TUI denkt bei seinen Flugzeugen um, will künftig auch Tickets ohne dazugehörige Pauschalreise anbieten und die Sparte in die Gewinnzone führen
Die Aktionäre von TUI scheinen ihre Zweifel am Erfolg zu haben
Der Reiseveranstalter TUI hat die Corona-Pandemie hinter sich gelassen und kann wieder mit ansehnlichen Bilanzen buchen, gerade aufgrund des anhaltenden Reisebooms. Allerdings scheint es noch ein Sorgenkind in Form der eigenen Fluggesellschaften zu geben. Wie aktuellen Medienberichten zu entnehmen ist, scheint man im Management unzufrieden mit den mauen Gewinnen zu sein. Eine neue Strategie soll dabei helfen, die Sparte auf Erfolgskurs zu fühen.
Verkündet hat dies am vergangenen Freitag TUI Airline COO Peter Glade bei der Übergabe der 55. von insgesamt 96 bestellten Boeing 737 Max in Seattle. Hierzulande berichtete das „Handelsblatt“ ausführlich über das Thema. Die Marge mit dem Fluggeschäft liegt aktuell bei 0,95 Prozent, wohingegen bei Hotels über 30 und mit Kreuzfahrten sogar knapp 55 Prozent erreicht werden können.
Dass das Fluggeschäft da nicht mithalten kann, liegt nicht zuletzt daran, dass TUI (DE000TUAG505) Sitzplätze bisher nahezu ausschließlich im Rahmen von Reisepaketen anbietet. In Großbritannien werden beispielsweise rund 90 Prozent der Tickets auf diesem Wege verkauft. Dafür erhält TUI Fly dann lediglich einen internen Verrechnungspreis. Auf diese Weise ist es kaum möglich, die Margen in höhere Regionen zu befördern. Eben deshalb soll in Zukunft damit begonnen werden, Tickets auch außerdem von Pauschalreisen anzubieten.
TUI nimmt sich Ryanair als Vorbild
Um dorthin zu kommen, will TUI zunächst seine bisher fünf Flugbetriebe unter TUI Airline neu bündeln. Die einzelnen Gesellschaften nutzen mittlerweile laut Managing Director Flight Operations Christopher Grube ohnehin die gleichen Handbücher und Prozesse. Durch den Zusammenschluss sollen sich nicht näher spezifizierte Synergieeffekte ergeben. Als Beispiel für den Ansatz werden Airlines wie Ryanair genannt.
Mit TUI Airline sollen in Zukunft dann verstärkt Tickets für den Einzelverkauf vermarktet werden, die TUI höhere Margen als bei der Bündelung in Reisepaketen einbringen. Dazu soll in Zukunft sehr genau kalkuliert werden, wie viele Sitzplätze die Muttergesellschaft auf bestimmten Strecken benötigt. Der Rest soll vermarktet werden. TUI Airline tritt damit eigenständiger auf und wird ein wenig von der Muttergesellschaft entkoppelt. Die entsprechenden IT-Systeme sollen wohl bereits vorhanden sein.
Das Ziel ist es, die bisher margenschwächste Sparte in der Bilanz stärker zu machen und dort die Gewinne merklich steigen zu lassen. Das klingt im ersten Moment nach einer Angelegenheit, welche auch die Anleger begrüßen dürften. Doch gibt es dort anscheinend Zweifel daran, ob damit verbundene Investitionen sich auch auszahlen werden. In den vergangenen Jahren gab es auch Überlegungen für einen Verkauf der Airline und Flugzeuge. Dass diese Option nun offensichtlich vom Tisch ist, kommt nicht überall gut an.
TUI muss sich beweisen
Mit der stärkeren Vermarktung von Einzeltickets will TUI letztlich auch seine vorhandene Flotte besser nutzen. Im Sommer gibt es zwar wenig Probleme, die Flugzeuge zu füllen. Im Winter stehen manche Maschinen laut Airline-Chef Peter Glade aber schon mal die meiste Zeit am Boden und verdienen folglich kein Geld. Außerdem soll der Kundenkreis erweitert werden, indem beispielsweise auch Personen angesprochen werden, die zu ihren bereits vorhandenen Ferienhäusern zu fliegen gedenken.
Der Hintergedanke von TUI ist absolut nachvollziehbar und in der eigenen Airline scheint sich noch einiges an verstecktem Potenzial zu finden. Allerdings ist es ein langer Weg, um höhere Margen zu erzielen. Mit der stärkeren Öffnung für den Einzelverkauf begibt sich das Unternehmen in ein Geschäft, das hart umkämpft ist und viel Konkurrenz kennt. Ob TUI dort von Beginn an bestehen kann, bleibt abzuwarten. Begeisterung auf Anlegerseite macht sich bisher noch nicht bemerkbar. Die TUI-Aktie kann sich derzeit zwar behaupten, rutschte am Dienstag aber um über drei Prozent auf 9,05 Euro hinab.
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04.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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