sind ein Gegenstück zu den Bankberichten: Während Kreditinstitute über Konten, Karten und Zahlungsausfälle berichten, zeigen die Einzelhandelsumsätze, ob die Haushalte trotz höherer Preise tatsächlich weiter konsumieren.

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Nach dem US-Handel übernimmt Netflix (US64110L1061). Der Streamingkonzern will seine Ergebnisse gegen 22:01 Uhr deutscher Zeit veröffentlichen; das Managementgespräch folgt wenig später. Der genaue Ablauf ist in der Ankündigung von Netflix festgehalten.

Das Unternehmen hatte für das zweite Quartal ein Umsatzwachstum von 13 % und eine operative Marge von 32,6 % prognostiziert. Im Mittelpunkt stehen inzwischen weniger reine Abonnentenzahlen als Umsatz je Kunde, Preissetzung, Werbegeschäft, Engagement und Content-Kosten. Der bei der US-Börsenaufsicht hinterlegte Ausblick aus dem ersten Quartal verweist zudem auf besonders hohe Zuwächse bei den Abschreibungen auf Inhalte im ersten Halbjahr. Anleger werden deshalb genau prüfen, wie gut Netflix Umsatzwachstum und Margenanspruch miteinander verbindet.

 

Freitag, 17. Juli: Der Konjunkturteil bekommt das letzte Wort

 

Nach drei sehr dichten Tagen fällt der Freitag unternehmensseitig ruhiger aus. Dafür liefern die USA einen kompakten Block an Realwirtschaftsdaten. Um 14:30 Uhr deutscher Zeit werden Baugenehmigungen und Baubeginne veröffentlicht. Der Immobilienmarkt reagiert besonders empfindlich auf Hypothekenzinsen und Finanzierungskosten und kann deshalb zeigen, wie stark die strafferen finanziellen Bedingungen bereits auf Investitionen wirken.

Das US Census Bureau bestätigt den Termin für die Juni-Daten. Um 15:15 Uhr folgt die Industrieproduktion der Federal Reserve. Die Veröffentlichung umfasst auch die Kapazitätsauslastung und ergänzt damit die zuvor erschienenen Zahlen aus China und dem Euroraum um einen Blick auf die amerikanische Industrie.

Um 16:00 Uhr schließt die vorläufige Verbraucherstimmung der Universität Michigan den Datenblock ab. Die University of Michigan veröffentlicht neben dem Gesamtindex auch die viel beachteten Inflationserwartungen der Haushalte. Nach Verbraucherpreisen, Einzelhandelsumsätzen und Bankberichten entsteht dadurch zum Wochenschluss ein ungewöhnlich vollständiges Bild des US-Konsumenten.

Die Marktreaktion am Freitag wird daher auch davon abhängen, welche Geschichte sich bis dahin durchgesetzt hat. Zeigen Inflationsdaten Preisdruck, während Konsum und Industrie stabil bleiben, könnten höhere Renditen zum dominierenden Thema werden. Schwächere Aktivitätsdaten bei gleichzeitig nachlassender Inflation würden dagegen die Zinsdebatte in eine andere Richtung lenken. Problematisch wäre die Kombination aus hartnäckigen Preisen und abkühlender Nachfrage.

 

Die Reihenfolge der Signale wird entscheidend

 

Die kommende Woche ist mehr als eine Ansammlung großer Namen. Die Termine bauen aufeinander auf. Am Dienstag geben Inflation, Banken und Fed-Chairman Warsh den Preis für Risiko vor. Am Mittwoch entscheidet ASML, wie belastbar die europäischen Halbleitererwartungen sind. Am Donnerstag verbinden China und TSMC die globale Industriekonjunktur mit der KI-Nachfrage, bevor US-Einzelhandel und Netflix den Konsumenten in den Mittelpunkt rücken.

Für Anleger entsteht daraus ein klarer Prüfpfad. Banken müssen zeigen, dass hohe Zinsen nicht bereits in deutlich schlechtere Kreditqualität umschlagen. Halbleiterunternehmen müssen belegen, dass KI-Investitionen nicht nur angekündigt, sondern bestellt, produziert und ausgeliefert werden. Konsumunternehmen wiederum müssen erklären, wie viel Preissetzung die Haushalte noch tragen.

Gerade weil US-Aktien nahe ihren Höchstständen in die Berichtssaison gehen, reicht ein überwiegend solides Bild möglicherweise nicht überall aus. Der Markt hat bereits Wachstum, robuste Gewinne und eine kontrollierbare Inflation eingepreist. Die kommende Woche muss zeigen, ob diese drei Annahmen gleichzeitig bestehen können.

 

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12.07.2026 - Christian Teitscheid

Unterschrift - Christian Teitscheid

 

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