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BÖRSE TO GO - mit Roche, Netflix und Evotec

Welche Folgen hat der Ölpreis-Crash?

 

Guten Morgen,

der Ölpreis-Crash ist das zentrale Thema an den Märkte, das wird noch ein paar Tage so bleiben und das ist gut so, denn: So normalisiert sich die technische Ausgangslage der Leitindices nach der ersten Phase der Erholungsrally.

Die in den Medien vielzitierte Argumentationskette „…sinkender Ölpreis gleich mehr Pleiten gleich schwerere Rezession“ ist zu flach. Erstens, weil eine Konsolidierung im Ölsektor ohnehin schon lange überfällig war (Stichwort Verschuldung der Fracking-Industrie) und zweitens, weil auch dieser Faktor in der Berechnung der Schwere der Rezession schon lange eingepreist ist. Hier macht es sich das Parkett einfach: Der Ölcrash dient als prima Argument, die Kurse erst einmal wieder durch Gewinnsicherungen zu drücken.

Damit entsteht erneut eine neue Kaufchance! Wer also bislang nicht zum Zuge gekommen war, hat nun bald die Gelegenheit, dies nachzuholen. Da die Berichtssaison erste Hinweise liefert, wie es um die Gesundheit der einzelnen Unternehmen und Sektoren bestellt ist, fällt eine Entscheidung nun leichter als im März, als wir noch alle viel mehr auf Sicht fahren mussten. Zwar verbleiben noch immer zahlreiche Nebelbänke, aber in der Tendenz wird es eher heller als dunkler.

Die technische Lage: Es gilt jetzt abzuwarten, bis die überkaufte Marktlage weitgehend neutralisiert ist. Chart-Techniker können sich hier des Stochastik-Indikators (Chart) bedienen, der recht zuverlässig die jeweilige Situation spiegelt. Im Dow Jones hatten wir das Kursziel bereits gestern mit 22.000 Punkten gesetzt, was im Chart recht gut zu erkennen ist. In der Zwischenzeit heißt es Hände in den Schoss legen und Ausschau halten nach Werten, die sich gegen den allgemeinen Trend stemmen.

 

Dow Jines mit Stochastik

 

ROCHE auf Wachstumskurs

 

Zum Beispiel ROCHE. Die Schweizer brillieren, indem sie sich mit eigenen neuen Produkten unverändert erfolgreich gegen den negativen Einfluss durch Nachahmerprodukte wehren und damit 4,6 Mrd. Franken umsetzen, was ca. 1,6 Mrd. Fr. mehr sind als 2019. Natürlich ist ROCHE auch in der Corona-Frage aktiv und bietet bereits seit März einen eigenen Test an. Außerdem arbeitet ROCHE an weiteren Tests, mit denen Antikörper des Virus nachgewiesen werden sollen. 

Aber viel wichtiger als die aktuellen Zahlen ist der Ausblick. Und hier hält ROCHE an seinen bisherigen Zielen fest, denn die Schwankungen der Märkte haben wohl nur einen eingeschränkten Einfluss auf die Geschäftsentwicklung. Damit zeigt sich an diesem Beispiel sehr schön: Börsenkurse spiegeln nicht immer zuverlässig die Geschäftsentwicklung der jeweiligen Unternehmen wider. Andere Beispiele werden folgen, was unsere Grundeinstellung unterstreicht. Abschließend zu ROCHE: Gelingt der Ausbruch oberhalb von 350 Franken (Rekordkurs), dann entsteht viel Spielraum nach oben. Roche bleibt ein Kauf.

 

NETFLIX: Abo-Zahlen explodieren

 

Gestern Abend meldete sich dann auch NETFLIX mit seinem Quartalsbericht zu Wort. Dabei konnte der führende Streaming-Anbieter die Markterwartungen wie auch seine eigenen bei den Abo-Zahlen bei weitem übertreffen. Der weltweite Shutdown sorgte dafür, dass NETFLIX Millionen mehr Abonnements abschließen konnte. Ursprünglich hatte man mit 7 Millionen neuen Abonnenten weltweit gerechnet. Unter dem Strich wurden es sogar 15,8 Millionen, also mehr als doppelt so viele. Damit kommt NETFLIX zum Quartalsende auf eine Abonnenten-Basis von knapp 183 Millionen Nutzer.

Allerdings: Bei den anderen Kennzahlen konnte NETFLIX nicht ganz so stark auftrumpfen. Zwar erreichte das Unternehmen beim Umsatz ein Plus von 28 % auf 5,8 Milliarden Dollar, was den Rahmen der Markterwartungen traf. Beim Nettogewinn mit 709 Millionen Dollar bzw. 1,57 Dollar je Aktie blieb man allerdings unter den Prognosen der Wall Street, die hier mit 1,65 Dollar gerechnet hatte. Das sollte man an dieser Stelle nicht überbewerten, könnte allerdings verhindern, dass die Aktie jetzt nun zum wirklich großen neuen Sprung ansetzt.

Zumal NETFLIX selbst warnt, dass das massive Wachstum bei den Abozahlen eher eine Einmaligkeit sein dürfte. Für das laufende Quartal rechnet man deshalb nur mit 7,5 Millionen Neukunden. Im zweiten Halbjahr könnten sogar die Abozahlen im Jahresvergleich wieder sinken. Dennoch: NETFLIX bleibt natürlich trotzdem einer dieser besonderen Trend-Werte an der Börse. Aktuell ist uns die Aktie aber zu teuer und wir spekulieren hier eher auf einige Gewinnmitnahmen, am liebsten in den Bereich von 390/400 Dollar. Dann würden wir auch einen Einstieg überlegen.

 

Chart Netflix

 

EVOTEC sichert sich Rechte

 

Apropos Trend-Werte: Auch der deutsche Markt hat solche und einer davon ist natürlich weiterhin das Hamburger Biotechunternehmen EVOTEC. Dieses macht heut mit einer durchaus spannenden Nachricht Schlagzeilen, die sich auch in einem weiteren Plus niederschlagen.

Konkret hat man sich die weltweiten Rechte zur Entwicklung und Vermarktung einer Diabetes-Therapie gesichert. Seit 2015 hatte EVOTEC zusammen mit dem französischen Pharmakonzern SANOFI dieses Projekt entwickelt, das auf der Herstellung menschlicher Betazellen basiert, die den Blutzuckerspiegel durch Insulinabgabe normalisieren sollen. Diese Therapie wäre eine mögliche Alternative zur bisher üblichen Insulinspritze. Das Programm ist bereits bis in präklinischen Testphasen entwickelt worden. Dass sich SANOFI aus dem Programm zurückzieht, liegt deshalb nicht an dem Projekt selbst, sondern daran, dass die Franzosen sich bereits schon seit einiger Zeit aus der Diabetes-Forschung zurückziehen.

EVOTEC hat nun zwei Möglichkeiten: Einerseits könnte man das Programm erst einmal selbst weiterentwickeln. Andererseits hat man natürlich jetzt auch die Möglichkeit, sich neue Kooperationspartner zu suchen. Im Endeffekt ist diese Rechtesicherung ein weiterer Baustein in der Verbreiterung des eigenen Produkt- und Angebotsportfolios und wird von uns positiv beurteilt. Deshalb bleibt es auch bei unserer Kaufempfehlung.

 

22.04.2020 - Jens Bernecker - jb@ntg24.de

 









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