Rüstungsunternehmen kippen unter die 200 Tage-Linien
Rüstungsunternehmen nach den Quartalsberichten unter Druck - wo liegen die Böden?
Die Rüstungsunternehmen geraten auf beiden Seiten des Atlantiks unter Druck. Die Frage ist, ob der Verkaufsdruck sich aus dem operativen Geschäft ergibt oder es sich um eine reine Bewertungsabkühlung handelt. Drei Top-Unternehmen nehme ich ins Visier.
Saab (SE0021921269) ist mit Schwung unter die 200 Tage-Linie gerutscht. Das verheisst kurzfristig nichts Gutes. Ein Test der 500 Schweden Kronen (SEK) Marke steht nun als nächstes an. Doch die erste harte Unterstützungszone liegt noch einmal 10 % darunter. Der Grund für den Verkaufsdruck: Die Marktkapitalisierung liegt trotz Abkühlung mit 289 Mrd. SEK immer noch weit über den erwarteten Umsatzniveaus der kommenden Jahre und die Nervosität der Anleger wird zudem durch den schwachen Auftragseingang (-5 %) getrieben. Während die Luftfahrtsparte (Gripen!) sich positiv entwickelt, brachen die Aufträge bei Dynamics (Lenkwaffen) ein. Da nutzt es auch wenig, dass der Gesamtumsatz um 21 % auf 19,2 Mrd. SEK (ca. 2,1 Mrd. Euro) und der Gewinn um 15 % auf 1,5 Mrd. SEK stieg. Denn: Wer heute weniger Aufträge reinholt, hat morgen weniger Umsätze. Doch nicht in Europa erleben die Rüstungsaktien einen Rücksetzer.
Selbst in den USA sehen wir inzwischen eine deutliche Konsolidierung der Rüstungsaktien. Das Top von Mitte Januar wurde vergeblich Anfang März versucht zu knacken. Und seitdem halten die Gewinnmitnahmen an, weil zum einen die Luft aus den Berichten heraus ist und zum anderen der breite Markt in New York nicht an der Rallye der Tech-Unternehmen teilnimmt. Die ersten US-Rüstungsaktien kippen inzwischen auch unter die gleitende 200 Tage-Linie, was die unterliegende Schwäche bestätigt. Die resultiert im Kern daraus, dass sich die Hoffnungen der Anleger auf eine Ausweitung des US-Verteidigungsbudgets auf einen Rekordwert von 1,5 Billionen US-Dollar in Luft auflösen, weil beide Parteien im Kongress dem Vorschlag des US-Präsidenten kritisch gegenüberstehen.
Rüstungsunternehmen nach den Quartalsberichten unter Druck
Die Qualität von RTX (US75513E1010) steht ausser Frage. Die Bewertung ist hier der Anlass für die jüngste Korrektur. Mit einem Kurs- / Umsatz-Verhältnis von 3 und einem KGV von 33 sind die Aktien mehr als hoch bewertet. Noch dazu sind dies die Kennzahlen nach der Korrektur (-18 %) seit Jahresbeginn auf aktuell 176 US-Dollar von 214 US-Dollar in der Spitze. Die 200 Tage-Linie hat der Kurs unterschritten und das nach den Quartalszahlen, die gut ausfielen, aber nur eine marginale Anhebung der Jahresprognose enthielten. Entscheidend ist, dass alle drei Segmente - Collins Aerospace, Pratt & Whitney und Raytheon - wachsen und hohes Gewinnwachstum ausweisen. Pratt & Whitney und Raytheon konnten ihren Umsatz im unteren zweistelligen Prozentbereich steigern, Collins um 5 %. Alle drei steigerten ihr operatives Ergebnis um mehr als 20 % im Jahresvergleich. Im Gesamtjahr sieht das Management jedoch nur ein „bereinigtes“ Umsatzwachstum von 5 % bis 6 %, und das ist zu wenig für die aktuelle Marktkapitalisierung.
Wenn ich mich derzeit zwischen Lockheed Martin (US5398301094) und Northrop Grumman (US6668071029) entscheiden muss, dann wähle ich letzteres. Lockheed ist ohne Zweifel ein Platzhirsch, aber Northrop bringt mehr Traktion auf die Strasse. Insgesamt konnte man zwar im 1. Quartal nur ein Umsatzwachstum von 4 % auf 9,9 Mrd. US-Dollar erreichen, aber immerhin wuchs man und konnte vor allem in der Aeronautics Sparte wieder Erfolge feiern. Was im Wesentlichen daran lag, dass man die Anlaufkosten im B-21 Programm in diesem Jahr nicht noch einmal erlebte. Was wir im laufenden Jahr in jedem Fall erwarten können, ist ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich und ordentliche Margen im unteren zweistelligen Prozentbereich. Das reicht nicht für grosse Sprünge an der Börse, wird aber einen Boden beim Aktienkurs im 2. Halbjahr einziehen.
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12.05.2026 - Mikey Fritz

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