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TUI Bilanz fällt bitter aus

TUI Aktie verliert vor der Kapitalerhöhung

 

Die Bilanz von TUI für das Geschäftsjahr 2020 ist bitter. Anders kann man es nicht sagen. Angesichts eines Umsatzrückganges um -58 % auf 7,95 Mrd. Euro ist es schon fast ein Wunder, dass der Konzern noch nicht in der Insolvenz ist. Der brachiale Einbruch legt offen, warum die Geschäftsführung die deutsche Bundesregierung zu so umfassenden Hilfs- und Unterstützungsmassnahmen gedrängt hat. Die Börse hatte schon im Vorfeld keine hohen Erwartungen, aber dieser Abschluss war sogar noch schlechter als befürchtet. 

Für die Aktionäre bleibt ein Verlust von -3,1 Mrd. Euro stehen. Wie tief das Loch ist, aus dem sich TUI wieder herausarbeiten muss, erkennt man, wenn man den Vorjahresgewinn in Höhe von 0,5 Mio. Euro daneben stellt und sich gleichzeitig vor Augen hält, dass neben dem hohen Verlust auch die Netto-Verschuldung des Konzerns von -0,9 Mrd. Euro auf -4,6 Mrd. Euro explodiert ist. 

Zu überleben ist das eine, die Bilanz wieder zu richten das andere. Es besteht kein Zweifel, dass die TUI am Ende wieder gutes Geld verdienen wird. Die Bundesregierung wird dafür sorgen, dass der Konzern solange durchfinanziert wird, bis das Geschäft wieder normal läuft. Das bedeutet jedoch nicht, dass es einen Bail-out für die Aktionäre und Anleihegläubiger gibt. Alle werden letztlich etwas in den Hut werfen müssen, um die Chance zu bekommen, das verlorene Kapital über die Zeit wieder zurückzubekommen. Denn fest steht auch: 

 

Die Reiselust ist ungebrochen

 

Die Buchungen für den Sommer 2021 sehen gut aus. TUI hat die Kapazität im Verhältnis zum Programm 2019 um 20 % reduziert. Die Buchungen liegen bisher 10 % unter dem Niveau des Vorjahres, aber die Preise sind um 14 % gestiegen. Darin enthalten sind natürlich auch viele Umbuchungen aus dem Sommer 2000. Aber was zählt, ist, dass die Menschen wieder reisen wollen.

Die Lage in Grossbritannien weicht aufgrund der Insolvenz von Thomas Cook vom durchschnittlichen Buchungsverhalten ab. Die Briten neigen grundsätzlich dazu, verstärkt früh ihren Urlaub fest zu buchen. Da das Angebot von Thomas Cook weggefallen ist, kommt TUI hier in den Genuss von grösserer Nachfrage. Aktuell liegen die Buchungen für den Sommer 19 % über dem Vorjahresniveau. 

 

TUI AG

 

An die aktuelle Wintersaison hatte niemand hohe Erwartungen gestellt. TUI ist lediglich mit einer Kapazität von 20 %, gemessen im Vergleich zum Vorjahr, in die Saison gegangen. Die Buchungen liegen 82 % unter dem Vorjahresniveau. Die Preise haben sich um 4 % erhöht. Das kann man gedanklich als Verlust abhaken. Es verwundert daher nicht:

 

Cash-Burn ist hoch

 

TUI verbrennt derzeit mehr Cash als geplant. Man hatte signalisiert, dass in den Wintermonaten rund 300 Mio. Euro pro Monat abfliessen würden, doch die aktualisierte Schätzung liegt nun bei 400 bis 450 Mio. Euro, nachdem die zweite Corona-Welle zu wesentlich umfangreicheren Einschränkungen und Lockdowns geführt hat. 

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Werbebanner Zürcher BörsenbriefeUm wieder profitabel zu werden, strebt der Vorstand unter anderem Asset-Light-Strukturen an. Das bedeutet im Klartext, dass man beispielsweise langfristige Investitionsgüter verkauft und im Anschluss wieder zurückmietet. Dadurch beraubt man sich zwar der Chancen auf steigende Buchgewinne im Fall von Immobilien und muss mit den Mietzahlungen auch einen gewissen Aufschlag für die Vermieter zahlen, gewinnt aber kurzfristig sehr viel Liquidität, was aktuell der grösste Engpass ist. 

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11.12.2020 - Mikey Fritz - mf@zuercher-boersenbriefe.ch

 









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