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Roblox Spieleplattform erreicht aus dem Stand eine Marktkapitalisierung von mehr als 45 Mrd. US-Dollar

Roblox legt einen rasanten Start vor und macht Hoffnung auf mehr

NTG24 - Roblox Spieleplattform erreicht aus dem Stand eine Marktkapitalisierung von mehr als 45 Mrd. US-Dollar

 

Das Listing von Roblox (US7710491033) war wie erwartet ein voller Erfolg. Obwohl das Unternehmen den ersten Kurs mit 45 US-Dollar vergleichsweise hoch angesetzt hatte, war die Nachfrage grandios. Dieser Kurs entsprach einer Marktkapitalisierung von 30 Mrd. US-Dollar, was über dem Wert der jüngsten Finanzierungsrunde lag und weit über den 8 Mrd. US-Dollar, die man noch im Herbst angestrebt hatte. Der Handel brauchte dann am 10. März mehrere Stunden, um Angebot und Nachfrage zusammenführen. Am Ende lag der Eröffnungskurs über 64,50 US-Dollar und kletterte in der Spitze bis auf 74,83 US-Dollar, schloss dann aber bei 69,50 US-Dollar.

Die Bewertung von Roblox liegt jenseits dessen, was das Unternehmen wert ist. Im vergangenen Herbst, als Roblox den ersten ernsthaften Versuch startete, ein IPO durchzuführen, strebte man eine Marktkapitalisierung von 8 Mrd. US-Dollar an. Nachdem man an Beispielen wie Airbnb (US0090661010) und DoorDash (US25809K1051) sah, dass sich der grösste Teil der Marktkapitalisierung nach dem IPO aufbaute, änderte man die Pläne und entschied sich für ein Direkt-Listing. 

Ein Direkt-Listing ist eine vereinfachte Form eines IPO. Insbesondere fehlt hier der Teil einer Kapitalerhöhung, die klassischerweise fester Bestandteil eines initialen Börsengangs ist. Im Kern beantragen die Altaktionäre, dass ihre bestehenden Anteile zum öffentlichen Handel zugelassen werden. Natürlich will auch Roblox am Ende an frisches Eigenkapital gelangen, doch das Direkt-Listing ermöglicht es dem Unternehmen, erst die Spitze ihrer Marktkapitalisierung zu erreichen, bevor man junge Aktien ausgibt. Das hat den erheblichen Vorteil, dass der Bestand der Altaktionäre so wenig verwässert wird wie möglich, da man weniger neue Aktie verkaufen muss, wenn der Kurs nach dem Listing noch deutlich steigt. Diesen Aspekt muss man immer im Auge behalten. Eine Ankündigung in Zukunft, dass Roblox eine Kapitalerhöhung durchführen will, wird ein negatives Signal für den Aktienkurs sein. 

Die aktuelle Bewertung von Roblox bewegt sich nach dem Direkt-Listing knapp unter 50 Mrd. US-Dollar. Wir reden also über eine Versechsfachung der Bewertung, die das Unternehmen selbst im Herbst angestrebt hat. An dem Wert gibt es nichts zu beschönigen. Er ist nicht nur weit überhöht für das Unternehmen, sondern auch weit überhöht im Vergleich zur Peer-Group. Ein Veteran in der Branche, der inzwischen ein gesättigtes Wachstum ausweist, wird an der Börse mit dem 33-Fachen des freien Cashflows bewertet. Roblox, die noch viel Wachstum vor sich haben, werden dagegen mit dem 111-Fachen des freien Cashflows bewertet. Eine Differenz ist berechtigt, aber nicht in diesem Ausmass. Oder anders gesagt: Roblox wird als „Story-Aktie“ bewertet und man muss sie auch so im Depot führen. 

 

Schwache Wachstumsaussichten für 2021

 

Roblox selbst warnte in der vergangenen Woche und dämpfte die Erwartungen. Die hohen Wachstumsraten des vergangenen Jahres werden sich in 2021 nicht linear fortsetzen. Das Ende der Pandemie ist in Sicht und damit kehrt auch der normale Alltag zurück. Kinder und Jugendliche werden wieder regelmässig in die Schule gehen und müssen Hausaufgaben erledigen, was die tägliche freie Zeit für Roblox verringern wird. Und diese Gruppe macht den Löwenanteil der Kundschaft von Roblox aus. 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeDie hauseigene Prognose ist, dass das Wachstum der gebuchten Umsätze sich in 2021 nur um 6 bis 13 % steigern wird, nach 171 % in 2020. „Gebuchte“ Umsätze bedeutet in diesem Fall, dass die Umsätze über einen gewissen Zeitraum anteilig verteilt werden müssen oder gebucht werden können, wenn der gekaufte digitale Gegenstand verbraucht wurde. Bei Roblox liegen die „gebuchten“ Umsätze daher traditionell deutlich über den Umsätzen der jeweiligen Periode. Das Wachstum der „gebuchten“ Umsätze ist aber natürlich auch ein Frühindikator für die zukünftige Entwicklung des operativen Geschäfts, ähnlich wie bei Auftragseingängen in der Industrie. 

Eine konkrete Empfehlung zu dieser Analyse ist den Lesern des Zürcher Finanzbriefes vorbehalten. Den Zürcher Finanzbrief und die zugehörigen Empfehlungen können Sie im Rahmen eines kostenlosen Probe-Abonnements ausgiebig testen.

 

12.03.2021 - Mikey Fritz - mf@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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