Nike fällt ins Bodenlose, Plug Power schürt Hoffnungen, Amazon entzückt mit KI-Prognosen und Nvidia könnte das Nachsehen haben
Was Analysten und Anleger jetzt von der Zukunft erwarten
Der Blick in die Zukunft wurde an den Börsen zuletzt immer wieder ordentlich durcheinandergewirbelt. Es dürfte mit viel Ungewissheit weitergehen, nachdem US-Vizepräsident JD Vance nach Verhandlungen um einen Frieden mit dem Iran am Sonntag unverrichteter Dinge die Heimreise antrat. Ein Scheitern der Friedensverhandlungen und eine Wiederaufnahme von Kriegshandlungen würde die Börse heftig unter Druck setzen.
Schlechte Neuigkeiten wären das sehr wahrscheinlich für den Sportartikelhersteller Nike (US6541061031). Erst vor wenigen Wochen enttäuschte der Konzern mit einer gesenkten Prognose für das laufende Jahr. Erwartet wird nun ein Umsatzrückgang von bis zu vier Prozent. Das erwischte die Anteilseigner auf dem falschen Fuß. Die Aktie reagierte sofort mit einem Abschlag von rund 15 Prozent und segelte seither munter weiter in die Tiefe. In der ausgelaufenen Handelswoche wurde bei 42,36 US-Dollar ein neues 52-Wochen-Tief markiert. Zum Wochenende fiel der Kurs mi 42,62 nur unwesentlich höher aus.
Besonders in China hat Nike nach wie vor Probleme mit der Konkurrenz, doch auch anderswo liefen die Geschäfte schon mal besser. Dauerhaft höhere Ölpreise könnten die Kosten noch weiter erhöhen und inflationsbedingt die Konsumlaune noch weiter abschwächen. Zwar gibt es auch Comeback-Fantasien. Geht es nach den Analysten von Piper Sandler, so sind die Aussichten auf höhere Kurse aber eher mau. Dort reicht es nur für eine neutrale Einschätzung und das Kursziel wurde zuletzt auf 50 Dollar gekürzt.
Plug Power im Höhenflug
Bessere Chancen scheinen die Märkte sich derzeit für Plug Power (US72919P2020) auszurechnen. Hohe Ölpreise sind für den Wasserstoffsektor zwar nicht vollkommen unbedeutend. Sie sorgen aber tendenziell dafür, dass die Lücke zu Wasserstoff kleiner wird. Geht der Konflikt im Nahen Osten daher weiter und wird die Straße von Hormus für längere Zeit geschlossen, so könnte sich mancher Akteur im Energiesegment vielleicht umorientieren.
Profitieren kann Plug Power aber nicht nur von solchen theoretischen Überlegungen. Die Kurse legten auch dank konkreter neuer Aufträge zu. Vor Kurzem meldete der US-Konzern eine Order aus Kanada für die Lieferung eines Elektrolyseur-Systems mit 275 Megawatt. Das steigert die Glaubwürdigkeit der Prognose, dass bis Ende 2028 schwarze Zahlen erreicht werden könnten. Im festen Glauben daran schoss die Aktie bis auf 2,74 Dollar zu Handelsschluss am Freitag in die Höhe. Das sind knapp 30 Prozent mehr als vor einem Monat.
KI-Offensive bei Amazon
Neue Hoffnungen schürte unlängst auch Amazon (US0231351067). Dort sprach Konzernchef Andy Jassy in einem Brief an die Aktionäre über die KI-Zukunft des Unternehmens, die ganz und gar rosig auszusehen scheint. Die Rede ist von einer hochgerechneten Umsatzrate von über 20 Milliarden Dollar im laufenden Jahr, was einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr entsprechen würde.
Potenzial erkennt Amazon nicht nur für seine Cloud-Tochter AWS. Vorgerechnet wird auch, dass man einen Jahresumsatz von derzeit 50 Milliarden Dollar erreichen könnte, würde man eigene KI-Chips an Dritte weiterverkaufen. Genau das ist für die Zukunft auch geplant. Es sei laut Jassy sogar denkbar, dass Amazon künftig ganze Serverschränkte verkauft. Das sorgt für bunte Fantasien bei den Aktionären und die Aktie stieg am Freitag um zwei Prozent auf 238,38 Dollar. Auf 5-Tages-Sicht ging es um 13,6 Prozent aufwärts.
Nvidia unter Druck?
Bei Nvidia (US67066G1040) ging es im selben Zeitraum um deutlich bescheidenere 6,3 Prozent in Richtung Norden und der Abstand zum Allzeit-Hoch bei 212,19 Dollar fällt mit einem Schlusskurs von 188,63 Dollar am Freitag weiterhin deutlich aus. Jeder Erfolg der Konkurrenz im Chipbereich wird hier eher mit Sorge betrachtet. Denn die normale Reaktion darauf ist nicht, mit einer allgemeinen Erweiterung des Marktes, sondern sinkenden Marktanteilen des bisherigen Platzhirsches zu rechnen.
Fundamental lief es für Nvidia bis zuletzt noch immer hervorragend. Der Hunger der Rechenzentren nach KI-Chips scheint nicht zu stillen zu sein und die Zahlen für das vierte Quartal sprengten sämtliche Erwartungen. Bei Nvidia reicht es aber schon längst nicht mehr aus, einfach nur sehr gute Zahlen zu schreiben. Die Bullen erwarten ständig neue Sensationen, welche seit einer Weile nur noch mit einer recht behäbigen Frequenz geliefert werden können. Umso mehr richtet sich der Blick auf die Konkurrenz und jeder Erfolg dort scheint die Stimmung bei Nvidia-Aktionären zu schmälern.
Immer in Bewegung
Die Zukunft an der Börse bleibt derzeit noch unvorhersehbarer, als es in gewöhnlichen Zeiten der Fall ist. An mehreren Stellen deuten sich mögliche Marktverschiebungen an, sei es bei KI oder im Energiesektor. Ob es wirklich zu der einen oder anderen Revolution kommen mag, ist freilich vollkommen offen. Doch natürlich wird an der Börse darauf bereits gewettet, und das reicht aus, um die Kurse in Bewegung zu halten.
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12.04.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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