Ubisoft schockt die Anleger mit hohen Gewinnverlusten und kann mit Restrukturierungsplänen nur wenig Vertrauen gewinnen
Bei Ubisoft muss radikal gespart werden
Der französische Videospiel-Publisher Ubisoft steckt schon seit Längerem in der Krise, stellte bis vor Kurzem aber noch ein ausgeglichenes Ergebnis für das laufende Geschäftsjahr in Aussicht. Damit hat es sich seit dem gestrigen Donnerstag erledigt. Die Lage ist offenbar noch sehr viel dramatischet, als bisher angenommen. Das zwingt Ubisoft zu drastischen Maßnahmen.
In einer Mitteilung stellt Ubisoft (FR0000054470) die Anteilseigner auf einen operativen Verlust vor Zinsen und Steuern in Höhe von einer Milliarde Euro für das aktuelle Geschäftsjahr ein. Begründet wird die scharfe Korrektur nach unten unter anderem mit einer 650 Millionen Euro schweren Abschreibung. Außerdem mussten einige Annahmen revidiert werde. Der freie Cashflow soll bei -400 bis -500 Millionen Euro liegen. Mit anderen Worten verbrennt Ubisoft Geld, und das nicht eben langsam.
Aufgeben wollen die Franzosen noch nicht. Eine tiefgreifende Umstrukturierung soll die Qualität der eigens entwickelten Spiele wieder steigern und damit auch die Verkaufszahlen erhöhen. Das Unternehmen will in Zukunft mit fünf eigenständigen „Kreativhäusern“ auftreten, die sowohl künstlerisch als auch finanziell freie Hand über ihr Schicksal haben. Bereits bekannt ist, dass eines dieser Häuser auf Vantage Studios hört und für die wichtigsten Marken „Assassin’s Creed“, „Far Cry“ und „Rainbow Six“ verantwortlich ist. Ein noch namenloses weiteres Studio soll sich mit Tom-Clancy-Marken abseits von Rainbow Six beschäftigen, darunter beispielsweise „Splinter Cell“ und „The Division“.
Ubisoft setzt die Kettensäge an
Von Ubisoft selbst wird wohl nur noch ein Rumpf verbleiben, der sich um Produktionsangelegenheit, Technologie, Infrastruktur und operative Tätigkeiten kümmert. Verkäufe finden noch nicht statt. Solche bezeichnete Ubisoft-Finanzchef Frederick Duguet vor Kurzem zwar als Möglichkeit. Zunächst soll aber versucht werden, die Lage mit einer Sanierung aufzupolieren. Zu diesem Zweck stehen nun auch enorme Sparmaßnahmen an, die Ubisoft auch als Qualitätsoffensive verstanden haben will.
Zwei Studios schließt Ubisoft komplett. Betroffen davon ist das Halifax Mobile Studio und das Studio in Stockholm. Bei einigen anderen Studios steht eine Restrukturierung an. Außerdem kündigte Ubisoft an, sechs Spiele einzustellen, darunter das eigentlich für das Frühjahr angedachte Remake von „Prince of Persa: Sands of Time“. Sieben Spiele werden verschoben, um an der Qualität feilen zu können. Angepeilt wird, die Kosten bis März um 100 Millionen Euro zu senken und im Laufe der nächsten beiden Jahre weitere 200 Millionen Euro einzusparen.
Ubisoft spricht von einer „radikalen Veränderung“ im Konzern, kann die Anleger damit aber nicht überzeugen. Die Aktie stürzte gestern um knapp 40 Prozent ab und landete zu Handelsschluss bei einem neuen Allzeit-Tief von nur noch vier Euro. Auf Jahressicht hat der Titel um rund zwei Drittel an Wert verloren. Die Marktkapitalisierung schmilzt auf nur noch etwa 600 Millionen Euro. Während der Pandemie-Jahre, als die Branche boomte, war Ubisoft noch rund zehn Milliarden Euro wert.
Zurück ins Büro
Die Umstrukturierung bei Ubisoft macht sich auch bei der Arbeitsorganisation bemerkbar. Die Mitarbeiter sollen in Zukunft wieder an fünf Tagen in der Woche im Büro präsent sein. Für das Homeoffice ist nur noch eine jährliche Quote an Tagen vorgesehen. Auf diesem Wege soll eine Zusammenarbeit mit „ständigem Wissensaustausch“ sichergestellt werden. Das ist eines von vielen Zeichen dafür, dass neben reinen Einsparungen auch eine Verbesserung der Qualität angepeilt wird.
Für einige der jüngeren Releases wurde Ubisoft durchaus gelobt, darunter „Anno 117: Pax Romana“ und „Assassin’s Creed: Shadows“, dessen kürzlich veröffentlichter Port für die Nintendo Switch 2 als kleines technisches Wunder angesehen wird. Die Verkaufszahlen reichten aber offenbar nicht aus, um den Konzern wieder in die Spur zurückzubringen. Ob Letzteres überhaupt noch einmal gelingen wird, steht in den Sternen. Die Analysten zeigen sich eher zurückhaltend und vergeben mehrheitlich neutrale Ausblicke.
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23.01.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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