Ein gigantischer Rückruf bei Babynahrung aufgrund von Giftstoffen brockt Nestlé den nächsten Skandal ein und die Anleger treten die Flucht an
Nestlé kommt aus den negativen Schlagzeilen kaum noch heraus
Bisher hatte Nestlé Vorwürfe um illegal gereinigte Wassermarken, darunter mit Perrier und Contrex zwei der wichtigsten Umsatzbringer der Sparte, noch nicht ganz verdaut. Noch bevor über die Angelegenheit Gras gewachsen ist, bekommt der Konzern es nun mit dem nächsten und wahrscheinlich noch größeren Skandal zu tun.
Anfang Januar rief Nestlé (CH0038863350) im großen Stil Babynahrung zurück, und das nicht nur in einem, sondern in gleich Dutzenden Ländern. Betroffen ist unter anderem der gigantische chinesische Markt. Das die Verbraucherinnen und Verbraucher bei Babynahrung ganz besonders auf Sicherheit achten, ist der Rufschaden kaum zu bemessen. Beobachtet werden konnten Medienberichten zufolge aber bereits herbe Umsatzeinbußen.
Es scheint sich um den bisher größten Rückruf in der Unternehmensgeschichte von Nestlé zu handeln. Verantwortlich dafür ist die Zutat eines Zulieferers, über die das Nervengift Cereulid in Milchpulver gelangen konnte. Schon geringe Mengen können zu Durchfall und Erbrechen führen. Konkurrent Danone scheint ebenfalls betroffen zu sein, dort spielt Babynahrung in der Bilanz aber eine weitaus geringere Rolle.
Heftige Kritik entlädt sich auf Nestlé
Verständlicherweise sind Eltern wenig erfreut darüber, dass es bei Nestlé zu einem derartigen Vorfall kommen konnte. In Frankreich reichte die Verbraucherorganisation Foodwatch letzte Woche Klage gegen Unbekannt ein und kündigte an, die Rolle von Nestlé genau prüfen zu wollen. Vor allem will man sich damit beschäftigen, ob zwei Todesfälle von Babys in einem Zusammenhang mit kontaminierter Babymilch des Herstellers stehen könnten.
Die Verbraucherschützer stören sich zudem an der Kommunikation von Nestlé. Das Unternehmen habe erst sehr spät über den Rückruf informiert und diesen zunächst nur an den Handel gemeldet. Es sei aber schon vorher verunreinigte Babynahrung verkauft worden. Bei möglicherweise erkrankten Säuglingen sei das Toxin nun kaum noch nachweisbar. Der noch recht frische Nestlé-Chef Philipp Navratil entschuldigte sich zwischenzeitlich in einem YouTube-Video, welches aber erst über eine Woche nach dem Rückruf veröffentlicht wurde.
Nestlé schätzt die Angelegenheit selbstredend etwas anders ein als Foodwatch. Es gebe derzeit keinerlei Hinweise auf einen Zusammengang zwischen tragischen Todesfällen und den eigenen Produkten. Zudem beteuert der Hersteller, in der Angelegenheit schnell und transparent gehandelt zu haben. Der CEO lässt wissen, dass die Gesundheit und Zufriedenheit der Verbraucher höchste Priorität im Unternehmen genieße. Derweil zieht der Vorfall auch in der Politik Kreise. In der EU gab es bisher zwar Grenzwerte für das toxinbildende Bacillus cereus, nicht aber für Cereulid selbst. Genau das soll sich nun laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) ändern.
PR-GAU für Nestlé
Schon jetzt ist absehbar, dass die Angelegenheit sich für Nestlé zu einem (weiteren) Image-Desaster entwickeln dürfte. Das Vertrauen der Verbraucher ist nachhaltig erschüttert und viele dürften in Zukunft Babynahrung von Marken wie Alfamino und Beba bewusst meiden. Einige Marktakteure spekulieren sogar schon darüber, dass aufgrund eines möglichen Nachfrageknicks Fabriken geschlossen und die Sparte abgesägt werden könnte. Davon will Nestlé bisher allerdings nichts wissen.
Schwer verunsichert sind auch die Anleger, welche die Nestlé-Aktie im Januar um über fünf Prozent bis auf 80,36 Euro am Wochenende in die Tiefe schickten. Eigentlich wurde darauf gehofft, dass der neue CEO den Lebensmittelgiganten endlich aus der Krise heraus und zurück in den Wachstumskurs führen könnte. Der nun vorliegende Skandal spricht aber eher für das Gegenteil. Denn es gibt keine Sparte, mit welcher die kurzfristigen Umsatzrückgänge aufgefangen werden konnte. Noch nicht bekannt ist außerdem, welche Kosten der Rückruf mit sich bringen könnte. Experten gehen aber fest davon aus, dass die Beträge in die Milliarden gehen dürften. Es könnte noch unschöner werden, sollte Nestlé vor Gericht gegen Foodwatch unterliegen.
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02.02.2026 - Andreas Göttling-Daxenbichler

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