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BÖRSE TO GO - mit TUI, SAF-Holland und Siltronic

Was bedeutet der Kursrückschlag an der Wall Street?

 

Guten Morgen,

wenige Meter vor dem entscheidenden technischen Signal geht den Leitindices an der Wall Street die Luft aus. Möglicherweise muss zuerst die deutlich überkaufte Marktlage abgebaut werden, ehe das alte Level erreicht bzw. überschritten werden kann. Das kann in wenigen Tagen der Fall sein, allerdings gehen wir davon aus, das dies erst zu Beginn der Berichtssaison Q3 sein wird. Es wäre quasi eine Idealvorstellung: Eine abgebaute überkaufte Marktlage trifft auf Enttäuschungskurse und Abstrafungen, hervorgerufen durch die Berichtssaison. Denn: Liegen erst einmal alle Daten auf dem Tisch, dreht der Wind.

Bei seinem Abschied bringt es auch EZB-Chef Draghi auf den Punkt: Die Notenbanken haben alles getan, nun ist die Politik gefragt. Der Empfänger ist eindeutig - Berlin. Wir hatten es bereits angedeutet: In den kommenden Wochen und Monaten wird sich die Koalition erklären müssen, warum die Bundesrepublik ihre Fiskalpolitik unverändert fährt, obgleich es andersherum klüger wäre. Wie Frau Merkel und ihre Gefolgschaft reagieren, bleibt abzuwarten, doch dürfte es interessant werden. So oder so: Es ist Aufgabe der Politik, für Wirtschaftswachstum zu sorgen.

Der Klimagipfel jedenfalls ist keine ausreichende Maßnahme, um jene Investitionen zu fördern, die klare Zeichen setzen. Es ist aber eine typische GroKo-Lösung: ohne Fantasie und ohne Anreize. Mit diesem Paket ist auch der Automobilbranche nicht geholfen. Was nötig wäre, sind umfassende Infrastrukturprogramme, aber bitte mit Köpfchen.

 

TUI lüftet den Deckel

 

Die Touristik-Branche bleibt im Marktfokus. Nach dem Chaos rund um die THOMAS-COOK-Insolvenz liefert heute Morgen Konkurrent TUI einen ersten Einblick auf das zu Ende gehende Geschäftsjahr. Dieses endet am 30. September und soll nach Auskunft von TUI im Rahmen der eigenen Erwartungen gelaufen sein. Entsprechend hat das Tourismusunternehmen auch die bislang bestehenden Prognosen bestätigt. Diese gehen für das bereinigte EBITA von einem Rückgang um bis zu 26 % aus (Vorjahreswert lag bei 1,177 Milliarden Euro).

 

Foto Aida TUI

Bildnachweis: © Finance & Research AG

 

Die Gründe für den Gewinnrückgang dürften hinlänglich im Markt bekannt sein. Zwar kann TUI insbesondere im Ausflugsgeschäft an den einzelnen Destinations (wie wir auch schon gestern berichteten) zwar robuste Zuwachsraten verbuchen. Doch das nach wie vor bestehende Flugverbot für Maschinen des Typs BOEING 737 Max und die damit verbundenen höheren Kosten für andere angemietete Maschinen und Crews belasten das Ergebnis.

Für das neue Jahr gibt es noch keine konkreten Prognosen. Zum einen wolle man die kurzfristigen Auswirkungen der THOMAS-COOK-Pleite prüfen. Zum anderen sei das Winterprogramm 2019/20 noch in einer zu frühen Phase des Buchungszyklus, um hier konkretere Aussagen zu machen. Deshalb lautet die allgemeine Einschätzung vorerst, dass auch das nächste Geschäftsjahr schwierig bleiben wird. Allerdings: Wie wir schon gestern schrieben, könnte TUI zu den Profiteuren der THOMAS-COOK-Pleite gehören, weshalb wir an dieser Stelle auch unsere spekulative Kaufempfehlung nochmals bekräftigen.

 

SAF-HOLLAND stürzt ab

 

Verlierer des Tages dürften heute SAF-HOLLAND sein. Der Nutzfahrzeug-und Trailer-Zulieferer hat eine Gewinnwarnung abgesetzt. Aufgrund einer schwachen Nachfrage rechnet das Unternehmen für dieses Jahr im besten Fall mit einem stagnierenden, eher aber einen um bis zu 3 % rückläufigen Umsatz. Zuvor war man von einem Umsatzplus von 4-5 % ausgegangen. Für die bereinigte EBIT-Marge werden jetzt 6-6,5 % angepeilt. Hier lag die Prognose bei 7-8 %.

Erschwerend kommt hinzu, dass auch für das kommende Jahr die Konzernerwartung einkassiert wurde. Noch will SAF-HOLLAND keine Konkretisierung bekannt geben. Diese soll mit Veröffentlichung der endgültigen Geschäftszahlen 2019 nachgeholt werden. Da aber inzwischen schon von einem Übergangsjahr die Rede ist, dürften wohl größere Wachstumserwartungen fehl am Platz sein. Nachdem die Aktie gestern schon im regulären Handel 3 % verloren hatte ging es heute Morgen mit Börseneröffnung um rund 17 % in den Keller. Damit dürfte der vorangegangene Versuch eines Ausbruchs aus dem Abwärtstrend vorerst zu den Akten gelegt sein. Vielmehr könnte nun noch ein weiterer Sell-Off drohen, da die nächste ernsthafte Unterstützungszone (aus 2011/12) erst im Bereich von 6,50 Euro liegen würde.

 

Kursverlauf SAF-Holland

 

Eine Kaufempfehlung

 

Und zum Schluss noch eine erfreuliche Meldung. Der Wafer-Spezialist SILTRONIC wurde von der britischen Investmentbank HSBC zum Kauf empfohlen. Als Kursziel nennen die Briten 83 Euro, was einer Chance von rund 14 % nach heutiger Börseneröffnung entsprechen würde. Den Analysten gefällt dabei die starke Positionierung von SILTRONIC in einem attraktiven Kern-Nischenmarkt in der Halbleiterindustrie. Man erwartet, dass nach den eher schwachen Ergebnissen des laufenden Jahres im kommenden Jahr das Wachstumstempo wieder deutlich anzieht. Das werden auch wir uns etwas genauer anschauen, zumal die Aktie aktuell auch in einer spannenden charttechnischen Ausgangsposition ist.

 

Kursverlauf Siltronic

 

24.09.2019 - Carsten Müller - cm@ntg24.de

 









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