Zum zweiten Mal in kurzer Folge kämpft Ubisoft mit gehackten Spieleservern und scheint bei der Behebung von Schwachstellen überfordert zu sein
Ubisoft verärgert Spieler, gefährdet ein Geschäftsmodell und hinterlässt keinen guten Eindruck
Erst zu Weihnachten kam es bei den Ubisoft-Servern des Online-Taktik-Shooters „Rainbow Six Siege X“ zu einem großangelegten Hack, bei dem Spielern teilweise enorme Mengen an Ingame-Währung geschenkt wurden. Das Unternehmen reagierte mit einem Abschalten der Server und erklärte das Problem nach wenigen Tagen für erledigt. Doch offenbar konnten die Lücken im System nicht geschlossen werden.
Anfang dieser Woche wurden die Server erneut gehackt, wie das Portal „The Gamer“ berichtete. Statt unberechtigter Geschenke gab es dieses Mal etliche Bans, bei denen Konten stets für 67 Tage gesperrt wurden. Die Hacker spielen damit auf das 6-7-Meme an, welches an sich keine weitere Bedeutung hat und der Zeile des Songs „Doot Doot (6 7)“ des US-Rappers Skrilla entnommen wurde.
Als pauschale Begründung für die Sperrungen wurde ein belästigendes Fehlverhalten genannt, welches aber offensichtlich nicht vorlag. Zum Teil soll es wohl auch kreativere Begründungen gegeben haben, wie einige Nutzer bei Reddit berichten. Während der erste Hack noch mit etwas Humor von den Spielern begleitet wurde, macht sich nun vor allem Unverständnis über die offenbar katastrophalen Sicherheitsvorkehrungen von Ubisoft (FR0000054470) breit.
Ubisoft tappt im Dunkeln
Der französische Spielepublisher schien mit der Lage überfordert zu sein. Eine offizielle Mitteilung gab es zunächst nicht. Ohne große Ankündigung wurden die Server zeitweise vom Netz genommen, und das sowohl auf dem PC als auch auf Konsolen. Mittlerweile scheint das Spiel wieder zu laufen, doch zeitweise war der Betrieb vollständig eingestellt. Das ist auch für Ubisoft selbst hochproblematisch.
Bei Rainbow Six handelt es sich um einen sogenannten Free-2-Play-Titel. Das Spielen an sich ist kostenfrei, Umsätze werden mit Mikrotransaktionen innerhalb des Spiels erzielt. Das bedeutet, dass Umsätze nur dann entstehen, wenn die Server auch funktionieren. Ist das nicht der Fall, gehen Ubisoft wichtige Einnahmen flöten. Darüber hinaus darf auch die Frage gestellt werden, ob nicht Teile der Spielerbasis sich nach zwei Hacks in kurzer Folge abwenden könnten. Ubisoft hinterlässt keine gute Figur und ob die grundsätzlichen Schwachstellen endlich abgestellt werden konnten, darüber lässt sich wohl nur mutmaßen.
Ubisoft ließ sich bei späteren Kommentaren auch nicht zu klaren Worten hinreißen. Die Rede war lediglich davon, dass man sich mit dem Beheben von „Synchronisierungsfehlern und Verbindungsabbrüchen“ beschäftige. Von einem Hack wurde nichts weiter erwähnt. Das sorgt für noch mehr Unmut unter den Spielern. Derweil macht sich in den sozialen Netzwerken vor allem Spott und Häme breit. Ubisoft hinterlässt den Eindruck, die eigenen Server nicht im Griff zu haben. Das ist fatal bei einem Spielemodell, das voll und ganz auf Online-Spiele ausgelegt ist.
Ubisoft am Boden
Die Anleger scheinen Ubisoft die Angelegenheit noch einigermaßen nachzusehen. Zumindest hat der Aktienkurs in den letzten Tagen und Wochen nicht weiter nachgegeben. Das könnte aber auch schlicht daran liegen, dass die Börsianer schon vorher das Weite suchten. Maue Zahlen und unsichere Ausblicke führten im vergangenen Jahr zu einer Kurshalbierung. Bessere Zeiten strebt Ubisoft an, indem die lukrativsten Marken, darunter auch Rainbow Six, in einem neuen Unternehmen zusammengefasst und ausgegliedert werden.
Gelungen sind Ubisoft zuletzt lediglich Achtungserfolge wie „Anno 117: Pax Romana“, die allerdings auch keine Verkaufsrekorde brechen konnten. Der Publisher dümpelt ein wenig vor sich hin und das lange Festhalten an bekannten Marken mit den immer gleichen Konzepten scheint sich zu rächen. Darüber hinaus befindet sich die Videospiele-Branche an sich in einer schwierigen Phase, die geprägt ist von stagnierenden und teils rückläufigen Umsätzen. Dass es da an Kaufargumenten für die Börsianer fehlt, ist nur nachvollziehbar.
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07.01.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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