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BÖRSE TO GO - mit Intel, BB Biotech und Gilead Sciences

Öl-Schock verkraftet, aber Börse braucht noch eine kleine Pause

 

Guten Tag,

die Börsenwoche endet wesentlich ruhiger als sie begonnen hat. Der Ölpreis-Schock hat sich rasch relativiert, da einerseits die Ursache in erster Linie im Terminmarkt zu suchen war und zweitens der Ölpreis im Wochenverlauf ebenfalls eine technische Korrektur vollzogen hat. Beides trägt dazu bei, dass die Markteilnehmer sich wieder auf die Zahlen der Unternehmen fokussieren werden. 

Ja, der Ölpreis bleibt unter dem Eindruck der gesunkenen Nachfrage, aber auch hier erfolgen in den kommenden Wochen die üblichen Anpassungen seitens Produzenten und Verarbeiter. Und nicht vergessen: Ein niedriger Ölpreis ist erst einmal auch eine angenehme und willkommene Zutat für eine Erholung der Weltwirtschaft.

 

Wie der Markt Zahlen einordnet

 

Die Art und Weise, wie die Kurse auf die Unternehmensergebnisse reagieren, verdeutlicht einmal mehr, was hier gerade passiert und was wir bereits angekündigt hatten: Liegen die (miserablen) Zahlen erst einmal auf dem Tisch, macht die Börse einen Haken dran. Gestern hatten wir DAIMLER auf der Agenda, die Zahlen waren eher mau mit Ausnahme des operativen Gewinns und der Kurs schloss mit +3%. Noch steigen wir hier nicht ein, aber verteilt die Börse weiter Vorschusslorbeeren, entstehen auch hier neue Kaufsignale. Also beobachten!

Das zeigt uns: Die Börsen reagieren vermehrt auf positive Meldungen als auf (mittlerweile sehr langweilige) negative Meldungen zu Corona!

Auch bei BEYOND MEAT tut sich wieder etwas. Immerhin konnte sich auch hier der Kurs von seinem Tief im März um 100% verbessern und nun läuft hier eine China-Spekulation an. Denn unter Mitwirkung von Starbucks werden nun die Vertriebsaktivitäten im Reich der Mitte kräftig angekurbelt. Das ergibt Sinn, denn eine Folge der Corona-Krise ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine Veränderung im Essverhalten der Chinesen. Immerhin wurde das Virus durch tierische Lebensmittel auf den Menschen übertragen, und es sollte daher keine Überraschung sein, wenn die Chinesen mal darüber nachdenken. BEYOND war schon immer ein Favorit, auch während der Schwächephase, und genießt ab sofort wieder vermehrt unsere Aufmerksamkeit.

 

INTEL schickt Chipsektor nach unten

 

Eine Pause macht dagegen der Halbleitersektor. Hier hatte gestern Abend der Prozessor-Gigant INTEL für lange Gesichter gesorgt. Zwar hatte der Konzern sowohl bei den Umsatzzahlen als auch bei den Gewinnen im ersten Quartal die Analystenerwartungen übertreffen können. Doch aufgrund der erwarteten Auswirkungen der Corona-Pandemie traut man sich derzeit keinen Jahresausblick zu. Außerdem liegt man mit der Prognose für das laufende zweite Quartal unter den bisherigen Erwartungen.

Das zog die Aktie nach Börsenschluss gestern Abend bereits um zeitweise 5 % nach unten und andere Halbleiterwerte können sich dem natürlich heute nicht entziehen. So notiert beispielsweise auch der wichtigste deutsche Branchenvertreter INFINEON mit rund 2 % im Minus. Allerdings muss man hier sicherlich auch mit ein rechnen, dass die Marktverfassung zum Wochenende hin insgesamt wieder mehr auf Gewinnmitnahmen ausgerichtet ist.

 

Chart Intel

 

BB BIOTECH tiefrot

 

Weitere Zahlen kamen auch aus der Schweiz. Hier meldete die Beteiligungsgesellschaft BB BIOTECH einen deutlichen Einbruch bei den Erträgen. Nachdem man im Vorjahreszeitraum noch einen Gewinn von 890 Millionen Franken ausweisen konnte, fiel nun für die ersten drei Monate des laufenden Geschäftsjahres ein Nettoverlust von 758 Millionen Franken an. Insgesamt musste auch der Net-Asset-Value (innerer Wert) kräftig Federn lassen. Sowohl in Franken als auch in Euro und Dollar ging dieser im ersten Quartal um 20-22 % zurück.

Indes: Natürlich ist dieses negative Ergebnis vor allem auf die massiven Kursrückgänge im ersten Quartal an den Börsen zurückzuführen. Deshalb versucht BB BIOTECH jetzt auch, diese Kaufgelegenheiten deutlich stärker zu nutzen. So wurde nach Auskunft der Beteiligungsgesellschaft der Investitionsgrad im ersten Quartal von zuvor 103,8 % auf 113,5 % angehoben. Und langfristig dürfte hier sowieso klar sein, dass die Biotech-Branche langfristig weiterhin an Bedeutung bei der Bekämpfung zahlreicher Krankheiten gewinnen wird. Deshalb sehen wir in BB BIOTECH weiterhin ein attraktives Vehikel, um diesen Trend nachzubilden.

 

Chart BB Biotech

 

Der Kampf um ein Corona-Impfmittel

 

Wir bleiben noch im Biotech-Bereich. Mit GILEAD SCIENCES muss gerade einer der Stars in der derzeitigen Corona-Forschung zumindest am Aktienmarkt einen kräftigen Rückschlag verkraften. Hintergrund hier: Die Financial Times (wieder einmal) hatte gemeldet, dass das von GILEAD entwickelte Medikament Remdesivir, das ursprünglich unter anderem gegen Ebola-Viren etc. entwickelt wurde und nun auch auf seinen Einsatz bei Corona getestet wird, in einer Studie gescheitert wäre. Das Unternehmen selbst konterte, dass dies so nicht stimme. Denn die entsprechende Studie in China sei nämlich nur wegen mangelnder Teilnehmerzahl vorzeitig abgebrochen worden und deshalb auch nicht aussagekräftig.

Man sieht: Die Nervosität ist hoch und die Medien spielen hierbei erneut keine besondere Ruhmesrolle. Letzten Endes dürfte weiterhin klar sein, dass der Wettlauf um ein Corona-Impfmittel weitergeht mit entsprechenden Spekulationen, Gerüchten und Kursschwankungen.

 

24.04.2020 - Jens Bernecker - jb@ntg24.de

 









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