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BÖRSE TO GO - mit Wirecard, Thyssenkrupp und der Frage nach einem ETF-Crash

Kommende Berichtssaison rückt in den Fokus

 

Guten Morgen,

in den kommenden Wochen entscheiden die Fakten und nicht die Geopolitik das Marktgeschehen. Mit Beginn der Berichtssaison richtet sich nämlich der Fokus auf die Aussichten für 2020 und das, wie die Manager die Gegenwart und die Entwicklung einschätzen. Zudem geben die Daten detailliert Auskunft und damit die Antwort auf die Bewertungsfrage. Die US-Banken legen wie immer als erstes vor. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Marktentwicklung dürften hier keine negativen Überraschungen zu Tage kommen, da sowohl das Investmentbanking als auch das Wertpapiergeschäft stabil ausfallen.

 

Steuern wir auf einen ETF-Crash zu?

 

Viel spannender sind und bleiben die High-Techs. Fast alle (außer AMAZON) notieren auf Rekordniveau und die große Frage lautet, ob sich die Bewertungen weiter halten lassen oder ob das Bild mittlerweile verzerrt ist und eine Anpassung zu erwarten ist. Damit soll nicht der Trend als ganzes in Frage gestellt werden, sondern lediglich der Speed, mit dem Kurse gestiegen sind bzw. dies noch tun. Sie wissen: Aktienrückkäufe seitens der Unternehmen und die massiven Käufe via ETFs sind zu beobachten.

 

Investment Text

Bildnachweis: © Fotograf - Precondo CA

 

Zu letzteren hatte es am Wochenende einen interessanten Artikel in der „Welt am Sonntag“ gegeben, den wir vom Grundsatz her teilen. Denn schon immer sind ETFs für uns ein zweiseitiges Thema. Auf der einen Seite steht der günstige und breite Zugang zu den Börsen für Kleinanleger, auf der anderen Seite die hohe Gefahr eines Klumpenrisikos.

Seit 2008 sind ca. 3 Billionen Dollar in diese passiven Indexfonds geflossen und schaffen damit eine Art künstliche Übergewichtung der großen Konzerne, insbesondere von APPLE, MICROSOFT, GOOGLE, AMAZON und FACEBOOK, die in fast allen Indexfonds eine tragende Rolle spielen. Allein APPLE und MICROSOFT sind zusammen um 400 Milliarden Dollar mehr wert als der gesamte deutsche Aktienmarkt. 

Mit jedem Dollar, der in diese populären, weil günstigen Indexfonds fließt, verzerrt sich das Bild weiter. Solange also die ETFs weiter einen hohen Mittelzufluss genießen, wird sich an diesem Bild nichts ändern, sondern sogar noch verschärfen. Kippt die Stimmung eines Tages, kann sich jeder selber ausmalen, wie ein solcher „ETF-Crash“ aussieht. Wir werden das Thema in den kommenden Wochen genauer unter die Lupe nehmen müssen.

 

WIRECARD: Überraschender Wechsel

 

Gesprächsthema des Tages, zumindest an der deutschen Börse, ist ein alter Bekannter - WIRECARD. Der Zahlungsdienstleister sorgt heute mit einer Personalie für Aufsehen und steigende Kurse. Denn das Unternehmen gab bekannt, dass der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Wulf Matthias mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktritt. Nachfolger wird der bisherige Leiter des Prüfungsausschusses Thomas Eichelmann. Matthias bleibt bis Ende der normalen Amtszeit im Sommer 2021 einfaches Mitglied im Aufsichtsrat.

Begründet wird dieser überraschende Wechsel vor allem damit, dass der 75-jährige Matthias den Generationswechsel im Aufsichtsrat einleiten wolle. Allerdings machen sich natürlich die Anleger hier noch einen anderen Reim darauf. Denn natürlich wird der Name des bisherigen Aufsichtsratschefs mit den Vorwürfen bezüglich Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen verknüpft. Der neue Chef im Ring, so womöglich die Hoffnung von manchen Anlegern, könnte hier mehr Transparenz und Sicherheit hineinbringen.

Allerdings bleibt es dabei: Erst, wenn die aktuellen Untersuchungen durch die externen Wirtschaftsprüfer von KPMG abgeschlossen und vorgelegt worden sind, sollte hier einer möglicherweise neue Einschätzung des Wertes erfolgen. Diesbezüglich gibt es auch wieder neues Störfeuer. So will unter Führung einer Anwaltskanzlei eine Aktionärsgruppe, die rund 2,5 % der Aktien halten soll, eine unabhängige Sonderprüfung durchsetzen. Dazu soll es eine außerordentliche Hauptversammlung geben. Die Einberufung einer solchen ist grundsätzlich nur möglich, wenn dies von 5 % des Grundkapitals gefordert wird. Bleibt abzuwarten, ob den Opponenten das gelingt. Unruhe könnte es dennoch bringen. Insofern bleiben wir bei WIRECARD vorerst zurückhaltend.

 

Kursverlauf Wirecard

 

THYSSENKRUPP: Gespräche mit SALZGITTER

 

Neue Spekulationen gibt es wieder einmal bei THYSSENKRUPP. Bekanntlich sucht das Unternehmen immer noch nach einer Lösung für seine Stahlsparte, nachdem die geplante Fusion mit der indischen TATA STEEL gescheitert war. Nun wird darüber berichtet, dass Firmenchefin Martina Merz mit dem SALZGITTER-Chef Heinz Jörg Fuhrmann über eine mögliche Stahlfusion gesprochen haben soll. Das wird natürlich von beiden Seiten dementiert. Grundsätzlich ist allerdings bekannt, dass THYSSENKRUPP weiterhin am liebsten eine Fusionslösung suchen würde. Außerdem sieht man die Notwendigkeit einer Konsolidierung im europäischen Stahlmarkt. Hinzu kommt, dass in der Vergangenheit schon öfter über eine Kombination des Geschäftes mit SALZGITTER geredet und spekuliert wurde.

Die Aktie von THYSSENKRUPP kann davon heute leicht profitieren. Allerdings ist das bei weitem noch nicht genug, um hier auch aus technischer Sicht einen neuen, interessanten Ansatz zu erkennen. Deshalb sehen wir hier auch weiterhin keine Notwendigkeit für ein Investment.

 

13.01.2020 - Jens Bernecker - jb@ntg24.de

 









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