Orsted kündigt eine milliardenschwere Kapitalerhöhung an und will damit Unsicherheiten bei US-Projekten begegnen
Bestehenden Anlegern spricht Orsted deutliche Abschläge zu
Gegen jede Vernunft und die Empfehlungen von Experten geht die US-Regierung dieser Tage massiv gegen Erneuerbare Energien vor. Insbesondere die Windkraft ist US-Präsident Donald Trump ein Dorn im Auge. Mehrfach bezeichnete er diese, ohne jede wissenschaftliche Grundlage, als teuer und nutzlos. Zuletzt nutzte Trump seine Macht, um ein größtenteils fertiggestelltes Windparkprojekt zu stoppen, was der Betreiberin Orsted einen Kurssturz einbrachte.
Gemeint ist das Projekt Revolution Wind vor der Küste von Rhode Island, welches bereits zu etwa 80 Prozent abgeschlossen ist. Die US-Regierung forderte Orsted (DK0060094928) dennoch dazu auf, den Bau zu stoppen. Begründet wurde dies damit, dass nationale Sicherheitsbelange geprüft werden müssten. Dagegen geht Orsted gerichtlich vor und verweist darauf, sämtliche Prüfungen durchlaufen und Genehmigungen bereits erhalten zu haben. Die Erfolgsaussichten sind dennoch fraglich bei einer ideologisch geprägten Regierung, die nichts unversucht lassen wird, um ihren Willen zu bekommen.
Eine Beteiligung am Sunrise Windpark vor der Küste New Yorks wollte Orsted eigentlich verkaufen, was durch Trumps ablehnende Haltung gegenüber Windkraft aber faktisch unmöglich gemacht wurde. Das Thema sorgt bei Orsted nicht nur für viel Kopfschütteln, sondern auch ungeklärte finanzielle Fragen. Aushelfen sollen nun die Investoren mit einer frischen Kapitalerhöhung. 9,4 Milliarden US-Dollar sollen auf diesem Wege in die Kassen gespült werden.
Neue Orsted-Aktien zum Schnäppchenpreis
Angesichts der enormen Unsicherheiten sind Investitionen in Orsted momentan keine sehr populäre Angelegenheit. Um den Anteilseignern das Ganze schmackhaft machen zu können, setzt der Konzern daher auf Bezugsrechte mit massiven Abschlägen, wie einem am Montag veröffentlichten Prospekt zu entnehmen ist. Für umgerechnet 8,90 Euro sollen neue Anteilsscheine ausgegeben werden, was nur etwa einem Drittel der jüngsten Schlusskurse entspricht. Darin spiegelt sich die enorme Unsicherheit wider, mit der das Unternehmen aufgrund der Ereignisse in den USA momentan zu kämpfen hat.
Der Großteil des neuen Kapitals soll genutzt werden, um den Bau des Projekts Sunrise Wind weiter voranzutreiben. Die größten Einzelaktionäre von Orsted in Form des dänischen Staates und des norwegischen Versorgers Equinor sagten bereits ihre Unterstützung für die Kapitalerhöhung zu. Der Handel mit Bezugsrechten soll bereits am morgigen Mittwoch starten; das Ergebnis der Emission wird für den 6. Oktober erwartet. Der Schritt ist grundsätzlich nachvollziehbar, doch die zu erwartende Verwässerung kommt bei den Anteilseignern dennoch nicht gut an.
Die Orsted-Aktie reagiert am Montag im frühen Handel mit Verlusten von mehr als sieben Prozent. Im späteren Verlauf beruhigte die Lage sich etwas und das Papier konnte den Handel letztlich mit 26,31 Euro verlassen. Der Tagesverlust belief sich hier aber immer noch auf spürbare 3,1 Prozent und vom massiven Kurssturz aus dem August konnte man sich bisher noch nicht ansatzweise erholen. Seit Jahresbeginn sind aktuell Abschläge von über 40 Prozent zu verkraften.
Ein großes Wagnis
Orsted und die Anleger müssen in den USA weiterhin mit Gegenwind rechnen. Gleichwohl ist es keine Option, milliardenschwere Investitionen vor Ort schlicht abzuschreiben. Das Unternehmen wählt stattdessen die Flucht nach vorne, was in einer misslichen Lage wohl auch die beste Option sein dürfte. Aus Anlegersicht lassen sich weitere Rückschläge aber dennoch nicht ausschließen und es hat gute Gründe, dass neue Anteilsscheine mit heftigen Abschlägen angeboten werden.
Auch Orsted selbst ist sich über die Unsicherheiten sehr bewusst und immerhin werden den Anlegern diesbezüglich auch keine falschen Versprechen gemacht. Interessant werden könnte es, sollte das Unternehmen sich doch noch durchsetzen und seine Offshore-Anlagen in den USA umsetzen können. In einem solchen Szenario stünde eine deutliche Korrektur nach oben an. Garantieren lässt sich momentan aber leider nicht, dass es dazu auch kommen wird. Die Aktie bleibt für Anleger eine große Wette mit eklatanten Risiken.
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16.09.2025 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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