Renault erkennt Fortschritte im eigenen Unternehmen, kann die Anleger mit seinen Zahlen für 2025 aber nicht abholen
Es besteht noch Nachholbedarf bei Renault
Bei der Vorstellung der jüngsten Jahreszahlen versprühte Renault eine gute Portion Optimismus. Der französische Autobauer sprach davon, zum dritten Jahr in Folge ein Wachstum hingelegt zu haben. Tatsächlich ließen sich auch einige Lichtblicke erkennen. Speziell im Segment mit günstigen Fahrzeugen weiß der Konzern zu punkten. Unter dem Strich reichte das Gezeigte aber nicht aus, um die Anleger in Kauflaune verfallen zu lassen.
Eher nicht für Begeisterung sorgte die Tatsache, dass Renault (FR0000131906) im vergangenen Jahr einen Verlust in Höhe von 10,9 Milliarden Euro verzeichnen musste. Zwar ist der größte Teil davon auf eine Abschreibung auf die Beteiligung an Nissan zurückzuführen, welche auf 9,3 Milliarden Euro beziffert wurde. Doch selbst ohne Berücksichtigung davon wäre Renault letztlich in den roten Zahlen gelandet. Da sind dezente Wachstumssignale an anderen Stellen in der Bilanz aus Anlegersicht nocht nicht der große Befreiungsschlag.
Die Umsätze konnte Renault verbessern, vor allem dank der Expansion außerhalb Europas. Diesen weg wollen die Franzosen in Zukunft weitergehen. Bei den Absätzen wurde ein Plus von 3,2 Prozent auf 2,34 Millionen Fahrzeuge gemeldet. Der Umsatz kletterte um respektable drei Prozent auf 57,9 Millionen Euro. Auf der Einnahmenseite scheint es also durchaus in die richtige Richtung zu gehen. Weitere Kosteneinsparungen sollen dafür sorgen, dass davon in Zukunft auch wieder mehr als Gewinn hängenbleibt.
Renault punktet mit Bezahlbarkeit
Der amtierende Konzernchef Francois Provost hat einige Entscheidungen seines Vorgängers rückgängig gemacht. Auf dem Fahrplan steht nun eine stärkere Integration von Elektro- und Softwareeinheit. Außerdem sollen weitere Kostenprogramme dabei helfen, bei der Konkurrenz mit chinesischen Herstellern bestehen zu können. Das scheint sich zumindest bei der Marge auszuzahlen, die im letzten Jahr bei 6,3 Prozent lag. Damit schneidet Renault deutlich besser ab als Konkurrenten wie Volkswagen oder Stellantis.
Die Konzentration auf das günstige Einsteigersegment findet in diesen Tagen viele Freunde. Weniger gefragt sind hingegen Luxusmodelle, mit denen die Autobauer vor einigen Jahren noch immer höhere Margen einfahren konnten. Doch Wirtschaftskrise und Inflation haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Verbraucher achten wieder sehr viel stärker auf Preise und Renault kann deshalb seine Vorteile auf der Kostenseite voll ausspielen. Das macht sich vor allem außerhalb Europas, aber durchaus auch in heimischen Gefilden bemerkbar.
Auch schnellere Entwicklungszeiten sollen in Zukunft dafür sorgen, dass Renault sich gegenüber einer wachsenden und aggressiveren Konkurrenz behaupten kann. Auf lange Sicht strebt der Konzern eine operative Marge im Bereich von fünf bis sieben Prozent bei einem jährlichen Cashflow von mindestens 1,5 Milliarden Euro an. Das ist mehr, als derzeit viele Mitbewerber in Aussicht stellen können.
Die Anleger haben wohl mehr erwartet
Es reicht aber noch immer nicht, um die Anteilseigner in Ekstase zu versetzen. Auch die stabile Dividende fand im gestrigen Handel nur wenig Anklang und die Renault-Aktie wertete um 3,1 Prozent auf 32,16 Euro ab. Damit weiten die Abschläge seit Jahresbeginn sich auf 11,6 Prozent aus. An mancher Stelle mag es in die richtige Richtung gehen. Doch solange im Segment Krisenstimmung herrscht und noch immer hohe Verluste ausgewiesen werden müssen, bleiben auf Anlegerseite doch noch einige Wünsche offen.
In der nahen Zukunft wird es bei Renault darauf ankommen, Sparpläne konsequent zu verfolgen und damit in der Bilanz für die erhoffte Wirkung zu sorgen. Gelingt dieses Kunststück, so könnte es auch mit einer größeren Erholung an den Aktienmärkten klappen. Für den Moment bleibt der französische Autokonzern aber noch in der Bringschuld und offenbar wird man auch nicht mit Vorschusslorbeeren ausgestattet. Der neuerliche Kursrückgang und ein Schlusskurs nur knapp über dem 52-Wochen-Tief kann sowohl als Chance als auch als Warnsignal interpretiert werden. Welche Lesart zu bevorzugen ist, das können Anleger nur für sich selbst entscheiden.
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20.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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